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nachDRUCK # 5

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Premierenkritik

Mann & Frau



Foto: Martin Miotk

Bewertung:    



Der antike Odysseus taugte und taugt - seitdem er im Homer'schen Epos erstmals literarisch personalisiert wurde - vor allem auch fürs darstellende Kunstgewerbe; es gibt beispielsweise immer wieder jede Menge Filme, die den zwielichtigen Fundskerl auf die eine oder andre Weise nachbereiten, und vom Kinobreitwandstreifen Ulisse (1954) mit Kirk Douglas in der Titelrolle bis zum TV-Zweiteiler The Odyssey (1997) von Andrei Konchalovsky reicht da die Palette.

Auch das hauptstädtische Künstlerkollektiv Opera Lab Berlin (Songs of Rebellion, 2019; Was tun? Eine Wunderkammer, 2018; Staatstheater, 2017) erkundete für sich jetzt eine Form, um "seine" ganz spezielle ODYSSEY als Dead Men Die performativ unter die Zuhörer und Zuschauer im ehemaligen Filmkunsttheater Delphi im Berliner Weißensee zu bringen; Evan Gardner komponierte das Spektakel, und die 15 SängerInnen & MusikerInnen sangen und spielten in der für sie typisch gut gelaunten Art und Weise, insgesamt ganz selbstverständlich: hochprofessionell!

Und worum ging's?



"Odysseus trifft auf seine Strohwitwe Penelope, eine alleinerziehende Mutter, die ihn fast schon vergessen hat und auf seinen orientierungslosen, halbverwaisten Sohn Telemachos, der ihn sehnlich erwartet. Doch statt einer glücklichen Familienzusammenführung erwartet den Kriegshelden der Prozess. Unter Führung von Penelope wird er von den Sirenen, Kalypso, Kirke und Nausikaa für die Verbrechen der patriarchalen Ordnung verantwortlich gemacht und als Vertreter stereotyper Männlichkeit bestraft. Nur Telemachos spielt nicht mit: Der wütende junge Mann sucht seinen Platz in einer krisengeschüttelten Zeit und findet Antwort in der blinden Verherrlichung des väterlichen Heldentums und der gewaltsamen Wiederherstellung der 'guten alten Ordnung' von Volk, Nation und Familie." (Quelle: Opera Lab Berlin)

*

Das Publikum wird in der ersten Hälfte der Performance auf den Delphi-Mittelrang platziert. Vor ihm hängt eine breitwandige Stoffplane, welche die Sicht ins Saalesinnere versperrt und worauf Christian Stribolls Filmchen über den nach Waldhain oder so zurückkehrenden Odysseus in Groß- und Nahaufnahme flimmert. Zur Eröffnung ließen noch der Counter Georg Bochow und die Hochdramatische Gina May Walter keinen Zweifel daran, dass sie für den Rest des anderthalbstündigen Abends als Sohn Telemachos und Mutter Penelope hauptrollig zur Verfügung stehen würden; hier und bis zum Schluss wechselten sie sich mit Originalzitaten aus dem Ulysses von Joyce und aus Atwoods' Penelopiad, größtenteils auf Englisch vorgetragen resp. vorgesungen, ab.

Dann - ungefähr nach 40 immer zäher werdenden Minuten - wird das Publikum vom Delphi-Mittelrang die Außentreppe abwärts in das Saalesinnere geleitet; es gleicht einem zehnsäuligen Tempel (Bühne: Martin Miotk), und man muss den Rest des Abends stehend dort verbringen. Rings um einen rum bietet sich nun Theateroptik, überall kann/wird dann irgend was geschehen... Und der Sänger Martin Gerke ist von uns Besichtigende justament als Odysseus (obgleich er bloß als "Schauspieler" auf dem Programmzettel gelistet wurde) identifiziert worden. Ja und der Arme hat es jetzt mit den Sirenen sprich den "Maids" [Namen s.u.] zu tun, ihnen ist er fortan aufs Gnadenlose ausgesetzt; als etwaige Grundaussage der vermischten Szenen könnte gelten: Männer sind, was wir schon immer wussten, Scheiße.

Hanna Rode hatte für die ausführende Crew fantastische Kostümdesigns entworfen, Martin Rink war fürs Maskieren zuständig.

Als "Dead Man" zauberte der Cellist David Eggert sphärisch Klingendes aus seinem Instrument.

Sehr sehens- und sehr hörenswert, obgleich sich (jedenfalls beim Schreiber dieser Zeilen) ein gewisser End-Sinn der erlebten ODYSSEY mitnichten mitteilte; doch macht ja nix.




ODYSSEY: Dead Men Die durch die Opera Lab Berlin | Foto (C) Martin Koos

Andre Sokolowski - 31. Januar 2020
ID 11968
ODDYSSEY (Theater im Delphi, 30.01.2020)
Dead Men Die | Komposition und Libretto von Evan Gardner

Musikalische Leitung: Shin-Joo Morgantini und Louis Bona
Inszenierung und Libretto: Michael Höppner
Bühnenbild: Martin Miotk
Kostüme: Hanna Rode
Video: Christian Striboll
Lichtdesign: Fabian Eichner
Maskenbild: Martin Rink
Besetzung:
Kinobetreiberin ... Gina May Walter (Sopran)
Cineast ... Georg Bochow (Countertenor)
Schauspieler ... Martin Gerke (Bariton)
Dead Man ... David Eggert (Cello)
Sirenen ... Nina Guo (Sopran) und Sophie Catherin (Mezzosopran)
Maids ... Evi Filippou (Schlagzeug), Shin-Joo Morgantini (Flöte), Alba Gentili-Tedeschi (Keyboards), Jone Bolibar Nunez (Klarinette), Sara Breznikar (Horn), Louis Bona (Viola), Benedikt Bindewald (Viola), Giovanni Zaniol (Electronics) und Matthias Koole (Gitarre)
Premiere war am 30. Januar 2020.
Weitere Termine: 31.01. / 02.-04.02.2020
Eine Produktion von Opera Lab Berlin

Weitere Infos siehe auch: https://www.opera-lab-berlin.com/


http://www.andre-sokolowski.de

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