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Premierenkritik

David-

Bowie-

Musical



Lazarus am Schauspiel Leipzig | Foto (C) Rolf Arnold

Bewertung:    



Das David-Bowie-Musical Lazarus ist nach Inszenierungen in Düsseldorf, Hamburg und Nürnberg nun auch in Leipzig angekommen. Den Hauptdarsteller Christopher Nell hat man sich aus Berlin geholt. Dass Nell großartig singen und schauspielern kann, hat er schon in Produktionen von Robert Wilson am Berliner Ensemble bewiesen. Auch als Thomas Jerome Newton macht er in der ersten Regiearbeit von Fritsch-Darsteller Hubert Wild am Schauspiel Leipzig eine gute Figur. Selbst als der Mikroport im Gesangsduett mit Anna Keil als Mädchen/Marley ausfällt, ist er noch gut zu hören. Sein Newton hat zwar nicht so sehr die Rampenpräsenz eines Alexander Scheer, der am Deutschen Schauspielhaus Hamburg als Bowie-Wiedergänger zu erleben ist. Nell steht vor allem im Zentrum einer großen Ensembleleistung, aus der neben ihm gesanglich vor allem Anna Keil, Luise Schubert als Newtons Assistentin Elly und Dirk Lange als schwuler Lederrocker und düsterer Killer Valentine herausragen.

Ein Musical steht und fällt aber nicht nur mit dem guten Cast, vor allem die musikalische Umsetzung muss stimmen. Die verantwortet hier Stephan König, der u.a. bereits Auftrags-Kompositionen für das Gewandhaus zu Leipzig, die Oper Leipzig, das Akademische Orchester Leipzig oder den Thomanerchor Leipzig geschrieben hat. Der Sound seiner Band wirkt hier sehr kraftvoll und rockig, was gut über den eher etwas einfach gestrickten Textteil trägt. Hier und da ein paar Phon mehr könnten es aber schon sein. Kleinere Freiheiten erlaubt sich Wilds Inszenierung mit partiellen Einsprengseln, bei denen Nell kurz das Lied Der Wegweiser aus Schuberts Winterreise ansingt.

Christopher Nell legt damit den Sterbenden, der nicht sterben kann, nicht wie Alexander Scheer (der Vergleich sei erlaubt) als coole Rampensau an, sondern ringt ihm auch ein paar melancholische Facetten ab. Ein gebrochener Charakter, der sich von seiner Frau Mary-Lou getrennt hat, um ihr sein ewiges Dahinsiechen zu ersparen. Nun sucht das geheimnisvolle Girl Marley, eine Doppelgängerin seiner Frau, den zum Gintrinker und TV-Junkie verkommenen Newton wie ein Albtraum aus der Vergangenheit heim und eröffnet ihm doch so ein letztes Fünkchen Hoffnung auf eine mögliche Rückkehr zu seinem Planeten, von dem er einst auf die Erde gesandt wurde und sich dafür von seiner Familie trennen musste. So geht der Plott von Walter Tevis‘ Roman The Man Who Fell To Earth, in dessen Verfilmung aus den 70er Jahren David Bowie bekanntlich die Hauptrolle spielte.

Der irische Dramatiker Enda Walsh hat daraus eine Liebes- und Erlösungs-Schmonzette gemacht, die das zugegebener Maßen recht dürre Textgerüst zwischen Bowies Superhits wie Lazarus, Changes, Absolute Beginners, Where Are We Now? und natürlich Heroes bilden muss. Im ganzen 16 Songs, die in den knapp zwei Stunden gespielt werden. Da bleibt nicht viel Zeit für eine ausgefeilte Charakterstudie. Und alles was man dazu schon bei den früheren Lazarus-Inszenierungen geschrieben hat, trifft auch hier zu. Etwas spärlich auch das mehrgeschossige Bühnengerüst mit Showtreppe, die zu Newtons TV-Gruft führt, die am Ende dann doch noch wie ein leuchtendes Raumschiff dem nach ihm Greifenden entschwebt. Bleibt, sich an den bunten Kostümen von Dagmar Elizabeth Mecca zu erfreuen. Ein Show-Mix der 70th, und auch das Doppelgängerinnenmotiv spiegelt sich darin wieder.

Pop-Hymnen, Luftballons und Flitterkanonen gegen Düsternis, Melancholie und Todessehnsucht. Ein paar witzige Regieeinfälle hat Hubert Wild dann schon. Vor allem die Figurenzeichnung des finsteren Psychokillers Valentine lädt Dirk Lange mit viel schräger Ironie auf. Nach seinem Einstand mit Love Is Lost gibt es erstmals Szenen-Applaus. Das Leipziger Premierenpublikum geht von da an mit und gibt am Ende Standing Ovations, was für eine solche Produktion ja auch schon die halbe Miete ist.



Lazarus am Schauspiel Leipzig | Foto (C) Rolf Arnold

Stefan Bock - 17. Juni 2019 (2)
ID 11506
LAZARUS (Schauspiel Leipzig, 15.06.2019)
Musikalische Leitung: Stephan König
Regie: Hubert Wild
Bühne: Susanne Münzner
Kostüme: Dagmar Elizabeth Mecca
Video: Heta Multanen
Dramaturgie: Georg Mellert
Choreographie: Salome Schneebeli
Mit: Christopher Nell (als Thomas Jerome Newton), Tilo Krügel (als Michael), Luise Schubert (als Elly), Thomas Braungardt (als Zach), Julia Zabolitzki (als Japanerin/Maemi), Christine Fischer, Daniela Keckeis, Enis Turan (als Teenage Girls), Anna Keil (als Mädchen, später Marley), Dirk Lange (als Valentine) und
Brian Völkner (als Ben) sowie den MusikerInnen Stephan König (Klavier, Keyboard 1), Melchior Walther (Keyboard 2), Frank Nowicky (Saxophon), Matthias Büttner (Posaune), Lars Kutschke (E-Gitarre 1), Georg Spieß (E-Gitarre 2), Jacob Müller (Bassgitarre) und Dominique Ehlert (Schlagzeug/Live-Musiker)
Premiere war am 15. Juni 2019.
Weitere Termine: 21., 26.06. / 04.07. / 14., 15.09. / 04., 29.10. / 14., 31.12.2019 // 24.01. / 15.02. /20.03. / 11.04.2020


Weitere Infos siehe auch: https://www.schauspiel-leipzig.de/


Post an Stefan Bock

blog.theater-nachtgedanken.de

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