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Mauern

She She Pop scheitern mit ihrem Nachfolge-Abend der Ost-West-Produktion SCHUBLADEN in videoästhetischer Schönheit und inhaltlicher Beliebigkeit

Bewertung:    



Zehn Jahre ist es her, dass sich das fast durchweg weibliche und aus dem Westen der alten Bundesrepublik stammende Performance-Kollektiv She She Pop einige Frauen mit Ostbiografie zu einem Abend über Ost-West-Schubladen einlud. Diese Produktion, die dann auch ganz passend Schubladen hieß, überzeugte vor allem durch das echte Interesse, voneinander zu lernen, Gemeinsames und Trennendes auszuloten, ohne in einen ideologischen Wettstreit zu treten. Nun werfen die ProtagonistInnen von damals in der Nachfolgeproduktion Mauern, die wieder im koproduzierenden HAU Hebbel am Ufer ihre Premiere hatte, einen prüfenden Blick zurück nach vorn.

Frau ist nicht nur zehn Jahre älter geworden, viele Selbstgewissheiten von damals haben sich in einer krisengeschüttelten Welt, die durch Umweltkatastrophen, Kriege und identitätspolitische Kämpfe geprägt ist, nicht halten können. Die Schubladen sind mehrfach ausgekippt und überprüft worden. Was kann nach all den Jahren weg, was lohnt es sich aufzuheben? So beginnt dieser Abend analog dem letzten mit einer Art Bestandsaufnahme. Johanna Freiburg, Ilia Papatheodorou und Berit Stumpf für das She-She-Pop-Team West, Peggy Mädler und später auch Annett Gröschner für die ehemaligen Ost-Frauen kramen auf der Bühne (Sandra Fox) in einem „Scherbenhaufen“ linker Überzeugungen aus Büchern und Schallplatten. Marx kann weg, oder vielleicht doch nicht. Auch alte Frauenemanzipationsliteratur wird symbolisch losgelassen. Nur John Lennon ist Gott und darf bleiben.

Die Frauen tragen spacig-bunte Kostüme, geben sich Regeln für das Ergreifen des Worts in der Diskussion oder für die Aufmerksamkeit der jeweils Sprechenden. Es wird geatmet wie bei einem Achtsamkeitskurs, aber auch ganz konkret nochmal auf alte Ost-West-Problematiken hingewiesen. Das macht sich vor allem an der Verteilung von Eigentum fest, aber auch an der von Führungspositionen von West- oder Ost-Frauen. Da hat sich bekanntlich so viel nicht geändert.

Das war es dann aber auch schon mit der Bestandsaufnahme. Nach dem Fall der Mauer haben sich für die Frauen neue Mauern wie ein Geflecht von undurchdringlichen Hecken aufgebaut, durch die es einen Durchgang zu finden gilt. Der ist dann im Gaze-Vorhang auf der Bühne auch schnell gefunden. Peggy Mädler taucht hier in ein auf eine weitere Gaze projiziertes Foto des alten Ost-Berlin. Das ist dann schon fast das Interessanteste an diesem etwas unschlüssig hin und her wabernden Abend, der videoästhetisch sehr viel mehr als inhaltlich zu bieten hat. Diese Reise in Bildern von Berlin über Ramallah bis nach Tschernobyl und anderen Orten verdankt sich den vielen Fotoserien bekannter KünstlerInnen, in die sich die Frauen hineinprojizieren. Das wirkt zum Teil wie ein leicht esoterisches Tänzchen auf der Suche nach vergangenen und möglichen neuen Utopien.

Irgendwann scheint den Ost-West-deutschen Frauen auch aufgegangen zu sein, dass ihre einstigen Probleme heute nicht mehr wirklich zeitgemäß erscheinen dürften. Für die neue Generation haben sie zwei ehemalige Praktikantinnen der Schubladen-Produktion eingeladen. Jahye Khoo aus Südkorea und Natasha Borenko aus Russland sind per Handy-Projektion zugeschaltet. Es werden Frage-Antwort-Spiele gespielt und die beiden jungen Frauen erzählen etwas zu ihrer jetzigen Situation. So finden auch Umwelt, Krieg, Flucht und Gender ihren Weg in den Abend, der so völlig überladen und undurchdringbar wie die sprichwörtliche Hecke wirkt und einem am Ende etwas ratlos zurück lässt. Das allerdings scheint einkalkuliert. Ein wohlfeiles Scheitern in videoästhetischer Schönheit.



Mauern von und mit She She Pop | Foto (C) Dorothea Tuch

Stefan Bock - 9. Dezember 2022
ID 13958
MAUERN (HAU1, 07.12.2022)
Idee und Konzept: She She Pop
Dramaturgie: She She Pop, Annett Gröschner und Peggy Mädler
Künstlerische Mitarbeit: Rodrigo Zorzanelli Cavalcanti
Director of Photography-Video Installation: Benjamin Krieg
Video Mitarbeit: Rocío Rodriguez
Bühne: Sandra Fox
Kostüme: Lea Søvsø
Musik: Max Knoth mit Maria Schneider
Von und mit: (gespielt wird in wechselnder Besetzung): Sebastian Bark, Natasha Borenko, Johanna Freiburg, Annett Gröschner, Jahye Khoo, Alexandra Lachmann, Katharina Lorenz, Lisa Lucassen, Peggy Mädler, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Wenke Seemann und Berit Stumpf
Premiere im HAU Hebbel am Ufer: 7. Dezember 2022
Weitere Termine: 10.-13.12.2022// 26., 27.01.2023


Weitere Infos siehe auch: https://www.hebbel-am-ufer.de/


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