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Performance

die elektroschuhe

mit ihrer dreiteiligen Performance TINA KOMMT NICHT im Berliner Ackerstadtpalast

Bewertung:    



Zunächst muss aufgeklärt werden, wer die elektroschuhe sind:


"Das Kollektiv die elektroschuhe besteht aus Künstlern, deren Interesse und Motivation es ist an verschiedenen Projekten in unterschiedlichen Positionen mitzuwirken. Diese Basis schafft dem jeweiligen hauptverantwortlichen Künstler die Möglichkeit sich auf die wesentlichen Aspekte und Konflikte seiner Idee einzulassen. Darstellung, Vermarktung, Kritik fallen an die übrigen Mitglieder. Hier wird Künstlern die Möglichkeit gegeben sich zu treffen, um eine gefühlvolle, beflügelnde und auseinandersetzungsreiche Kommunikation zu führen. Sich gegenseitiger Inspirationen hinzugeben und dadurch der eigenen künstlerischen Identität auf die Spur zu kommen." (Quelle: die-elektroschuhe.de)


Und jetzt zu dem, was uns das Kollektiv um die Elektroschuhe gestern Abend im Berliner Ackerstadtpalast vorstellte - seine Performance wird als Tina kommt nicht angezeigt, doch eigentlich sind es drei verschiedene - allerdings mit fließendem Übergang sozusagen "ungetrennt" voneinander - Einzelstücke, die die Vier uns präsentierten.

Wir fangen (wegen des Zusammenhangs mit Tina, die nicht kommt) von hinten an, also:


"Die Midlife-Crisis hat die drei Frauen fast schon erfasst, doch dann kommt der Durchbruch zum ersehnten Debütalbum mit einem Konzert beim größten Frauenband-Festival in Hamburg. Doch bei der letzten Probe ereilt sie ein unerwarteter Treuebruch. Tina kommt nicht. Schwanger! Die Schlagzeugerin und die Frontfrau stehen ohne Bassistin da. Auf die Schnelle werden die männlichen Partner der Frauen zu Frauen und müssen einspringen - natürlich nur unter dem Deckmantel des Weiblichen, denn immerhin geht es hier um ein Frauenband-Festival! Im Laufe des Stückes wird die Frage nach der sexuellen Zugehörigkeit der neuen Bandmitglieder zentral. Doch der immer wiederkehrende Verweis auf die abwesende schwangere Bassistin lässt die Frage nach der physischen Unterschiedlichkeit der Geschlechter dominant im Raum verweilen." (Quelle: dto.)


Pfiffig beschrieben! Und so hatte ich sofort, vom Plot her (den ich freilich vorher las), eine konkrete Ahnung, worum es in dieser Punk-Performance, welche von der Musikerin Sabine Bremer (am Schlagzeug) als Die Fuckmenshow betitelt wurde, eigentlich dann ging. Bremers Kollegin Ini Dill spielte die "Frontfrau" der besagten Frauenband und röhrte ungebremst ins Mikro Hit auf Hit, währenddem Daniel Drabek (am Yamaha-Piaggero) und Arne Nitzsche (an der E-Gitarre) ihre zugewies'ne Frauenrolle travestiegerecht genossen; beide hatten hübsche Kleidchen an, trugen Perücken, ja und Arne musste sich auf Stöckelschuhen halten und bewegen. Hübsch auch, wie er plötzlich in den sächsischen bzw. thüringischen Dialekt verfiel, als er die hochbesorgten Frontfrau-Mutter-Vorwürfe zum Besten gab à la "du bist schon 39, und du hast noch nichts erreicht, und warum genderst du im Treppenhaus, das war mir vor Frau Rückebrecht so furchtbar peinlich... nein, du ziehst jetzt aus, und zwar sofort!!" o.s.ä. Das war übrigens der absolute Highlight-Brüller dieses Abends!

In den beiden andern Stücken vorher ging es etwas "aufgeräumter" zu:

Sabine Bremer spielte und verstärkte ihre Violine mit der von ihr komponierten symphony no 1 “from the other side” for violin, electronics and hidden choir. Am Anfang dachte ich, es wäre eine Adaption nach Philip Glass - doch zunehmend kristallisierte sich dann mehr und mehr ihr eigner Stil bei Maiden Turn Of Race heraus.

Das anspruchsvollste Stück war die gleich zu Beginn von Daniel Drabek absolvierte Tanz-Performance Als wäre das der eigentliche Normalzustand - sie dauerte fast 50 Minuten und erfolgte als "Solo im Bett mit Radiowecker" - er beschreibt sie so:


"Die Ankunft bei sich selber: In der Hoffnung, dass man einen Ausweg hat. Das man immer, immer noch, ein anderer Mensch werden kann. Weil wenn man noch Zeit und Hoffnung hat, kann man sich in etwas anderes umwandeln. Man kann sich verändern, man kann alles ändern." (Quelle: dto.)


Es werden (als Rahmen) jede Menge Querdenker- und Impfgegner-Idiotien im O-Ton preisgegeben. Zwischendrin "tanzt" der splitternackte Drabek mit seiner Bettwäsche und formt so tolle Kissen- und Laken-Gespenster, die sich der wahrscheinlich mehr oder weniger gespaltenen Persönlichkeit des von ihm Dargestellten bemächtigen. Und ab und zu sieht man ihn so, als würde er sich um-geschlechtigt fühlen und begreifen, dies vollführt er dergestalt, dass er sich seinen Schwanz quasi nach hinten zieht bzw. ihn zwischen den Oberschenkeln so verbirgt, dass letztlich nur dann noch sein Schamhaar sichtbar wird und es so aussieht wie der Schamberg einer Frau... Ja und dann redet er viel, viel, viel Text dazu; vielleicht bisschen zu viel, weil wir ja schon bereits nach 10 Minuten irgendwie verstanden hatten, was er eigentlich dann meinte.

Überraschende Bilder, fetzige Musik.

In allem: Eine schöne sommerliche Unterhaltung.



Bildquelle: die-elektroschuhe.de

Andre Sokolowski - 26. Juni 2022
ID 13690
Tina kommt nicht (Ackerstadtpalast, 25.06.2022)
Dreiteiliger Abend von den elektroschuhen, Bin!, Nitzsche&Hummel


ALS WÄRE DAS DER EIGENTLICHE NORMALZUSTAND, Tanz-Performance
Performance, Inszenierung, Choreografie und Bühne: Daniel Drabek
Musik: Nitzsche&Hummel
Coach: Fred Gehrig

MAIDEN TURN OF RACE, AV-Performance
symphony no 1 from the other side for violin, electronics and hidden choir
Live-music und Komposition: Sabine Bremer
Performance7-Kostüm: Ini Dill
Video: Arne Nitzsche

DIE FUCKMENSHOW, Punkperformance
Performance und Musik: Sabine Bremer, Ini Dill, Daniel Drabek und Arne Nitzsche
Idee: Sabine Bremer
Kostüm und Bühne: Ini Dill

Premiere war am 25. Juni 2022.
Weitere Termine: 26., 27.06.2022


Weitere Infos siehe auch: http://www.die-elektroschuhe.de/


https://www.andre-sokolowski.de

Ballett | Performance | Tanztheater



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