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nachDRUCK # 6

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Performance

Sehenswert

BEETWEEN. A queer science-fiction rite


Jules Petru Fricker | Foto (C) Fabienne Watzke

Bewertung:    



Da es sich [lt. dok11-berlin.de] bei der Between-Performance von und mit Jules Petru Fricker um eine "performative Erkundung queeren Werdens und eine Zelebrierung von Genderfluidität – voller Hoffnung und Resilienz" handelt, ist für so Außenstehende wie mich zunächst erst einmal die Begriffsfindung, -erklärung von nicht nebensächlicher Natur; was also heißt Genderfluidität?


"Die Ausprägung genderfluid (von fluid 'fließend') bewegt sich zwischen den Geschlechtern männlich–weiblich (oder weiteren), teils in wechselnder Ausformung oder veränderlich. Eine bigender Identität vereint Elemente von zwei Geschlechtern, pangender schließt alle Geschlechter ein. Daneben gibt es Personen, die sich (zeitweise) gar keinem Geschlecht zugehörig fühlen und sich als agender ('ungeschlechtlich') oder neutral definieren. Darüber hinaus gibt es weitere Selbstbezeichnungen zur Beschreibung der eigenen Identität. Als nichtbinär verstehen sich auch Personen, die sich einem dritten Geschlecht zuordnen (vergleiche die rechtliche Geschlechtsoption 'divers') oder einer gänzlich anderen Geschlechtsvorstellung (vergleiche X-gender, Postgender). Als nichtbinär bezeichnen sich auch Personen, die ihre Geschlechtsidentität bewusst nicht genauer benennen und nicht auf eine traditionelle Geschlechterrolle festgelegt werden wollen." (Quelle: Wikipedia)


Zudem gibt der Veranstalter - Frickers Between ist Teil des noch bis morgen (4. 6.) stattfindenden PERFORMING ARTS FESTIVALS 2023 - eine erklärende Beschreibung des Dreiviertelstünders:


"Mittels einer Zeitreisemaschine werden geschredderte Erinnerungen aus ihrem riesigen audiovisuellen Kindheitsarchiv heraufbeschworen. Between erforscht den Körper als Archiv, wobei die Performer*in schließlich auf der Tanzfläche Zuflucht findet. Gemeinsam mit ihren musikalischen Kollaborateur*innen Aisha Devi, Bendik Giske und Grinderteeth öffnet sich ein Raum des Dazwischen. Die Multimedia-Performance kombiniert Tanz, Sound, gesprochenes Wort, Video und Installation."


Ja und so bin und wäre ich in etwa vorbereitet und gerüstet, um zu dem Gesehenen sowie Gehörten auch von meiner Außenperspektive her was mitteilen zu können.

*

Also:

Jules Petru Fricker ist von einer geradezu atemberaubenden Schönheit, was an sich bereits diese Performance zwingend zum Ereignis macht! Ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, dass auch oder vor allem wegen ihr ein derart großer Zulauf neugieriger Zuschauer zu registrieren war.

Der erste Teil birgt irgendwie erkennbar Autobiografisches in sich; und man vermutet einen Embryo (mit einer rechtsfußigen High-Heel-Stiefelette), der sich nach und nach aus seiner anfänglichen Unbeweglichkeit mit aufkeimendem Impetus der sich allmählich immer mehr verselbständigenden Gliedmaßen in das Leben "rauskämpft", gesehen zu haben. Ein sehr starkes Bild!

Danach seh'n wir das Neugeborene, wie es sich schulterstandhaft ausprobiert; Beine gestreckt nach oben [s. Foto unten] - und nachdem uns Fricker mit paar mehrsprachigen Infos sowie an die Wand gebeamten Schnipseln aus Familienvideos anno 1992/93, wo man ihn als kleinen Jungen wiederzuerkennen meint, versorgte, konstatieren wir seinen soeben absolvierten Schulterstand als "Parallele" zu demselbigen aus seinen frühen Kindheitstagen.

Jetzt greift er nach einem dünnstoffigen Kleidchen, was per Zufall plötzlich daliegt, und tanzt mit ihm, es wie 'nen Schleier um sich her wirbelnd, quer durch den Raum; das könnte dann so eine Art von Kipppunkt in Jules' Leben resp. Lebensgefühl gewesen sein, an dem er sich womöglich nicht mehr (so wie vorher) ausschließlich als "er", sondern als "sie" verstanden haben wollte, sicher bin ich mir da freilich nicht.

Im zweiten Teil der alles in allem sehenswerten Performance gibt es noch zwei schöne Show-Einlagen: den Tanz auf nunmehr zwei High-Heel-Stiefeletten und den Tanz mit der spektakulären Tentakel-Kappe.

Skulptural.



Between von und mit Jules Petru Fricker | Foto (C) Anna Agliardi

Andre Sokolowski - 3. Juni 2023
ID 14231
Between – A queer science-fiction rite (DOK 11, 02.06.2023)
Performance, Choreografie, Installation: Jules Petru Fricker
Musikset: Grinderteeth
Gesprochenes Intro: Oxi Peng
Dramaturgie: Nils Amadeus Lange
Musik: Aisha Devi und Bendik Giske
Lichtdesign: Theresa Baumgartner
Headpiece: Jochen Kronier
Text: Oxi Peng und Jules P. Fricker
Videoschnitt: Jules P. Fricker, gefilmt von Petru und Imi Rusz
Premiere im DOK 11 war am 1. Juni 2023.
Weiterer Termin: 03.06.2023
Die Vorstellungen finden im Rahmen von Performing Arts Festival 2023 statt.


Weitere Infos siehe auch: https://julianfricker.persona.co/


https://www.andre-sokolowski.de

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