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Katja und der Teufel am Anhaltischen Theater Dessau | Foto (C) Claudia Heysel

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Die Spielpläne des Anhaltischen Theaters Dessau enthalten schon seit Jahren einen Opernmix, der überwiegend aus ABC-Waffen (Aida-Bohème-Carmen) sowie erlesenen Kostbarkeiten besteht. Das Prinzip hat sich bewährt: Dem Publikum vor Ort setzt man Stücke aus dem Kernrepertoire wie Hoffmanns Erzählungen (Premiere war am 25. Oktober) oder Der Barbier von Sevilla vor; die überregionalen RaritätenjägerInnen werden mit Jules Massenets Esclarmonde oder Pierantonio Tascas A Santa Lucia zur Anreise überredet, wobei der Fokus immer auf Werken liegt, die für die große Bühne komponiert wurden. Nun ist gerade das Juwel der letzten Saison ins Programm zurückgekehrt - Antonín Dvořáks hierzulande so gut wie nie aufgeführte Oper Katja und der Teufel.

*

Die Story ist schnell erzählt: Ein quasselndes Dorfmädchen namens Katja kriegt keinen Kerl ab und tanzt mit dem Teufel in die Unterwelt, der das alsbald bitter bereut. Als Retter in der Not erweist sich der Schäfer Jirka, der Katja wieder mit nach oben nimmt, wo beide eine Gräfin vor der Abholung durch den Beelzebub bewahren. Dvořák hat dazu eine Partitur geschrieben, randvoll mit böhmisch kolorierten Farben, Klängen, Tänzen, aus der er sogleich herauszuhören ist. Die junge Kappellmeisterin Elisa Gogou macht ihre Sache sehr, sehr gut, lässt das Blech rotgolden leuchten, die Streicher weich buttern: Der Sound der Anhaltischen Philharmonie wirkt wie eine warme Decke, die man sich nur allzu gern über die Ohren zieht.

Als weiterer Glücksgriff erweist sich das Inszenierungsteam. Regisseur Jakob Peters-Messer entschlackt und entstaubt das Werk, indem er - abgesehen von ein paar Heugabeln und Blümchenkleidern - sämtlichen Foklorekram über Bord schmeißt, der frei geräumten Szenerie einen kräftigen Schuss Limette verpasst (Bühne: Markus Meyer) und größtenteils auf Timing, Witz und seinen spielfreudigen Cast setzt. Die Hölle ist hier ein grau-verschlafener Verwaltungsapparat, in dem monoton Totenscheine gestempelt werden; der Teufel hingegen trägt Pink (Kostüme: Sven Bindseil). Leider ereignet sich der fernsehballettartige Satanstanz zum falschen Zeitpunkt, was aber an Dvořák selbst liegt, der diesen Einschub dramaturgisch nicht plausibel machen konnte. Die TänzerInnen sorgen mit Beinarbeit und nackten Popos dennoch für gute Laune.

Das prächtig aufeinander eingespielte Ensemble wirft sich mit Lust die Bälle zu: Don Lee lässt als kolkrabenschwarz tönender Luzifer aufhorchen; Iordanka Derilova greift mit stählernem Sopran in die Vollen; Ulf Paulsen gefällt als herbschön timbrierter, Grimassen schneidender Teufel Marbuel, und die stimmlich präsente Rita Kampfhammer serviert als Katja ein komisches Kabinettstückchen nach dem anderen. An die gesangliche Spitze setzt sich allerdings der Gast: Richard Sameks Jirka hat so viel Schmelz und Sonne in der Kehle, dazu wunderschönstes Tschechisch - toll! Nix wie hin.




Katja und der Teufel am Anhaltischen Theater Dessau | Foto (C) Claudia Heysel

Heiko Schon - 23. Oktober 2019
ID 11758
KATJA UND DER TEUFEL (Anhaltisches Theater Dessau, 20.10.2019)
Musikalische Leitung: Elisa Gogou
Inszenierung: Jakob Peters-Messer
Choreografie: Nigel Watson
Bühne: Markus Meyer
Kostüme: Sven Bindseil
Chorleitung: Sebastian Kennerknecht
Dramaturgie: Felix Losert
Besetzung:
Der Schäfer Jirka ... Richard Samek
Katja ... Rita Kapfhammer
Ihre Mutter ... Ulrike Hoffmann
Der Teufel Marbuel ... Ulf Paulsen
Luzifer ... Don Lee
Pförtner-Teufel ... Stephan Biener
Die Fürstin ... Iordanka Derilova
Kammerfrau ... Cornelia Marschall
Hofmarschall … Pawel Tomczak
Musikant … Alexander Dubnov
Opernchor und Ballett des Anhaltischen Theaters Dessau
Anhaltische Philharmonie Dessau
Premiere war am 25. Mai 2019.
Weitere Termine: 09.11. / 06., 21.12.2019 // 04.01.2020


Weitere Infos siehe auch: https://anhaltisches-theater.de


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