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nachDRUCK # 6

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Premierenkritik

Rote Lack Bodys

und schwarze

High Heels



Elias Arens (li.) als Caligula am Deutschen Theater Berlin | Foto (C) Arno Declair

Bewertung:    



Kostümdesignerin Annelies Vanlaere hat die wichtigen fünf "Neben"-Männer in Lilja Rupprechts absolut sehenswerter Caligula-Inszenierung am DT Berlin, vor allem für die Schlussszene, mit ziemlich geil aussehenden roten Lack Bodys und schwarzen High Heels ausgestattet. Die Jungs werden ihre hochhackig gezwung'ne Fortbewegungsart, die ihre Beine scheinbar immer länger werden ließ, sehr ehrgeizig trainiert haben, ja und das sah dann hochprofessionell aus, wie sie so auf ihren Stöckelschuhen gingen... Guido Lambrecht (als Scipio), Manuel Harder (als Cherea), Harald Baumgartner (als Senectus), Jeremy Mockridge (als Patricius) und Niklas Wetzel (als Mucius) verkörperten das besagte Quintett, das stellvertretend für die Fraktion der Reichen und Gebildeten des bereits in Auflösung befindlichen Römischen Reiches stand und von dem jungen als wie - seit dem Tod seiner geliebten Schwester - völlig durchgeknallten Kaiser in die Geiselhaft genommen wurde; jene Fünf sollten ihren Besitztum an ihn abtreten und hierfür dennoch (also ohne "Gegenleistung") alsbald hingerichtet werden. Doch zuvor labte sich der verhaltensgestörte Regent an seinen impulsiven Demütigungen (à la "meine Süßen", die er sich in einem von ihm konstruierten Großbordell einstweilen zu prostituieren zwang), welche er ihnen aufs Genüsslichste zuteil kommen ließ.

Tinto Brass' stumpfsinniger Hard-Core-Porno aus dem Jahre 1979 konnte seiner Zeit dem psychisch auffälligen Caligula-Typen - vergleicht man ihn zum hochambitionierten gleichnamigen Stück Albert Camus' - weitaus Beleuchtenderes und Erklärenderes abgewinnen als das etwas langatmige und z.T. auch langweilige Drama des Franzosen; ich selbst konnte und kann mit dem Camus-Stück nichts, aber auch gar nichts anfangen!

Die eigentliche Attraktion der Aufführung war/ ist Elias Arens! Sein Caligula entpuppte sich als ein agil und tänzerisch sich aufführendes Männer-Tier mit einer federleichten Physis und sehr angenehm sich anhörender Stimme - keiner würde ihm, wenn er's nicht vorher/ nachher besser wüsste, irgendeine dieser Greueltaten, die er lustvoll und in Serie absolvierte, zuzuwidmen wagen; seine Körper- und Gesichtszüge scheinen fast zärtlich, hingebungsvoll und verführerisch; seine artistische Gelenkigkeit machte schier staunen. Ein verheißerischer Hingucker und Hinhorcher, ganz ohne jede Frage!!

Als Caligulas Ex-Leib-und-Magen-Sklave Helicon agierten (als Quartett) die phänomenalen Jonas Sippel, Juliana Götze, Christian Behrend und Rebecca Sickmüller vom RambaZamba Theater.

Natalie Selig war als Caligula-Gattin Caesonia (die im Tinto-Brass-Film von keiner Geringeren als Helen Mirren gespielt wurde) besetzt.

*

Gegen den Vorwurf, dass sein Stück so einen merkwürdigen philosophischen Touch hätte, verwahrte sich Camus Zeit seines Lebens.

Freilich, wenn man seinen Dialogen und Monologen lesend folgt, kommt man höchstselbst auf fast dengleichen Schluss, es wird halt viel zu viel und um des Kaisers Bart herumgequatscht. Aber gottlob kann man dem Ganzen optisch einiges entgegensetzen - was dann jetzt und aktuell erfolgte und nicht ungekonnt geschah.



Caligula von Albert Camus am DT Berlin | Foto (C) Arno Declair

Andre Sokolowski - 18. Dezember 2022
ID 13969
CALIGULA (Kammerspiele, 17.12.2022)
von Albert Camus

Regie: Lilja Rupprecht
Bühne: Christina Schmitt
Kostüme: Annelies Vanlaere
Choreografie: Ronni Maciel
Musik: Philipp Rohmer
Video: Moritz Grewenig
Licht: Kristina Jedelsky
Dramaturgie: Juliane Koepp
Besetzung:
Caligula ... Elias Arens
Caesonia ... Natali Seelig
Helikon ... Jonas Sippel, Juliana Götze, Christian Behrend und Rebecca Sickmüller
Scipio ... Guido Lambrecht
Cherea ... Manuel Harder
Senectus ... Harald Baumgartner
Patricius ... Jeremy Mockridge
Mucius ... Niklas Wetzel
Premiere am Deutschen Theater Berlin: 17. Dezember 2022
Weitere Termine: 22., 29.12.2022// 09., 15., 25.01.2023


Weitere Infos siehe auch: https://www.deutschestheater.de/


https://www.andre-sokolowski.de

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