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nachDRUCK # 6

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Premierenkritik

Die Fantasie

und die Zeit



Momo am Schauspiel Stuttgart
Foto (C) Björn Klein

Bewertung:    



Warum soll es Kindern besser ergehen als Erwachsenen? Wenn diesen im Theater immer häufiger Stoffe präsentiert werden, die sie bereits aus Büchern und Filmen kennen, wenn sie verschont werden von der herausfordernden Begegnung mit dem Unbekannten, Theaterspezifischen – warum sollte das im Kindertheater, das uns mit schöner Regelmäßigkeit vor Weihnachten überfällt wie der Christbaum mit oder ohne Lametta und wie Rudolph das Red-Nosed Reindeer in der Fußgängerzone, anders sein?

Am Stuttgarter Schauspiel ist es in diesem Jahr Michael Endes Momo, die die Familie (angekündigt als „ein Familienstück für alle ab 6 Jahren“) leibhaftig erfreut. Für alle? Na ja, sagen wir: für alle, die sich als Eltern oder als Theaterbesessene dafür entscheiden. Endes Supererfolgsroman von 1973 handelt auf populäre Weise von einem Thema, das einige der gescheitesten Philosophen seit Jahrhunderten beschäftigt hat: von der Zeit. Er tut es aber mit jenem Element, das zu Endes Markenzeichen und von Publikum und Kritik unterschiedlich bewertet wurde: mit Fantasie oder was man dafür hält. Kurios ist das schon: ausgerechnet an einem Theater, das sich im Erwachsenenprogramm für einen aktuell-politischen Realismus entschieden hat, füttert man den Nachwuchs mit Spätromantik. Was soll denn da aus den Kids werden? Das Primat der Fantasie erteilt der Kostümbildnerin auch die Lizenz, eine Schildkröte wie einen Swinegel aussehen zu lassen.

Immerhin begegnen die Kinder ab 6 Jahren und zum Teil darunter Bühneneffekten, die sie vielleicht dereinst für das Theater gewinnen werden. Und sie hören aus dem Mund von lebendigen Schauspielern Sätze im Konjunktiv und Ausdrücke, die wohl nicht mehr zu ihrer Sprache gehören, wie etwa „bare Münze“. Manche meinen ja, der Verlust an Sprachkompetenz sei kein Malheur. Wer anderer Ansicht ist, wird einem Theater, das noch mehr kann als stammeln, dankbar sein. Selbst wenn es nur laut werden lässt, was in einem Buch steht. Zumal wenn, wie man kürzlich erfuhr, das Vorlesen immer seltener wird.




Momo am Schauspiel Stuttgart | Foto (C) Björn Klein

Thomas Rothschild – 27. November 2022
ID 13932
MOMO (Schauspiel Stuttgart, 26.11.2022)
Inszenierung: Tim Egloff
Bühne: Prisca Baumann
Kostüme: Kerstin Grießhaber
Musik: Micha Kaplan
Licht: David Sazinger
Dramaturgie: Lena Fritschle
Besetzung:
Momo ... Teresa Annina Korfmacher/ Anne-Marie Lux
Meister Hora ... Gabriele Hintermeier
Schildkröte Kassiopeia/ Liliana ... Marietta Mefuid
Gigi Fremdenführer/ Grauer Herr ... Gábor Biedermann
Beppo Straßenkehrer/ Nino ... Boris Burgstaller
Grauer Herr/ die vollkommene Puppe ... Marco Massafra
Grauer Herr/ Polizist/ Herr Fusi/ Manager ... Till Krüger
Premiere war am 26. November 2022.
Weitere Termine: 29.11./ 02., 06.-08., 13., 15.-19., 25.12.2022// 30.01./ 10., 16.02./ 09.04.2023


Weitere Infos siehe auch: https://www.schauspiel-stuttgart.de


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