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nachDRUCK # 6

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Ballett-Gastspiel

Belebte Bilder

eines zeitlosen

Märchens



Die böse Fee Carabosse hat keine Einladung erhalten und zürnt in Dornröschen mit dem Royal Classical Ballet | Foto © RCB

Bewertung:    



Prachtvoll-opulente Bühnenbilder und schillernde Kostüme luden ein in eine bunte Märchenwelt.

Tänzerinnen und Tänzer setzten sich anmutig in Pose, vollführten leichtfüßig Figuren, Pirouetten-Drehungen, schnelle Schrittfolgen, ausladende Handbewegungen und Sprungkombinationen. Effektvolle Gruppentänze wechselten mit solistisch bravourösen Darbietungen. Mit technischer Präzision und Eleganz wechselten Balletttänzer vom Walzer in tänzerische Szenerien und aufwendige Tableaus.

Tschaikowskis Dornröschen (am 3. Januar 1890 am St. Petersburger Mariinski-Theater in einer Choreografie von Marius Petipa uraufgeführt) gehört heute zum internationalen Standardrepertoire. Das große Handlungsballett, nach Schwanensee (1877) das zweite seiner Märchenballett-Trilogie – abgeschlossen 1892 durch Der Nussknacker - wurde 1889 fertiggestellt. Seine sinfonische Partitur korrespondiert mit höfischer Pracht in märchenhaften Settings.

*

An zwei ausverkauften Abenden zeigte die Oper Bonn über die Osterfeiertage den Klassiker als Tanzgastspiel des Royal Classical Ballet.

Das Szenario basiert auf dem bekannten Volksmärchen, das vom Franzosen Charles Perrault mit La Belle au bois dormant (dt.: Die Schöne im schlafenden Wald) 1697 veröffentlicht wurde. Choreograph Marius Petipa, seinerzeit Ballettmeister des kaiserlichen Balletts, schrieb detaillierte Anweisungen zu dem im großen Stil konzipierten Werk, die teils der zweite Ballettmeister Lew Iwanow fortführte. Tschaikowskis emotionale Motive, dramatische Sequenzen der Partitur der fünfsätzigen Suite und schnelle Tempi werden variiert. Sie bereiten den dramatischen Konflikt zwischen der guten und der bösen Fee vor.

Talgat Kozhabaev mimte die böse Fee Carabosse, eine dämonische Unheilstifterin, die aus Rache Dornröschen verfluchte, weil sie nicht zur Tauffeier eingeladen wurde. Die Atmosphäre verfinsterte sich hier, wenn Tanzpaare und synchrone Formationen bei ihrem Auftritt innehielten und die Bühne durch rote Bodenscheinwerfer-Spots und Kunstnebel geflutet wurde.

Liudmila Titova mimte ihre feingliedrige Gegenspielerin, die ebenfalls wirkungsmächtige und weise Fliederfee. Vier Verehrer machten Prinzessin Aurora (Ksenia Pukhlovskaya), wie Dornröschen hier genannt wird, an ihrem 16. Geburtstag den Hof. Die sich behände wiederholt aufbäumende Fliederfee beobachtete, wie sich Aurora anschließend an einer Spindel stach, welche Carabosse Aurora in einem Blumenstrauß dareichte. Die Fliederfee wog Aurora anschließend in einen hundertjährigen Schlaf.

Nach einer Pause setzte Sergey Skvortsov als schneidiger Prinz Desiré Akzente, die eine unbestimmte Sehnsucht in Mimik und Gestik ausdrückten. Die Fliederfee präsentierte ihm Aurora und leitete ihn zum Schloss. Die von dem körperlichen Clinch mit der Fliederfee ermattete Carabosse ließ sich schnell vom raumgreifenden Desiré in die Enge drängen. Er küsste Aurora wach.

In fein ausbalancierten Körperformationen feierten nun gemeinsam neben Desiré und Aurora auch weitere Tanzpaare in Pas-de-deux und Solos Hochzeit. Eine ganze Reihe von Märchenfiguren traten als Gäste auf. Der gestiefelten Kater (Victor Finaurini) und die weiße Katze (Maria Igonina) schnurrten und fauchten sich an. Rotkäppchen (Marika Morra) wurde vom Wolf (Eugert Osmanaj) umgarnend verfolgt und schließlich emporgehoben und davongetragen. Auch der blaue Vogel (Leonard Cela) und Prinzessin Florina (Martina Dall’Asta) gaben sich in einem tänzerisch ausdrucksstarken Stelldichein einander hin.

Eine graziöse Darbietung voller schwebender Eleganz der Balletttänzer. Das Royal Classical Ballet brachte farbenfroh und detailreich Tschaikowskis Märchen-Klassiker mit fein ausbalancierten Gefügen und athletischen, die Handlung vorantreibenden Aktionen zum Ausdruck .

Der Genuss von Tschaikowskis schwelgerischer Musik voller Instrumentalfarben und Klangeffekte war aufgrund der Wiedergabe vom Band nur eingeschränkt.



Dornröschen mit dem Royal Classical Ballet | Foto © RCB


* *

Der heute als homosexuell eingeordneten Tschaikowski litt unter seiner homophoben Heimat Russland.

In Russland werden bekanntlich nonkonforme und nicht heteronormative Menschen ausgegrenzt, verfolgt oder dämonisiert.

So erhielt nach dem Gastspiel des RCB in Bonn der Tänzer Talgat Kozhabaev (für seine Verkörperung der weiblichen Carabosse-Figur) demonstrativ, v.a. von den vielen Kindern und Jugendlichen im Publikum, verdienten und anhaltenden Applaus.
Ansgar Skoda - 1. April 2024
ID 14681
Weitere Infos siehe auch: https://royalclassicalentertainment.com


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