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Die Großherzogin von Gerolstein an der Komischen Oper Berlin | Foto (C) Monika Rittershaus

Bewertung:    



Als der Rezensent am Vorabend der Premiere die ersten Fotos der neuen Barrie Kosky-Offenbachiade sieht, löst sich die Kultur-Lockdown-bedingte Miesepetrigkeit in Wohlgefallen auf. Die Figuren erscheinen ihm als lebendig gewordene Karikaturen, ja fast so, als wären sie vom Cover einer Charlie Hebdo-Ausgabe herausgehüpft und auf die Bühne der Komischen Oper gerannt. Kein Werk Jacques Offenbachs eignet sich für eine politische Satire besser als Die Großherzogin von Gerolstein, denn hier treten in einem fiktiv zurechtgezimmerten Operettenstaat gleich reihenweise aufgeblasene Fatzkes in Erscheinung, die mit Säbeln rasseln und auch sonst auf dicke Hose machen. Das Stück kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, labern wir uns doch gerade mal wieder die Rübe heiß, über das, was Satire darf - und was nicht. Ein Offenbach up to date, sozusagen.

Als sich der Premierenvorhang schließlich hebt, ist festzustellen: Dafür interessiert sich Kosky nicht die Bohne. Lieber streut er seinem Bühnenpersonal dasselbe Juckpulver in den Schlüpfer, welches schon bei Die schöne Helena und dem Salzburger Orpheus in der Unterwelt zur Anwendung kam. Diesmal allerdings blickt man dem aufgekratzten Gerenne völlig überdrehter Paillettenhühner mit schnell zunehmender Genervtheit entgegen. Am deutlichsten zeigt sich das bei den Tänzer*innen, die erneut ekstatisch zuckende Ahhh-Ohhh-Schnippel-le-dingdong-Nummern zum Besten geben müssen - nur halt in anderen Kostümen. Die Gags spielen in einer Liga, in der ein blinder General - BUMM! - gegen Wände läuft oder die Grande-Duchesse kurze Nickerchen hält. Was jedoch wirklich zum Haareraufen ist: Mit diesem trivialen Klamauk, den bestrapsten Cancan-Beinen, frivolen Zoten und all dem Gekreische, bedient Kosky allerschlimmste Offenbach-Klischees.

Selbst der Coup, aus der Hauptpartie eine Rôle travesti zu machen, verpufft, weitestgehend, was nicht an Tom Erik Lie liegt, der seine Sache als baritonal gurrende, Falsett-flötende, Töne-wegkichernde und zarahleandernde Operettendiva ziemlich gut macht. Doch wie der übrige Cast kann auch Lie nicht verhindern, dass der Abend nicht zünden will. Ivan Turšić weiß mit dem Fritz nicht viel anzufangen; Jens Larsen singt einen preußisch polternden, grob geschnitzten Bumm; Tijl Faveyts, Christoph Späth und Christiane Oertel sind völlig unterfordert, und selbst Alma Sadé bleibt als Wanda merkwürdig blass.

Was derweil aus dem Graben tönt, verströmt überwiegend Kurkapellencharme: Unter (der eingesprungenen) Alevtina Ioffe spielt das Orchester der Komischen Oper einen rundgelutschten, spannungsarmen, mitunter sogar klappernden Offenbach auf.




Tom Erik Lie als Die Großherzogin von Gerolstein an der Komischen Oper Berlin | Foto (C) Monika Rittershaus

Heiko Schon - 1. November 2020
ID 12575
DIE GROßHERZOGIN VON GEROLSTEIN (Komische Oper Berlin, 31.10.2020)
Musikalische Leitung: Alevtina Ioffe
Inszenierung: Barrie Kosky
Kostüme: Klaus Bruns
Licht: Franck Evin
Choreografie: Damian Czarnecki
Besetzung:
Großherzogin von Gerolstein ... Tom Erik Lie
Prinz Paul ... Christoph Späth
Fritz ... Ivan Turšić
Wanda ... Alma Sadé
General Blumm ... Jens Larsen
Baron Puck ... Tijl Faveyts
Baron Grog ... Christiane Oertel
Orchester der Komischen Oper Berlin
Premiere war am 31. Oktober 2020.
(Voraussichtlich) weitere Termine: 07., 11., 21., 22., 27., 31.12.2020 / 02.07.2021


Weitere Infos siehe auch: https://www.komische-oper-berlin.de/


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