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Repertoire

Le Grand Macabre

in der Semperoper



Le Grand Macabre an der Sächsischen Staatsoper Dresden | Foto © Semperoper Dresden/Ludwig Olah

Bewertung:    



György Ligetis „Anti-Anti-Oper“ Le Grand Macabre wurde 1978 uraufgeführt. Nach einem wirkungsvolleren Musiktheater der vergangenen Jahrzehnte müsste man sich lange umsehen - LICHT, der siebenteilige Opern-Zyklus von Karlheinz Stockhausen oder Einstein von Paul Dessau oder Moses und Aron von Arnold Schönberg wären da (als Beispiele) zu nennen.

In Le Grand Macabre wird in einem skurrilen Mix aus mittelalterlichem Mysterienspiel, absurdem Klamauk und schwarzem Humor die Geschichte vom Weltuntergang erzählt. Im imaginiertem Breughelland treffen absurde Charaktere aufeinander. Der Weltuntergang tritt nicht ein, sondern der ganze Wahnsinn endet in einem kollektiven Besäufnis.

*

Calixto Bieito überzeichnet das imaginären Breughelland mit einer die gesamte Bühne einnehmenden spiralförmigen Rampe. In der Mitte hängt eine riesige Kugel, projiziert erscheint sie als Mutter Erde oder sie wird mit verschiedensten Videoeinspielungen und Liveprojektionen bespielt. Piet vom Fass entdeckt das Liebespaar Amanda und Amando, das einen ungestörten Schlafplatz für ausgiebigen Beischlaf sucht. Katarina von Bennigsen und Annelie Sofie Müller geben das Liebespaar – zwei bezopfte Gören, die sich mit Plasteeimern als Phallusersatz umgarnen.

Nekrotzar, der große Makabre, will noch heute um Mitternacht mit Hilfe eines Kometen die Welt vernichtet. Piet wird sein Knecht, auf dem Nekrotzar durch die Welt reitet. Mescalina quält und erniedrigt ihren Gatten, den Hofastrologen Astradamors. Er beobachtet die Sterne, sie verliert sich in Tagträumen nach ausgiebigem Sex mit einem potenten Liebhaber. Nekrotzars springt da gern ein, spielt mit ihr und beißt Mescalina dann zu Tode. Die Reise geht weiter zum Palast des Fürsten Go-Go. Der schwarze und der weiße Minister – zwei Karikaturen inkompetenter und korrupter Politiker verarschen den notorisch infantilen Fürsten. Ein weiterer Skurriler ist Gepopo, der Chef der Geheimen Politischen Polizei. Er warnt vor dem widerständigen Volk, das in der Inszenierung vom Sächsischen Staatsopernchor gespielt wird, welcher sich im 2. Rang befindet. Der Polizeichef ist besessen von der Ankunft des Kometen und des Großen Makabren. Die Situation heizt sich auf im dramatischen Hin und Her – am Ende saufen und feiern Volk, Piet vom Fass, Nekrotzar und Astradamors dem erwarteten Ende entgegen. Eine gewaltige Explosion ist aber nur ein bedrohlicher Schein des Kometen, Nekrotzar ist bereits zu betrunken, er verliert die Kontrolle, die Welt wird nicht zerschmettert. Aber alle glauben sich erstmal tot. Fürst Go-Go meint aber überlebt zu haben. Auch Mescalina erwacht, sie stürzt sich auf Nekrotzar. Piet und der Astrologe kommen auch zurück: "Wir haben Durst: Ergo wir leben." Der blamierte Große Makabre flüchtet. Amanda und Amando tauchen wieder auf, turtelnd haben sie von all dem nichts mitbekommen und die Oper endet: "Fürchtet den Tod nicht, gute Leute! Irgendwann kommt er, doch nicht heut! Lebt so lang in Heiterkeit!"

Dirigiert vom sprühenden Omer Meir Wellber, funkelt die Staatskapelle Dresden transparent und schön. Die Partitur zitiert sich munter durch die Musikgeschichte, ein Cello zirpt, Sirenen gellen, der wunderbare Opernchor singt die eher klassischen Parts als auch die an Beatboxen erinnernden modernen Aktionen souverän und mit viel Humor. Die Sänger, allen voran Markus Marquardt als Nekrotzar, bewältigen die teils schroffen Stimmen mit Bravour.

* *

41 Jahre nach der Uraufführung ist dieses Stück nun in Dresden angekommen. Eine mutige Aktion der Semperoper. Man darf hoffen, dass die schlechte Auslastung des Stückes [am vergangenen Donnerstag war das Haus zu 30 Prozent gefüllt; und die Premiere wäre nicht ausverkauft gewesen] nicht dazu führt, künftig auf solche Experimente zu verzichten. Gerade so eine konservative und geschlossene Gesellschaft wie die in Dresden brauch die Brüche und das Experiment, um nicht in der Komfortzone zu erstarren.



Le Grand Macabre an der Sächsischen Staatsoper Dresden | Foto © Semperoper Dresden/Ludwig Olah

Steffen Kühn - 1. Dezember 2019
ID 11856
LE GRAND MACABRE (Semperoper, 28.11.2019)
Musikalische Leitung: Omer Meir Wellber
Inszenierung: Calixto Bieito
Bühnenbild: Rebecca Ringst
Kostüme: Ingo Krügler
Licht: Michael Bauer
Video: Sarah Derendinger
Chor: Jan Hoffmann
Dramaturgie: Johann Casimir Eule
Besetzung:
Venus / Gepopo ... Hila Baggio
Amanda ... Katerina von Bennigsen
Amando ... Annelie Sophie Müller
Prinz Go-Go ... Christopher Ainslie
Astradamors ... Frode Olsen
Mescalina ... Iris Vermillion
Piet vom Faß ... Gerhard Siegel
Nekrotzar ... Markus Marquardt
Weißer Minister ... Aaron Pegram
Schwarzer Minister ... Matthias Henneberg
Ruffiak ... Reinhold Schreyer-Morlock
Schobiak ... Wooram Lim
Schabernack ... Markus Brühl
Chorsoli: Frank Blümel, Jo Hyunkwang, Yeani Park, Anna Semenow und Heike Wommelsdorff
Sächsischer Staatsopernchor Dresden
Sächsische Staatskapelle Dresden
Premiere an der Sächsischen Staatsoper Dresden: 3. November 2019
Koproduktion mit dem Teatro Real in Madrid


Weitere Infos siehe auch: https://www.semperoper.de


Post an Steffen Kühn

https://www.hofklang.de

Le Grand Macabre mit den
Berliner Philharmonikern (17.02.2017)


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