Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 5

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Premierenkritik

A*popo*kalypse

Neues Stück, andere Location: tutti d*amore gastieren mit MAGNA MATER im Zirkus Mond


Bildquelle: zirkusmond.de

Bewertung:    



tutti d*amore prangt in diversen Farben auf dem Asphalt, womit das Berliner Kollektiv für zeitgenössische Oper*ette sein Publikum quasi am S-Bahnhof Greifswalder Straße in Empfang nimmt. Die bunten Logos weisen nämlich den Weg in ein grünes Areal der alternativen Kulturszene, in welchem ein Grand Chapiteau versteckt ist. Ich schaue, stutze, staune: Der Zirkus Mond ist ein magischer, ja, wahrlich überirdischer Ort. Allein schon mit der Wahl dieser Location wird die Truppe ihrem Credo gerecht, in die Jahre gekommenes Musiktheater einer rigorosen Frischzellenkur zu unterziehen.

Ich nehme auf einem Barhocker Platz, gegenüber sitzt das zehnköpfige Orchester [Namen s.u.], hinter mir knattert die Popcornmaschine. Die neue Produktion von tutti d*amore entpuppt sich als Stück im Stück oder treffender: als feministisches Festspiel im Spiel. Und wie es sich für Festspiele gehört, startet Magna Mater mit dem Einzug der (verspäteten) Gäste, die gleich als Wölkchenchor herhalten müssen - ob sie wollen oder nicht. Auftritt von Festspielchefin Mrs. Klappstuhl (göttlich: Gina May Walter)! Sie begrüßt die “Ladies and … Ladies” in der Manege, präsentiert zwei Tenöre in Käfighaltung und kündigt DAS Werk zum Ursprung des matriarchalen Imperiums an - Franz von Suppés Operette Die schöne Galathée. Klingt crazy? Nun, es ist ziemlich abgefahren. Pygmalion (Ferdinand Keller) stapelt sich die Traumfrau aus Bauklötzen zurecht; Ludwig Obst (als Mydas) singt im Falsett, trägt seine Haut zu Markte und kann als “Prototyp Nr. 2” (alter, weißer Mann) dennoch nicht bei Galathée (Stella Hanbyul Jeung) landen, und Mrs. Klappstuhl herself gibt die unrasierte, goldärmelige Venus - als die Melissa McCarthy der Mythentravestie.

Im ersten Intermezzo wird eine populäre Zirkusnummer auf den Kopf gestellt: Statt eines maskulinen Messerwerfers schleudert Mrs. Klappstuhl drei Klingen auf einen ängstlich dreinschauenden Kerl. Später werden riesige Klöten gemolken (Caroline Schnitzer macht aus dieser Nummer ganz großes Kino), X-Chromosome aufbereitet und die simple Anatomie des männlichen Körpers untersucht. Die augenzwinkernde Botschaft lautet: Männer sind schwanztragende, dauergeile Dünnbrettbohrer, Stereotypen aus der gar nicht guten, alten Zeit. Genau jene treten pünktlich zum 2. Teil - Paul Linckes Lysistrata - in einen Melkstreik, um gegen die weibliche Unterdrückung zu rebellieren. Hier fliegt der Abend aus der Spannungskurve, was vor allem an Tante Operette liegt, die sich geschickt zur Wehr setzt, wenn sie ihres Humors beraubt wird. Die Regie (Anna Weber) verlagert den Fokus vom Zwerchfell auf den erhobenen Zeigefinger, um es sich im apokalyptischen, cool klingenden Finale (Komposition: Maria Solberger) ein bissl zu einfach zu machen. Was erwartet uns denn hinter dem grellen Licht, wo das Geschlecht keine Rolle mehr spielt? Die ewig andauernde Glückseligkeit? Das langsame, aber sichere Ende? Oder werden wir uns dort als identitätslose Zombies nur ganz schrecklich langweilen? Auf der hiesigen Seite ist das definitiv nicht der Fall. Der Saal tobt.



Magna Mater von tutti d´amore | Foto (C) Matthias Pfänder

Heiko Schon - 1. August 2021
ID 13061
MAGNA MATER (Zirkus Mond, 29.07.2021)
Oper*ette. Apokalypse.

Musikalisiche Leitung und Arrangements: Paul Heller
Regie und Konzept: Anna Weber
Bühne und Kostüme: Tatjana Reeh
Dramaturgie: Deborah Meier
Tontechnik: Fraser Bowers
Licht: Yannis Hahnemann
Sound Design: Maria Solberger
Mit: Gina May Walter und Stella Hanbyul Jeung (Sopran), Caroline Schnitzer (Mezzosopran) sowie Ferdinand Keller und Ludwig Obst (Tenor)
Orchester: Angelika Wirth, Javier Aguilar Bruno, Lorenz Blaumer, Frauke Farwick, Inga Sander, Marta Carvalho Foley, Raphael Salaün, Yuriy Nepomnyashchyy, Sonja Engelhardt und Minhye Ko
Heart Chor Berlin / Oh My Choir
Chorleitung: Danilo Timm
Premiere war am 29. Juli 2021.
Weiterer Termin: 13.8.2021
Eine Produktion von tutti d*amore


Weitere Infos siehe auch: https://zirkusmond.de/show/7


Post an Heiko Schon

Premierenkritiken



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



  Anzeigen:





MUSIK Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

CASTORFOPERN

CD / DVD

INTERVIEWS

KONZERTKRITIKEN

LEUTE MIT MUSIK

LIVE-STREAMS |
ONLINE

MUSIKFEST BERLIN

NEUE MUSIK

PREMIERENKRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski



Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2021 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de