Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 6

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Premierenkritik

E.T.A. Hoffmann und Karel Čapek

im 21. Jahrhundert

ICH BIN DEIN MENSCH am Theater Baden-Baden

Bewertung:    



Wie spielt ein Mensch einen Roboter, der einem Menschen perfekt nachgebildet ist, so, dass man ihm die technische Leistung abnimmt und ihn dennoch als Roboter erkennt? Das ist die Herausforderung von Ich bin dein Mensch, einer Bühnenbearbeitung des gleichnamigen Films von Maria Schrader aus dem Jahr 2021, der seinerseits auf einer Erzählung von Emma Braslavsky basiert. Die Hauptrolle der Maren Eggert verkörpert in Baden-Baden Lisa Wildmann, ihren künstlichen Partner Tom anstelle von Dan Stevens Max Ruhbaum. Regie führt Nicola May, die Intendantin des hübschen kleinen Theaters in der Kurstadt, an dem die Kritiker der überregionalen Medien, anders als prominente Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, vorbeifahren, seit ihnen die Übernachtung in Brenners Park-Hotel nicht mehr bezahlt wird. In der Tiefgarage neben dem Theater sind das Casino und Hotels ausgeschildert, nicht jedoch eben das Theater. Das sagt etwas aus.

Die Bühnenfassung hält sich sehr eng an den Film und regt so zum Vergleich der Medien an. Sie findet auf einer Drehbühne mit schmalen senkrechten, fast durchsichtigen Wänden statt, die ihre Positionen verändern (Bühne: Sebastian Ganz) und so die Kameraperspektiven des Films ersetzen. Auf die Rückwand projizierte Aufnahmen von einem Bildtelefon erweitern den Bühnenraum. In den wenigen Straßenszenen laufen einzelne Personen, etwas gequält, schweigend über die Bühne. Verbunden werden die Episoden (im Film: Sequenzen) durch Easy-Listening-Jazz von Hans-Georg Wilhelm.

Und wie spielt man nun einen humanoiden Roboter? Max Ruhbaum, äußerlich seinem filmischen Gegenstück ziemlich ähnlich, tut das vor allem mit seiner monotonen Sprechweise und eckigen Kopfbewegungen aus dem steifen Hals heraus. Freilich kann man auf die Idee kommen, dass sich immer mehr Menschen einem Roboter angleichen als, allem modischen Gerede von KI zum Trotz, umgekehrt.

Lisa Wildmann wirkt charmanter, weniger spröde als Maren Eggert, spart aber mit emotionalen Ausbrüchen. Man glaubt ihr sowohl die hervorragende Forscherin wie die zunehmend verliebte Frau, nicht zuletzt, weil sie konsequent auf Übertreibung und Feixerei verzichtet.

Das Stück endet, wie der Film, ambivalent. Er macht gewiss nicht Lust auf eine Ehe mit einem Roboter, selbst wenn er dazu programmiert ist, einem alle Wünsche zu erfüllen. Und doch… Wenn man bedenkt, wie anstrengend das Leben mit einem realen Menschen sein kann, der einen eigenen Willen hat und widersprechen kann. Wer hätte sich vor fünfzig Jahren eine Generation ausmalen können, die sich lieber mit ihrem Handy unterhält als mich ihrem menschlichen Gegenüber?

*

Vor fast hundert Jahren, im selben Jahr, in dem Fritz Langs Film Metropolis uraufgeführt wurde, hat der Italiener Massimo Bontempelli das Theaterstück Minnie la candida geschrieben, in dem der Titelheldin eingeredet wird, dass in Amerika massenhaft Kunstmenschen herumlaufen, die man von echten Menschen nicht unterscheiden könne. In Deutschland wurde es nie aufgeführt, weil sich ein Bühnenverlag die Übersetzungsrechte gesichert, eine Übersetzung aber skandalöserweise nie veröffentlicht hat. Die Fantasien über menschliche Roboter gehen nicht aus. Ich bin dein Mensch ist nur eine davon.



Ich bin dein Mensch am Theater Baden-Baden | Foto (C) Jochen Klenk; Bildquelle: facebook.com/Theater.Baden.Baden

Thomas Rothschild – 26. Mai 2024
ID 14767
ICH BIN DEIN MENSCH (Theater Baden-Baden, 25.05.2024)
nach dem gleichnamigen Drehbuch von Maria Schrader und Jan Schomburg; frei nach Motiven der Erzählung Ich bin dein Mensch von Emma Braslavsky

Inszenierung: Nicola May
Bühne: Sebastian Ganz
Kostüme: Heike Seidler
Musik: Hans-Georg Wilhelm
Dramaturgie: Kekke Schmidt
Besetzung:
Alma ... Lisa Wildmann
Tom ... Max Ruhbaum
Mitarbeiterin u.a. ... Catharina Kottmeier
Roger u.a. ... Holger Stolz
Julian u.a. ... Ron Spiess
Dr. Stuber u.a. ... Rainer Haring
Chloe, Jule, Steffi ... Clara-Luise Bauer
Schwester im ZOOM ... Maria Thomas
Vater im ZOOM ... Berth Wesselmann
Kind im ZOOM ... Julius Hein
Premiere war am 25. Mai 2024.
Weitere Termine: 31.05./ 01., 02., 21.-23.06./ 03., 04., 18.07.2024


Weitere Infos siehe auch: https://www.theater-baden-baden.de


Post an Dr. Thomas Rothschild

Ballett | Performance | Tanztheater

Freie Szene

Neue Stücke

Premieren (an Staats- und Stadttheatern)

ROTHSCHILDS KOLUMNEN



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



  Anzeigen:



THEATER Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

AUTOR:INNEN-
THEATERTAGE

BALLETT |
PERFORMANCE |
TANZTHEATER

CASTORFOPERN

DEBATTEN
& PERSONEN

FREIE SZENE

INTERVIEWS

PREMIEREN-
KRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski

THEATERTREFFEN

URAUFFÜHRUNGEN


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal


Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2024 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)