Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 6

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Premierenkritik

Fabian Hinrichs

steckt das

Pollesch-

Universum

in eine

Nussschale



Fabian Hinrichs in Geht es dir gut? von René Pollesch an der Volksbühne Berlin | Foto (C) Thomas Aurin

Bewertung:    



Vier Premieren an einem Wochenende, wobei eine bereits wieder krankheitsbedingt verschoben werden musste. Die Berliner Theatermaschinerie läuft auch im auslaufenden Hochinzidenz-Corona-Modus munter weiter. Ein Hoch auf die Unermüdlichen auf und hinter der Bühne, und auch die davor haben ja einiges durchgemacht in den letzten zwei Jahren. Da kann man sich dann auch schon mal vor Müdigkeit etwas hängen und in die Polster der wieder vollbesetzten Theatersäle sinken lassen. Stellvertretend gejammert wird in der Volksbühne vom lang vermissten Ausnahme-Schauspieler Fabian Hinrichs. Wenn man ihn nicht in der letzten Zeit in der einen oder anderen TV-Serie daheim gesehen hat. Nun bringt er wieder eines seiner ganz besonderen Soloprojekte in Zusammenarbeit mit dem neuen Volksbühnen-Intendanten René Pollesch auf die Bühne. Geht es dir gut? ist der Stücktitel, und so lautet auch die große Frage des Abends, der erst einmal mit einem schönen klagenden Chorgesang beginnt. René Pollesch hat dafür zwei internationale Chöre engagiert. Die Afrikan Voices und die Bulgarien Voices Berlin, die Fabian Hinrichs stimmgewaltig begleiten.

„Ich war weg.“ heißt es da. „Nein warst du nicht.“ „Wir waren im Homeoffice.“ Also viel Zeit daheim verbracht und die Welt nur zweidimensional am Rechner wahrgenommen haben sehr viele während der Pandemie. Das ist natürlich zunehmend ermüdend, und mit Müdigkeit hat auch Fabian Hinrichs Figur zu kämpfen, aber zuallererst mit der 4 Wochen alten Maske im Gesicht seines imaginären Gegenüber, dessen Lächeln er so nicht sehen kann. Die Asymmetrie in den Gesichtern ist ihm nie aufgefallen. Der Maskengag ist ein recht guter, virtuoser Einstieg zu einem Long-Covid-Blues, der auch ein kurzes Schlaglicht auf den momentanen Krieg wirft, der per TV-Bild zu uns ins Wohnzimmer schwappt und das gefrostete, erstarrte Gesicht Putins zeigt. 1.000 Kilometer weit weg und doch so nah. Die Abstandsregel von 1,5 m in 2 x 1,5 Atomkoffern gemessen. Es gibt aber auch noch immer eine Klimakrise, bei der der Grenzwert 1,5 Grad Erderwärmung beträgt. Das macht Hinrichs zu schaffen. Und „on Top“ auch noch den Krieg. „Was soll denn eigentlich noch kommen?“

Von der Müdigkeit über den Bierschaum zur „Schaumkrone einer anderen Müdigkeit, die es auch vorher schon gab“. Der pandemiegeplagte Home-Offiziant im Büßermäntelchen steckt in der ewigen Sinnkrise. Hinrichs trägt die vor Selbstmitleid triefende Rede im gewohnt gedehnt larmoyanten Ton vor, der kaum eine ironische Brechung kennt, außer den kleinen Pollesch-Gags über Spekulanten, Hedonisten und Social-Media-Wahn. Der drinnen vor der Tür hat den Bezug zur Realität draußen vor der Tür verloren. Da wirken die plötzlich auftauchenden jungen Breakdancer von der Flying Steps Academy wie von einem anderen Stern. Dann schwebt rauchend eine Rakete vom Bühnenhimmel just in dem Moment, wo Hinrichs so ziemlich alle im Publikum besoffen geredet hat und man glaubt, die Redundanz kaum noch ertragen zu können. Doch die Chance, dem Trübsinn mit der Rakete zu entfliehen, verpasst Hinrichs ebenso elegant, wie er sich später in eine Wallnussschale setzt und selbst ein wenig über sich lachen muss. Das Pollesch-Universum in der Nussschale im Sparbühnenbild von Katrin Brack. Auf dem Boden der Realität wachsen die Träume eben nicht in den Sternenhimmel. Und so will der Abend trotz Rakete Hinrichs auch nicht so recht abheben. Aber die Hoffnung, dass es in 200 Jahren hier noch etwas gibt, auch wenn wir nicht mehr da sind, hatte schon Anton Tschechow.



Geht es dir gut? von Pollesch/Hinrichs in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz | Foto (C) Thomas Aurin

Stefan Bock - 26. März 2022
ID 13542
GEHT ES DIR GUT? (Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, 24.03.2022)
Text: René Pollesch
Bühne: Katrin Brack
Kostüme: Tabea Braun
Licht: Frank Novak, Johannes Zotz
Ton: Klaus Dobbrick
Dramaturgie: Johanna Kobusch
Mit: Fabian Hinrichs, den Afrikan Voices, den Bulgarian Voices Berlin und Breakdancern der Flying Steps Academy
UA war am 24. März 2022.
Weitere Termine: 26.03. / 02., 14., 25.04.2022


Weitere Infos siehe auch: https://www.volksbuehne.berlin


Post an Stefan Bock

Freie Szene

Live-Streams

Neue Stücke

Premieren



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



  Anzeigen:





THEATER Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

AUTOR:INNEN-
THEATERTAGE

BALLETT |
PERFORMANCE |
TANZTHEATER

CASTORFOPERN

DEBATTEN
& PERSONEN

FREIE SZENE

INTERVIEWS

LIVE-STREAMS |
ONLINE

PREMIEREN-
KRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski

THEATERTREFFEN

URAUFFÜHRUNGEN


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal


Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2022 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de