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Autor:innentheatertage 2022

Reich des

Todes
von

Reinald Goetz

Düsseldorfer Schauspielhaus & Schauspiel Köln




Die AUTOR:INNENTHEATERTAGE feiern ihre 25. Ausgabe!

Ulrich Khuon, der sie - damals noch unter dem genderfreien Logo der AUTORENTHEATERTAGE - in Hamburg gründete und mit dem Festival vom Thalia Theater zum DT, wo er seit einem Dutzend Jahren Intendant ist, wechselte, erlebt sie jetzt und in den kommenden zwei Intendanten-Jahren (bis 2023 läuft noch sein Vertrag) gewiss mit Stolz und innerer Genugtuung. Was er da in der Hauptstadt installierte, kann und darf als schärfste Konkurrenz zu den alljährlichen THEATERTREFFEN gelten, deren immer launiger geword'ne 10er Auslese zumeist einen mehr unverständlichen, unnachvollziehbaren, unrepräsentativen Querschnitt der Theaterlandschaften in Deutschland, Österreich sowie der Schweiz vermittelt. Khuons Auswahl neuer oder neuester deutschsprachiger Theaterstücke aus den jeweils abgelaufenen bzw. laufenden Saisons stand - im Vergleich zum eigentlich viel, viel berühmteren "tt" - schon immer für ein echtes, glaubwürdiges Abbild dessen, was Autorinnen sowie Autoren heutzutage umtreibt, wie sie mit den selbst gewählten Stoffen umgehen, wo/ wann Theater auf sie stoßen (oder umgekehrt) und welche Resultate es hieraus auf deutschsprachigen Bühnen gab und gibt.

Drei Uraufführungen (Judith Shakespeare - Raoe and Ravenge von Paula Thielecke, Fischer Fritz von Raphaela Bardutzky, Das Augenlid ist ein Muskel von Alexander Stutz) und neun Berlin-Premieren zeigt das diesjährige Festival.

Gestern eröffnete es mit dem Reich des Todes von Reinald Goetz, einer Koproduktion des Düsseldorfer Schauspielhauses mit dem Schauspiel Köln - wir waren heute Abend in der Zweitvorstellung.



Reich des Todes von Reinald Goetz in einer Koproduktion des Düsseldorfer Schauspielhauses mit dem Schauspiel Köln | Foto (C) Thomas Rabsch


"...es [ist] eine Geschichte des historischen Niedergangs nach dem 11. September 2001. Goetz und sein Personal aus Politikerinnen und Strippenziehern, Soldatinnen und Folterknechten, Juristen und Geschundenen erzählen vom langen Schatten, den die brennenden WTC-Türme warfen, in dessen Dunkelheit sich Überwachungsstaat, Staatsfolter und maßloser Machtmissbrauch Bahn brachen. Es ist eine dunkle Geschichte einer jungen Vergangenheit, die unsere Gegenwart begründet hat, eine Erzählung von einem ungeheuerlichen Bruch mit allem, was uns als Gesellschaft vermeintlich ausmacht – orientiert an der Realität und geworfen in die Goetz’sche Assoziations- und Verknüpfungsmaschine, die virtuos und glasklar das Böse im Menschen als Konstante beschreibt." (Quelle: deutschestheater.de)

*

Nun wird dieser fürwahr erstaunlich anmutende Text gegen Gewaltanmaßungen jeglicher Art in einer Zeit kommunizierbar, die - seit 9/11 - neuerliches Fürchterliches aufzubieten hatte/ hat: die endgültig verlor'ne Schlacht um/ in Afghanistan, die Auswüchse der Covid-Pandemie und (aktuell:) den Ukrainekrieg; wenn dieses alles mal der Goetz in seinen Musestunden, wo ihm Reich des Todes aufs Papier oder in seinen Rechner ab-geriet, geahnt oder gewusst hätte? Aber wer weiß schon vorher, wann und wie man stirbt.

Das Stück hat keine Handlung, und es finden in ihm keine zwischenmenschlichen Interaktionen statt, also nicht wirklich. Es gehorcht gewissermaßen seiner sprachlich aufgeblasenen Textur, die dreiaktig daher kommt und als "Regierung", im "Gefängnis" und im "Hades" spielt - gemeint sind a) das Weiße Haus, b) Abu Ghraib und c) NS-Deutschland mit einem Hang zur weitreichenderen Verallgemeinerung in puncto Terror oder Totalitarismus.

Am Ende der von dem Septett grandioser Schauspielerinnen [Namen s.u.] absolvierten zweieinhalbstündigen Text-Orgie wusste womöglich trotzdem nur ein unbedeutender Prozentsatz des am Stück interessierten Publikums, worum es in Goetz' Reich des Todes eigentlich dann ging - allein der Mittelteil bestand aus etwa einer Stunde pingeligst und en detail beschrieb'ner Folter oder artverwandter "zivilisatorischer" Sadismen.

* *

Ich selbst war mir am Schluss nicht klar, ob ich das Stück oder die Inszenierung Stefan Bachmanns scheiße finden sollte, aber irgendwie tendierte ich dann doch zu Zweiterem.


Bewertung:    

Andre Sokolowski - 9. Juni 2022
ID 13662
REICH DES TODES (Deutsches Theater Berlin, 09.06.2022)
von Rainald Goetz

Regie: Stefan Bachmann
Bühne: Olaf Altmann
Kostüme: Jana Findeklee und Joki Tewes
Musik: Sven Kaiser
Choreografie: Sabrina Perry
Licht: Jean-Mario Bessière
Dramaturgie: Beate Heine und Robert Koall
Mit: Cathleen Baumann, Sophia Burtscher, Rosa Enskat, Claudia Hübbecker, Melanie Kretschmann, Sabine Waibel und Ines Marie Westernströer
UA am Deutschen Schauspielhaus Hamburg: 10. September 2020
Eine Koproduktion des Düsseldorfer Schauspielhauses mit dem Schauspiel Köln
Gastspiel zu den AUTOR:INNENTHEATERTAGEN 2022


Weitere Infos siehe auch: https://www.deutschestheater.de/programm/a-z/autorinnentheatertage2022/


http://www.andre-sokolowski.de

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