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nachDRUCK # 5

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Premierenkritik

Die Verkindlichung

der eigentlichen

Erbsünde



Il Primo Omicidio an der Staatsoper Unter den Linden | Foto (C) Monika Rittershaus

Bewertung:    



Vorjährig installierte Intendant Matthias Schulz "seine" BAROCKTAGE der Staatsoper Unter den Linden erstmals überhaupt, Rameaus Hippolyte et Aricie (mit Simon Rattle und dem Freiburger Barockorchester) standen da zuvörderst auf dem elitären Festivalprogramm - das ließ sich zwar gut hören, doch rein szenisch (trotz bzw. wegen Ólafur Elíassons wichtigtuerischer Ausstattung) wars nicht viel mehr als Dunst & Dampf mit oder ohne Licht...

In diesem Jahr sollte die Festivalpremiere unter ungleich glücklicheren Vorzeichen über die Bühne gehen, musikalisch UND inszenatorisch:

René Jacobs (der 2014 mit der Akamus Emma und Eginhard von Telemann hier musizierte) kehrte endlich wieder an die Staatsoper zurück; mit ihm versammelten sich die phänomenalen InstrumentalistInnen des belgischen B'Rock Orchestra (die 2018 mit der Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker und deren Company sämtliche Brandenburgischen Konzerte Bachs in der Berliner Volksbühne zum Tanzen brachten). Und mit Multikünstlerregisseur Romeo Castellucci, der zumeist mit sperrig zugängigen Interpretationsvorlagen für das Sprech- oder Musiktheater von sich reden macht, schwang man sich kollektiv beabsichtigend auf, ein bis dahin schier unbekanntes Werk von Alessandro Scarlatti (Il Primo Omicidio) Zuhörern und Zuschauern gleichermaßen "beizubringen". Es gelang auf irritierend wundersame und bestechend wunderschöne Art und Weise!!


*

"Das Böse kennt keinen Trost. Kain erschlägt seinen Bruder Abel und begeht damit den ersten Mord in der Geschichte der Menschheit. Die Empfindung von Neid, Ungleichheit und Ungerechtigkeit als Ursprung unmoralischen Handelns und Selbstjustiz ist das Thema von Il Primo Omicidio." (Quelle: staatsoper-berlin.de)


Es treten der Reihe nach auf: Adam, Eva, Gott, Luzifer, Kain und Abel. Scarlatti und sein Librettist Antonio Ottoboni vergestalteten/ verhandelten so etwas Ähnliches wie eine usprüngliche (biblische) "Familienangelegenheit"; die beiden ersten Söhne von dem ersten (gottgewollten) Menschenpaar verursachen die eigentliche Erbsünde, wenn man so will - aus Neid und Missgunst tut der Erstgeborene den Zweitgeborenen erschlagen, ja und eingeflüstert hatte ihm das (biblisch-gottgewollt?) der Böseste unter den Bösen: Luzifer persönlich - - immer schon wurde der Mord an sich durch vorherige Hass & Hetze vorbereitend aufgegeilt; da hatte/hat sich bis zur Gegenwart nicht viel verändert.

Eine simple, einfache Geschichte also.

Castellucci löste das vermeintlich Einfachste vom Einfachen - Hans Henny Jahnn zum Beispiel brachte diesen immergleichen Wechsel zwischen Tod und Leben, Schuld und Sühne, Krieg und Frieden à la "Es ist wie es ist" auf (s)einen Punkt - genialer als genial, indem er sämtliche ProtagonistInnen mit Kinderdarstellern "verdoppelte", sie sozusagen als verewigende Nachgeburtslawine sicht- und fühlbar machte. Dahingehend tat er das Gewaltproblem - die eigentliche Erbsünde - verkindlichen. O ja, das saß!!

* *

Die schwerelos umherquellende, plätschernde Musik (Arien, Rezitative und Duette, ein paar orchestrale Zwischenspiele) ist an Fantasie und Schönheit nicht zu überbieten; meistens hat sie, unabhängig ihres leichtfüßigen Tricks, Melancholie im Ton; man hat bei ganz gewissen Stellen Mühe, seinen Tränenfluss unter Kontrolle zu behalten; unerklärlich, unheimlich, gottteuflich halt, alles in Einem.

Thomas Walker (als Adam), Brigitte Christensen (als Eva), Benno Schatner (als Gott), Arttu Kataja (als Luzifer), Kristina Hammarström (als Kain) und Olivia Vermeulen (als Abel): nicht zu toppen!!!!!

Anhören und anschauen.

Ein Muss.



Il Primo Omicidio an der Staatsoper Unter den Linden | Foto (C) Monika Rittershaus

Andre Sokolowski - 2. November 2019
ID 11777
IL PRIMO OMICIDIO (Staatsoper Unter den Linden, 01.11.2019)
Musikalische Leitung: René Jacobs
Inszenierung, Bühnenbild, Kostüme und Licht: Romeo Castellucci
Mitarbeit Regie: Silvia Costa
Mitarbeit Licht: Benedikt Zehm
Dramaturgie: Piersandra Di Matteo, Christian Longchamp und Jana Beckmann
Besetzung:
Caino ... Kristina Hammarström
Abele ... Olivia Vermeulen
Eva ... Birgitte Christensen
Adamo ... Thomas Walker
Voce di Dio ... Benno Schachtner
Voce di Lucifero ... Arttu Kataja
KinderdarstellerInnen: Jeremias Hübener, Oriol Bresser, Elli Seiffert, Ennio Kurth, Lukas Ray und Lionel Krüger
B'Rock Orchestra
Premiere an der Operá National de Paris war am 24. Januar 2019.
Berliner Premiere: 1. November 2019
Weitere Termine: 07., 09., 15., 17.11.2019
Koproduktion der Opéra national de Paris mit der Staatsoper Unter den Linden und dem Teatro Massimo, Palermo


Weitere Infos siehe auch: https://www.staatsoper-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de

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= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal


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