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Konzertkritik

Bachs h-Moll-Messe

unter Hermann Max

Über das Eröffnungskonzert des diesjährigen
FESTIVAL ALTE MUSIK KNECHTSTEDEN

Bewertung:    



Das 1992 von dem Kirchenmusiker und Dirigenten Hermann Max ins Leben gerufene FESTIVAL ALTE MUSIK KNECHTSTEDEN steht in diesem Jahr unter dem Motto "Visionäre Bach & Mendelssohn". Max, ein auch international ausgewiesener Vertreter der historischen Aufführungspraxis, dirigiert und leitet die zwei großen Rahmen-Konzerte, Bachs h-Moll-Messe und Mendelssohn-Bartholdys Paulus-Oratorium .

*

Wir waren bei der Eröffnung (mit der h-Moll-Messe) in der Klosterbasilika live vor Ort.



"'Die Theile und Vortheile, welche die Ausarbeitung eines musikalischen Stücks mit der Rednerkunst gemein hat, kennet er so vollkommen, daß man ihn nicht nur mit einem ersättigenden Vergnügen höret, wenn er seine gründlichen Unterredungen auf die Uebereinstimmung beyder lenket; sondern man bewundert auch die geschickte Anwendung derselben in seinen Arbeiten', schreibt um 1735 der Leipziger Rhetorik-Professor Birnbaum über Bach und ermutigt dazu, Bachs h-Moll-Messe wie eine kunstvolle Klangrede zu verstehen, nämlich über die Auseinandersetzung der Menschen mit Fragen nach Göttlichem.

Sänger und Instrumentalisten der Zeit erlernen in der Schule Redekunst. Sie können gar nicht anders, als aus dem Meer von Vokalen, Konsonanten, Melodiebögen und geschärften Harmonien die Mess-Texte wie neue spannende Geschichten vorzutragen. Vor allem dann, wenn es wie in Bachs Fall gelingt, den Mess-Text mit neuen Ohren hören zu lassen, weil er Einzelworte und ganze Sätze so hervorhebt, dass sich überraschend neuartiges Verständnis einstellt – nicht zuletzt aufgrund der italienischen Forderung um 1600, Sprache als Herrscherin, nicht als Dienerin in der Musik zu behandeln. Nicht nur Bach, ganz Europa ist begeistert, die schauspielerische Kraft der Sprache nutzen zu sollen. Die Kirchenväter sind glücklich, weil sie sich Gewinn für den Glauben versprechen. Publikum und Musiker lieben es, wenn aus dem Vollen geschöpft wird, um alle Sinne mit prachtvoll gesungener Sprache zu erfreuen."


(Quelle: knechtsteden.com)

* *

Dem "normalen" Hörer [nach unserem Dafürhalten also demjenigen, dem das theoretische wie auch historisch-aufführungspraktische System nicht ganz so geläufig sein dürfte wie dem ausführenden Apparat an sich] erschließt sich Bachs berühmtes Alterswerk vor allem wegen seiner sonnenpfortenaufstoßenden Grundstimmung, d.h.: Egal von wem er es dann jemals dargeboten kriegte - und wir setzen diesbezüglich selbstverständlich dann voraus, dass es wohl jeweilig in einer hochambitioniert-qualifizierten Art erfolgte - , immer schwingt da so ein "positiver" Grundton mit, der seinen Hörimpuls zu innerlichen Wallungen verführte und das Hören sodurch lustvoll machte; bei den herrlich-diesseitigen Chören (Gloria, Credo mit "Et resurrexit tertia die", Sanctus, "Osanna in excelsis") hat das fast schon eine körperliche Komponente. Aber auch das etwas Tragischere, Traurige in diesem ausnahmsvollen Stück würde und wird dann jedesmal besonders stark erlebbar - immer kam's dem Schreiber dieser Zeilen irgendwie so vor, als ob dann ausgerechnet von dem "Agnus Dei" gewisse Rückschlüsse auf alles Sonnige oder von ihm aus etwas weniger dann Sonnige gezogen werden müssten, ehe es fast zwangvoll in den Schlusssatz "Dona nobis pacem" überleitet, in ihn quasi letztbestimmend aufgeht; die rein konzeptionelle Auffassung des Dirigenten schien das keinesfalls so sehen zu wollen, und so hatte es den (hörerischen!) Eindruck, als ob die Altistin Margot Oitzinger womöglich gar auf ihre eingestandner Maßen schön-solid aber auch gleichsam beiläufig gesung'ne Arie hätte gleich verzichten können, was dann (wie schon angedeutet) weniger an ihrer als an Max' Herangehensweise gelegen hat...Nichtsdestotrotz:

Der aus den 20 VorzeigesolistInnen bestehende Chor der Rheinischen Kantorei: sensationell in seiner fast schon einklangigen Dimensionalität!!!!!

Vom Orchestralen her: Das Kleine Konzert spielt lupenrein, auch ist es von der Instrumentation her idealisch austariert. Hört sich grandios an.

Das GesangssolilistInnen-Quintett [Namen s.u.] ist vom Allerfeinsten!

Einprägsamer, emotional bereichernder Konzertabend.




Rheinische Kantorei und Das kleine Konzert unter Leitung von Hermann Max beim Festival Alte Musik Knechtsteden 2019 | Foto (C) Thomas Kost
Andre Sokolowski - 21. September 2019
ID 11691
FESTIVAL ALTE MUSIK KNECHTSTEDEN (Klosterbasilika, 20.09.2019)
Johann Sebastian Bach: h-Moll Messe für Soli, Chor und Orchester, BWV 232
Veronika Winter, Sopran
Verena Gropper, Sopran
Margot Oitzinger, Mezzosopran
Tobias Hunger, Tenor
Felix Schwandtke, Bass
Rheinische Kantorei
Das Kleine Konzert
Dirigent: Hermann Max


Weitere Infos siehe auch: http://knechtsteden.com


http://www.andre-sokolowski.de

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