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nachDRUCK # 6

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Uraufführung

Und jetzt? fragt Intendant

René Pollesch in seinem

neuen Stück

an der krisengeschüttelten Volksbühne am
Rosa-Luxemburg-Platz

Bewertung:    



Eine Frage, die wie ein verirrter Geistesblitz ohne folgenreichen Donnerschlag im Raum steht, oder sollte man besser vom allgemeinen „Wumms“ sprechen. Der kommt an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz derzeit eher von anderen, zumeist weiblichen KünstlerInnen. Beim Intendanten und Diskurs-Stückeschreiber René Pollesch reicht die Entladung eines Blitze schlagenden Bühnengewitters bei der Premiere seines neuen Stücks Und jetzt? nur für etwas launigen Theaterdonner. Die drei Schauspiel-Buddys Martin Wuttke, Milan Peschel und Franz Beil entern zwar die große, von Anna Viebrock gestaltete Bühne in Arbeits-Overalls und mit Baseballschlägern in der Hand, setzen sich aber gleich wieder zum Pausemachen in die Plastikstühle vor der Rampe.

Die Pause ist auch dann auch sowas wie das Schlagwort des Abends. Ein Stück mit drei Pausen soll es sein, das die drei als werktätige Schauspieler eines Schwedter Arbeitertheaters der 1960er Jahre kostümierten Darsteller hier proben wollen. Horizonte hieß ein Stück, das Gerhard Winterlich 1968 im Petrolchemischen Kombinat (PCK) Schwedt mit seinem Arbeitertheater aufführte. Es gelangte zu einiger Berühmtheit und wurde auch im DDR-Fernsehen gezeigt. Benno Besson, dem die Volksbühne gerade zu seinem 100. Geburtstag eine Feier ausrichtete, ließ eine von Heiner Müller bearbeitete Fassung dieses Stücks zum Beginn seiner Intendanz 1969 an der Volksbühne aufführen. Das und einiges mehr lässt René Pollesch in sein Stück einfließen. Eine Reminiszenz an alte Tage, an Agitprop-Theater und den Anspruch mit proletarischer Bühnenkunst die Welt zu verändern.

Zumindest Milan Peschel hat in seiner Früh-Zeit an der Volksbühne als Bühnenhandwerker mal selbst Hand angelegt. Hier hämmert, sägt und klopft es nur hinter einer Bühnenkulisse, die Anna Viebrock mit zwei kleinen Zuschauertribünen auf die sonst leere Bühne gestellt hat. Etwas alter Kulturhaus-Charme zum Abriss freigegeben. Drei leere, geflieste Schwimmbecken im Bühnenboden konterkarieren die aufwendige Wassershow Ophelia’s Got Talent von Florentina Holzinger. Zur Pollesch-typischer Popmusik kommt aber auch hier etwas Stimmung auf. Die ebenfalls typischen Diskursschleifen drehen sich nicht nur um Theater, Kampf und Kollektive, sondern auch um Kybernetik, dialektisches Denken, Shakespeares Sommernachtstraum, den Zufall und Stanisław Lems kosmische Katastrophen. An Katastrophen ist die Welt gerade nicht arm. An der Volksbühne versickern aber selbst die Schlagworte Schwedt und Erdöl folgenlos in der Bühnenversenkung. Früher gab es noch Gedanken-Ping-Pong, heute wird stattdessen lieber Badminton gespielt.

Die eigentliche Horizonte-Idee zum Stück stammt aber vom Berliner Performance-Kollektiv andcompany&Co., das zu diesem Thema bereits 2020 im Hebbel am Ufer einen Abend mit ehemaligen MitspielerInnen der Schwedter Horizonte-Aufführung gestaltet hat. Das Kollektiv um Alexander Karschnia war fast vollständig am Premierenabend anwesend, wie auch viele andere aus der Berliner Theaterszene. Ein Abend für Eingeweihte, könnte man sagen, die den Theatergags um den Fluch um Shakespeares Stück Macbeth und vielen anderen hier und da aufblitzenden Slapstick-Nummern sicher mit Begeisterung gefolgt sind. Ansonsten bleibt nur zu fragen, seit wann sind eigentlich Schauspieler auf der großen Volksbühne nicht mehr zu verstehen? Zum hausgemachten Akustikproblem kommt die wie schon erwähnte Folgenlosigkeit der Darbietung. „Ein Leben in drei Pausen“, das selbst in nur 90 Minuten etwas zu lang geraten ist. Aber was folgt nach der Pause?



Und jetzt? von René Pollesch an der Volksbühne Berlin | Foto (C) Apollonia T. Bitzan

Stefan Bock - 4. Dezember 2022
ID 13948
UND JETZT? (Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, 02.12.2022)
Regie: René Pollesch
Bühne: Anna Viebrock
Kostüme: Tabea Braun
Licht: Johannes Zotz
Ton: Klaus Dobbrick
Mitarbeit Bühne: Anna Brotankova
Dramaturgie: Leonie Hahn
Horizonte Idee: andcompany&Co.
Mit: Franz Beil, Milan Peschel und Martin Wuttke
Soufflage: Deborah Herold
UA war am 2. Dezember 2022.
Weitere Termine: 04., 10., 26.12. 2022// 07., 15.01.2023


Weitere Infos siehe auch: https://www.volksbuehne.berlin


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