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Premierenkritik

Mutter

und Sohn



André Kaczmarczyk ist Macbeth am Düsseldorfer Schauspielhaus | Foto (C) Thomas Rabsch

Bewertung:    



Wilfried Schulz, der Intendant vom Düsseldorfer Schauspielhaus, und seine Dramaturgin Janine Ortiz (die, wenn sie nicht gerade Macbeth oder anderes am Gustav-Gründgens-Platz betreut, Horrorgeschichten schreibt) machen bei ihrer lustig anmutenden Stückeinführung eine halbe Stunde vor Beginn ein (freilich nur gespielt:) krampfartiges Gewese um den Titel des besagten Shakespearestücks, den man angeblich - wenigstens zur Shakespearezeit - nie hätte wirklich aussprechen dürfen, weil ein Fluch über dem Ganzen schweben würde, und so hieße es dann, früher jedenfalls, nur "das schottische Stück" o.s.ä., also wenn ich das jetzt alles richtig so verstanden haben sollte... Zudem wiesen sie, der Vollständigkeit halber, auf die spektakuläre "Skandal"-Inszenierung von Jürgen Gosch vor mehr als 15 Jahren hin; "Skandal" wohl deshalb, weil viel Blut und andere menschliche Innereien dünn- und dickflüssig verspritzt wurden, und alle waren splitternackt; da wäre ich natürlich auch gern hingegangen, hätte ich das vorher nur gewusst - kurzum: Schulz haderte damit, Macbeth jetzt wiederholt, obzwar in einer andern Produktion, an seinem Hause anzusetzen; und obgleich er doch, als Gosch ihn hier erarbeitete, Intendant am Staatsschauspiel Hannover war. Aber genug von all dem Klatsch & Tratsch.

*

Die Schauspielleitung tat nunmehr den russischen Regie-Jungstar Evgeny Titov [s. auch Œdipe an der Komischen Oper Berlin] mit ihrem neuen Düsseldorfer Macbeth betrauen. Ja und hauptereignishaft wurde die Inszenierung durch das ungleiche Protagonistenpaar:

André Kaczmarczyks Macbeth ist als Bad Boy angelegt, und Manuela Alphons' überreife Lady, die im Umkehrschluss, wenn man(n) dem Paar so angesichtig wird, sehr gut auch Macbeth' Mutter sein könnte, korrespondiert den merkwürdigen Zweierbund - und die auch jenes Ödipale insistierende Idee an sich ist gar nicht mal von schlechten Eltern!! Titov, der sich dem Vernehmen nach besonders gut mit Psycho & Psychologie auskennen würde - welcher wirklich guter Regisseur könnte das nicht - , wühlt sich dann also in die kranken Psychen dieser beiden großartigsten Negativgestalten des gesamten Shakespearestückepersonals hinein und holt aus ihnen raus, was ihm an deren Psychokrankheiten uns schlichten oder etwas weniger schlichten Theaterbesuchergemütern auf- oder nachzubereiten wichtig scheint; und er betont fast nebenbei, dass das dann alles gar nicht mal so krank wäre, denn eigentlich schlummert in jedem von uns "Krankes", das dann urplötzlich durch was weiß ich für einen nichtigen Anlassmoment zum krankhaften oder krank machenden Totalausbruch gelangt. Also weniger die das Stück beschäftigende Macht- und Thronbesteigungswut interessiert den Titov, als vielmehr die Aufdeckung und Bloßlegung des individuellen Bösen - - Valmont & Merteuil (aus Müllers Quartett), nur halt ein bisschen konsequenter ergo blutrauschiger.

Was Kaczmarczyk so mit seinem sündhaft schönen Leib und seiner höchstwahrscheinlich jede und jeden verführenden Gesichtsausstrahlung während der zwei pausenlosen Stunden anstellt, ist schon toll; ein Hingucker der Sonderklasse!

Ja und dass die überreife (mütterliche) "böse Stichwortgeberin" - trotz dieses suggestiven (Sohn-)Übergewichts - sämtliche Fäden der Gewaltorgien in ihren Händen hält und alle Morde sozusagen zweckbestimmt, nimmt man Alphons' zwar leiser aber umso binnentobsüchtigerer Lady-Darstellung ohne jeden Zweifel ab.

Auch sehens- als wie hörenswert: der zu 'ner aufkreischenden Malcolm-Tucke etwas uminterpretierte wahre Thronfolger, den Florian Claudius Steffens lustvoll spielt.

Stella Maria Köb, Blanka Winkler und Caroline Cousin sind das all diese "bösen Handlungen" ihres Probantenpaars moderierende Hexentrio.

Und sowieso brillieren alle anderen Mitwirkenden - auch weil sie ihre Sprechkünste ausleben und genießen, was bei der in dieser Produktion zugrunde liegenden Stück-Nachdichtung von Thomas Brasch nicht nebensächlich zu erwähnen wäre.

Irgendwie schon gut gemacht.

Andre Sokolowski - 21. November 2021
ID 13309
MACBETH (Düsseldorfer Schauspielhaus, 19.11.2021)
Regie: Evgeny Titov
Bühne: Etienne Pluss
Kostüme: Esther Bialas
Musik: Moritz Wallmüller
Licht: Konstantin Sonneson
Dramaturgie: Janine Ortiz
Besetzung:
Duncan, König von Schottland ... Rainer Philippi
Malcolm, sein Sohn ... Florian Claudius Steffens
Macbeth, Than von Glamis ... André Kaczmarczyk
Lady Macbeth ... Manuela Alphons
Banquo, schottischer General ... Matthias Buss
Macduff, Than von Fife ... Sebastian Tessenow
Lady Macduff ... Claudia Hübbecker
Macduffs Sohn ... Moritz Klaus
Drei Hexen ... Stella Maria Köb, Blanka Winkler und Caroline Cousin
Premiere war am 19. November 2021.
Weitere Termine: 30.11. / 05., 19., 28.12.2021


Weitere Infos siehe auch: https://www.dhaus.de/


https://www.andre-sokolowski.de

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