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Premierenkritik

Abge-

schottet



Ingela Brimberg und Peter Seiffert als Tristan und Isolde an der Oper Köln | Foto (C) Bernd Uhlig

Bewertung:    



Das Ereignis dieses neuen Tristan an der Oper Köln geht eindeutig vom Gürzenich-Orchester aus - tatsächlich wird es manifest in der Person des Dirigenten François-Xavier Roth; der dürfte momentan einer der wenigen und wirklich wichtigen Vertreter einer nachfolgenden Kapellmeister-Generation sein, die in absehbarer Zukunft wohl ein mächtig' Wörtlein mitzureden haben wird, will sagen, dass der Roth für JEDEN auch nur denkbaren Topp-Dirigentenposten wohl infrage käme! Seine "orchestrale" Auffassung der Wagneroper tut sich dahingehend fundamental z.B. von derjenigen des Daniel Barenboim (der noch immer und auch nicht zu unrecht als DER Tristan und Isolde-Dirigent unserer Gegenwart zu gelten scheint) absetzen, dass er eben nicht dieser Verführung unterliegt, mit größtvoluminösem Grabenklang die nebenher noch ausführende SängerInnenschaft gewissermaßen zuzudecken (um nicht gar zu sagen: zuzusch...) - ganz im Gegenteil, Roth dimmt die Phone 'runter und befächelt das ihm anbefohlene SolistInnenensemble mit ausreichend frischer Luft zum Durchatmen; für die Betroffenen womöglich auch als nicht zu unterschätzender Wohlfühlfaktor bei ihrer schweißtreibenden Arbeit wahrnehmbar.

Und um den Tristan (den dann übrigens der hochbewundernswert sich in der Rolle nach wie vor behauptende Peter Seiffert gab) über drei Stunden absingenderweise durchstehen zu können, braucht es ganz bestimmt neben einer gewieften Durchhaltetechnik einen ihn mittragenden oder gar aufbettenden Orchesterapparat in Führerschaft eines allwissenden und die unendlich in die Irre führende Musik ins Diesseitige bändigenden Wunderheilers - so vom Schlage eines Roth!

Auch Ingela Brimbergs Isolde-Debüt macht einen durchaus akzeptablen Eindruck, Claudia Mahnke (als Brangäne) ist uns schon seit ihrer 2016er Bayreuther Beispringung vertraut, Samuel Youn (als Kurwenal) wirkt ungewöhnlich explosiv und gibt der Rolle sodurch glaubhaft Zunder, und bei Karl-Heinz Lehmers König Marke lässt sich ganz besonders jedes Wort verstehen .

*

Patrick Kinmoth (Inszenierung) sowie Darko Petrovic (Bühne) haben Tristan und Isolde handlungsdurchgehend und -übergreifend auf ein Zwischendeck von einem Schiff verortet. Es gibt dort fünf jeweils voneinander abschottbare Einzelkabinen mit notdürftigen Interieurs bestehend aus je einem Stuhl, einer abklappbaren Liege, einem Waschbecken mit Spiegel oben drüber, und das wars auch schon - so ähnlich könnte es in Notbehelfskajüten eines Frachtschiffs, wo ja auch so Mitfahrtouren angeboten werden, aussehen, vermuten wir. Davor sind zig pyramidale Plexiglasbausteine aufgebaut, auf denen Wellwasser bzw. anderes Beleuchtendes draufprojiziert wird; ja und zwischen diesen Elementen und dem Schiffstorso wird teilweise dann das Orchester "eingeklemmter" Maßen sichtbar.

Die Personenführung zielt auf einen fast ausschließlichen Berührungs- und Kontaktemangel, alles "Handeln" der Personen und Personen-Paare erfolgt anti-interaktional, d.h. dass jeder/jede lediglich seine/ihre im eignen Hirn stattfindende Geschichte vorwärts zelebriert; genial geschlossen als wie konsequent und schlüssig durchgehalten!!

Ja nicht zu verpassen! Bloß nicht!!





Tristan und Isolde an der Oper Kölnn 2019 | Foto (C) Bernd Uhlig


Andre Sokolowski - 23. September 2019
ID 11693
TRISTAN UND ISOLDE (Staatenhaus, 21.09.2019)
Musikalische Leitung: François-Xavier Roth
Inszenierung: Patrick Kinmonth
Bühne: Darko Petrovic
Kostüme: Annina von Pfuel
Licht: Andreas Grüter
Chorleitung: Rustam Samedov
Dramaturgie: Georg Kehren
Besetzung:
Tristan ... Peter Seiffert
König Marke ... Karl-Heinz Lehner
Isolde ... Ingela Brimberg
Kurwenal ... Samuel Youn
Melot ... John Heuzenroeder
Brangäne ... Claudia Mahnke
Ein Hirt und Stimme eines jungen Seemanns ... Young Woo Kim
Ein Steuermann ... Insik Choi
Herren des Chors der Oper Köln
Gürzenich-Orchester Köln
Premiere an der Oper Köln: 21. September 2019
Weitere Termine: 28.09. / 03., 06., 11., 13.10.2019


Weitere Infos siehe auch: https://www.oper.koeln


http://www.andre-sokolowski.de

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