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Premierenkritik

Dörte

Lyssewski

kotzt



Dörte Lyssewski in Thomas Bernhards Am Ziel am Burgtheater Wien | Foto (C) Susanne Hassler-Smith

Bewertung:    



Architektonisch und atmosphärisch verhält sich das Kasino im ersten Stock eines Gründerzeitpalais am Schwarzenbergplatz zum eigentlichen protzigen Burgtheater wie das Pariser Théâtre des Bouffes du Nord zur Comédie-Française. Es dokumentiert den demokratischen Verfall einer einst feudalen Institution auf dem Weg zum Modell Kampnagel. Kurz nach Beginn stürzt ein Scheinwerfer herab. Teil der Inszenierung oder ein Unfall, der eine der Schauspielerinnen erschlagen könnte?

Für Thomas Bernhards Am Ziel hat Fabian Liszt der Zuschauertribüne spiegelbildlich eine Sitzreihe gegenübergestellt, auf der größtenteils lümmelnd die Akteure das verbale Zeremoniell absolvieren. Wie in vielen Stücken Bernhards, beginnt es mit einem langen, von nur wenigen kurzen Repliken der Tochter (Maresi Rieger) unterbrochenen Monolog über Gott (naja...) und die Welt. Dörte Lyssewski spricht ihn so virtuos, wie man es von dieser wunderbaren Schauspielerin erwarten darf. Den Mangel an Aktion kompensiert Lyssewski, wiederum bernhard-typisch, mit der Bewegtheit der Sprechmelodie. Sie trinkt ununterbrochen, zunächst Tee, dann Cognac, und sie spielt subtil die zunehmende Betrunkenheit. Litaneihaft – wir befinden uns bei Thomas Bernhard – wiederholt sie die Formulierung vom „dramatischen Schriftsteller“, die zwar grammatischer Unsinn, aber umso einprägsamer ist.

Nach zwei Dritteln der Aufführung tritt er auf, der dramatische Schriftsteller, in Gestalt von Rainer Galke, der am Volkstheater, namentlich in Thomas Bernhards Alte Meister, aufgefallen war, ehe er an die Burg wechselte. Nun wird es komödiantisch. Präsentiert wird eine Satire auf Schriftsteller – gar auf den Autor selbst? Mutter und Tochter greifen dem falschen Idol um die Wette aufs Knie, bis sich die Frau Mama buchstäblich auf ihm auskotzt.

Regie führte Matthias Rippert. Ob Dörte Lyssewski einen Regisseur benötigt hat? Man könnte ihr stundenlang zusehen. Und zuhören.




Am Ziel mit Rainer Galke, Maresi Riegner und Dörte Lyssewski - am Burgtheater Wien | Foto (C) Susanne Hassler-Smith

*

Im Hotel, beim Frühstücksbüffet: Frauen und Männer laden sich die Teller voll, als stünde in Österreich eine Hungersnot bevor, und lassen dann die Hälfte stehen. Zum Kotzen.

Thomas Rothschild - 14. Oktober 2022
ID 13853
AM ZIEL (Kasino, 14.10.2022)
Regie: Matthias Rippert
Bühne: Fabian Liszt
Kostüme: Johanna Lakner
Licht: Norbert Gottwald
Dramaturgie: Jeroen Versteele
Musik: Robert Pawliczek
Mit: Dörte Lyssewski, Maresi Riegner und Rainer Galke
Premiere am Burgtheater Wien: 14. Oktober 2022
Weitere Termine: 16., 19., 26.10./ 06.11.2022


Weitere Infos siehe auch: https://www.burgtheater.at/


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