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55 Jahre nach

Magic Afternoon



Die Verlorenen von Ewald Palmetsdorfer - im Theater am Werk | Foto (C) Matthias Heschl

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Das Werk X war eine der zahlreichen Wiener Bühnen, die im Schatten der im Scheinwerferlicht stehenden großen Häuser für eine Diversifizierung des Angebots sorgen und ein Publikum anziehen, das sich im bürgerlichen Pomp der Traditionstheater nicht so wohl fühlt. Jetzt hat es eine neue Leitung bekommen, die ihr Programm mit etwas zu viel Leerformeln wie „aufregend“ und „spannend“ und mit einem Grußwort des „General Manager“ der Metropolitan Opera ankündigt, und sich zu THEATER AM WERK umbenannt. Es besteht aus zwei Spielstätten, die eine in eher proletarischer Umgebung in einem ehemaligen Kabelwerk (daher der Name), die andere im unmittelbaren Stadtzentrum in einem Keller am Petersplatz, in dem einst die Jazzlegende Fatty George ihren „Saloon“ hatte.

Zur Eröffnung zeigt das neue Ensemble, dessen Mitglieder sehr verschiedene, zum Teil eindrucksvolle Berufserfahrung haben, im Kabelwerk die österreichische Erstaufführung des jüngsten Stücks von Ewald Palmetshofer, Die Verlorenenen, das vor vier Jahren am Münchner Residenztheater, an dem der Autor als Dramaturg tätig ist, uraufgeführt wurde. In Wien wurde der Text um gut ein Drittel gekürzt und das Personal fast ebenso drastisch reduziert.

Auf die flache Spielfläche hat die Bühnenbildnerin Larissa Kramarek hinter einer Straßenlampe, die, wenn sie aufleuchtet, fahles gelbes Licht spendet, drei unterschiedlich große Bauten aus Naturholz und ein Doppelbett gestellt. Auf, zwischen und hinter ihnen verweilen die Darsteller*innen. Wer nicht gerade am Dialog beteiligt ist oder einem Monolog zuhört, erstarrt in einer Pose. Die Regisseurin Maria Sendlhofer hat sich für eine plausible Stilisierung entschieden, die Palmetshofers metrisierter Kunstsprache entspricht. Die artifizielle Sprechweise wird mehr von der Melodie als von Syntax und Semantik bestimmt. Sie könnte zum „Leiern“ verführen. Doch die Sprechregie hat das weitgehend verhindert. Irritierend mag die mehr oder weniger starke Dialektfärbung bei den Frauen wirken. Die ist durchaus erlaubt, verstößt aber gegen das Dogma der Bühnensprache, das in Wen über Jahrhunderte gegolten und die Vorstellung von Theater geprägt hat.

Ein besonderer Reiz geht aus vom Widerspruch zwischen rhythmisierter Sprache und der Alltäglichkeit von Milieu und Handlung. Zwischendurch gibt es eine Choreographie der Gänge und Positionswechsel. Man könnte darauf verzichten. Aber das gehört halt zurzeit zum Repertoire. Sparsam und klug wird die Bühnenmusik von Bernhard Eder eingesetzt.

Vor 55 Jahren war in Theatern, die als Vorläufer des THEATERS AM WERK gelten können, Wolfgang Bauers Magic Afternoon der Renner. Er handelte, wie schon zehn Jahre zuvor der Film Les tricheurs von Marcel Carné, von den „Verlorenen“ jener Zeit. Während sich die Spannung bei Wolfgang Bauer jedoch in allgemeine Gewalt entlädt und bei ihm wie bei Carné ein ganz bestimmtes Milieu anvisiert wird, scheint Palmetshofer eher eine existentielle Situation im Auge zu haben. Auch sind seine Figuren keine Jugendlichen mehr.

Am Ende wird die sich doch noch, wie aufgesetzt, dramatisch zuspitzende Handlung nicht dargestellt, sondern erzählt. Ade, Wolfgang Bauer, hallo, Thornton Wilder!



Johannes Brand und Birgit Stöger in Die Verlorenen von Ewald Palmetsdorfer - im Theater am Werk | Foto (C) Matthias Heschl

Thomas Rothschild - 12. Oktober 2023
ID 14426
DIE VERLORENEN (Theater am Werk, 11.10.2023)
von Ewald Palmetshofer

Inszenierung: Maria Sendlhofer
Bühne und Kostüme: Larissa Kramarek
Choreographie: Olivia Hild
Musik und Sounddesign: Bernhard Eder
Dramaturgie: Hannah Lioba Egenolf
Mit: Johannes Brand, Janusz Cichocki, Thomas Frank, Thomas Kolle, Suse Lichtenberger, Johanna Orsini, Birgit Stöger und Jan Thümer
UA am Residenztheater München: 19. Oktober 2019
Premiere war am 5. Oktober 2023.
Weitere Termine: 15., 17., 18.10.2023


Weitere Infos siehe auch: https://www.theater-am-werk.at/


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