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Premierenkritik

Der Vogelhändler

im Westbad



Der Vogelhändler an der Musikalischen Komödie im Westbad | Foto (C) Tom Schulze

Bewertung:    



Ohrwürmer wie "Schenkt man sich Rosen aus Tirol" oder "Ich bin die Christel von der Post" kennen sogar Nicht-Theatergänger. Kein Wunder, gehören diese unvergesslichen Melodien doch zu einer der meistgespielten Operetten, Carl Zellers Der Vogelhändler.

Regisseur Rainer Holzapfel macht aus der Not eine Tugend, indem er nicht nur die Inszenierung sondern auch die Handlung an die Interimsspielstätte der Musikalischen Komödie im Leipziger Westbad anpasst, also ein Stück im Stück zeigt. Vor dem Hintergrund einer riesigen Umzugskiste, die allerhand Requisiten für die anstehende Vogelhändler-Premiere enthält, entspinnen sich allerhand amouröse Ver(w)irrungen und Theater-Intrigen, ehe es zum Happy End kommt. Die Kostüme von Beate Zoff sind eine Mischung aus legerer Alltagskleidung und barock-operettenhafter Üppigkeit. Auch der Text wird den neuen Gegebenheiten entsprechend geändert und ist mit einigen Seitenhieben auf die aktuelle Politik und die Eigenheiten der Musik- und Theaterbranche wie mangelnde Subventionen oder nicht ausreichendes Personal gespickt.
Aus der Kurfürstin Marie wird die Theaterdirektorin Frau Wünscher, Baron Weps ist ein eingebildeter Bassbuffo, sein Neffe Stanislaus ein überkandidelter Kostümbildner à la Harald Glööckler und Adam ein reisender Schausteller im Hippie-Look, der dann als "Oberentertainer" angestellt wird und im Dieter-Thomas-Kuhn-Style mit Glitzerjackett die Zuhörer begeistern soll. Das ist einer der Stolpersteine dieser Inszenierung: Die Grundidee ist prima, und langweilig wird es da nicht, doch einige Pointen wollen nicht recht zünden oder sind dann einfach zu viel des Guten. Da wäre weniger mehr gewesen. Auch das Ende wirkt etwas zerfasert und manch einer fragt sich, war´s das jetzt oder kommt da noch was?

Das Orchester ist dieses Mal seitlich der Bühne platziert, was das Dirigat für Stefan Klingele nicht unbedingt einfacher macht, an einigen Stellen hapert es ein wenig mit dem Zusammenspiel zwischen Bühne und Orchester. Abgesehen davon spielt das Orchester schmissig und schwungvoll aber nie schmalzig auf.

Als titelgebenden Vogelhändler hat man als Gast den aus Tirol stammenden Roman Pichler engagiert, der darstellerisch als Typ für die Rolle des Freigeists Adam passt, stimmlich allerdings nicht zu überzeugen vermag. Zu dünn und ausdruckslos klingt sein Tenor, was sich vor allem bei den Innigkeit und Schmelz vermissenden "Rosen aus Tirol" bemerkbar macht.

Nora Lentner dagegen ist als Christl von der Post mit ihrer Präsenz eine absolute Idealbesetzung und singt und spielt ihre Rolle wunderbar erfrischend, temperamentvoll und überzeugt stimmlich mit ihrem ausdrucksstarken lyrischen Sopran.

Als Strippen ziehende Chefin hat Lilli Wünscher sichtlich Spaß an ihrer Rolle und das Kirschenbaum-Lied gelingt ihr mit lyrischer Innigkeit. Jeffery Krueger singt einen wunderbaren Stanislaus, was in krassem Gegensatz zu seinem geckenhaften Auftreten als Modeschöpfer steht. Michael Raschle ist (mit leicht angestaubtem Operetten-Kostüm) ein mehr als amüsanter Weps und kostet in der Arie "Man munkelt" die hinzugedichteten politischen Spitzen voll aus. Als Baronin Adelaide ist Tenorbuffo Andreas Rainer ein echter Brüller ("Impertinenz! Jetzt werden sogar schon Frauenrollen mit Männern besetzt!"), (fast) immer distinguiert und überaus vornehm, einfach herrlich! Ebenso wie Rainer sorgen Milko Milev und Justus Seeger mit ihrem Kurzauftritt als Prodekane mit mega-Perücken und Tutus für ordentlich Lacher. Angela Mehling rundet als resolute Westbadwirtin das Ensemble ab.

Entstaubter Operettenklassiker in neuem Gewand garniert mit allerhand Klamauk und Albernheiten, Gesamteindruck: gemischt.




Der Vogelhändler an der Musikalischen Komödie im Westbad | Foto (C) Tom Schulze

Eva Hauk - 3. November 2019
ID 11784
DER VOGELHÄNDLER (Musikalische Komödie im Westbad, 01.11.2019)
Musikalische Leitung: Stefan Klingele
Inszenierung: Rainer Holzapfel
Bühne, Kostüme: Beate Zoff
Choreinstudierung: Mathias Drechsler
Dramaturgie: Christian Geltinger
Besetzung:
Kurfürstin Marie ... Lilli Wünscher
Brief-Christel ... Nora Lentner
Adam, Vogelhändler ... Roman Pichler
Graf Stanislaus ... Jeffery Krueger
Baronin Adelaide ... Andreas Rainer
Baron Weps ... Michael Raschle
Süffle ... Milko Milev
Würmchen ... Justus Seeger
Frau Nebel, Wirtin ... Angela Mehling
Chor und Orchester der Musikalischen Komödie
Premiere war am 1. November 2019.
Weitere Termine: 03., 09., 10., 27., 29.11. / 26.12.2019 // 07., 08., 21., 22.03. / 21.05.2020


Weitere Infos siehe auch: https://www.oper-leipzig.de/de/musikalische-komoedie-westbad


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Premierenkritiken



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