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Konzertkritik

Bruckner

kammer-

musikalisch



Bewertung:    



Auf der Website eines Musikkritik-Portals liest man über eine Aufnahme des Thomas Christian Ensembles von Anton Bruckners 7. Symphonie in der Bearbeitung von Hanns Eisler, Erwin Stein und Karl Rankl: „Obwohl diese CD Seltenheitswert hat, beweist sie zweifellos, dass man einfach mehr als 10 Musiker, so gut sie auch sein mögen, braucht, um eine Bruckner-Symphonie zu spielen.“

Der Autor dieses apodiktischen Urteils dürfte sich weitgehender Zustimmung gewiss sein. Das Bild einer Bruckner-Symphonie ist mit der Vorstellung des pompösen Klangs eines großen Orchesters eng verbunden. Assoziationen dieser Art sitzen unerschütterlich im Reservoir des musikalischen Vorurteils fest. Die lässt man sich nicht ausreden. Und wenn es doch jemand versucht, stößt er auf Aggressionen.

Die erwähnte Bearbeitung ist nicht aus Überzeugung, sondern aus der Not geboren. Das besagt freilich nichts über die Tauglichkeit des Ergebnisses. Entstanden ist das Arrangement für 10 Instrumente der drei Schönberg-Schüler für dessen Verein für musikalische Privataufführungen. Der konnte sich ein Orchester nicht leisten. Also wurden die Streicher durch ein Quintett ersetzt und die Blechbläser durch ein Horn und ein Klavier zu vier Händen. Hinzu kommen eine Klarinette und ein Harmonium, optional auch Pauken. Zu Schönbergs Lebzeiten wurde die Bearbeitung allerdings nie gespielt. Erst im Jahr 2000 wurde sie uraufgeführt, nachdem sie in einem Archiv entdeckt worden war.

Das erst kürzlich gegründete, noch kaum bekannte ensemble balance besteht aus Profimusikern aus der Region Stuttgart, und es verhilft der Bruckner-Bearbeitung unter dem konzentrierten Dirigat von Friederike Kienle zu einer Realisierung, die geeignet ist, alle Vorurteile in die Schranken zu weisen. Die kleine Besetzung hat den Vorzug, dass sie die einzelnen Stimmen klar von einander absetzt, die Transparenz erhöht. Umso mächtiger erklingen dann die Tutti. Diese Version macht deutlich, dass selbst die Vortragsbezeichnung forte fortissimo relativ ist. Es braucht keine 100 Musiker, um ein eindrucksvolles Crescendo hervorzubringen. Allerdings: nichts da mit den Reminiszenzen an Richard Wagner. Dieser Bruckner kommt, auch wenn er das selbst geleugnet hat, gut ohne Wagnertuben aus.

Vor dem eigentlichen Konzert spielten als Opening Act die dreizehnjährigen Momme Löser am Kontrabass und Moritz Wenckebach am Klavier unter dem Titel Young Stage eine weitere reduzierende Bearbeitung: vom ersten Satz der 5. Symphonie Tschaikowskis. Hätte man einen Hut auf statt der Maske vor der Nase – man hätte ihn ziehen müssen. Solange es solchen Nachwuchs gibt, muss einem um die Klassik nicht bange werden.

Aufgeführt wurden die abgespeckten Symphonien in der innen – nicht von marodierenden Taliban, sondern von Christen – verunstalteten neugotischen Berger Kirche im Stuttgarter Osten. Der gastgebende Pfarrer machte ein großzügiges Angebot: Man solle die Rolle des Sponsors übernehmen, um als Dank in der Kirche begraben zu werden. Ich werde darüber nachdenken.
Thomas Rothschild – 27. September 2021
ID 13169
KONZERTREIHE BERGER KIRCHE (Berger Kirche, Stuttgart - 26.09.2021)
Eröffnungskonzert

Anton Bruckner: 7. Sinfonie E-Dur, Bearbeitung für Ensemble von Hanns Eisler, Erwin Stein und Karl Rankl
ensemble balance
Dirigentin: Friederike Kienle


Weitere Infos siehe auch: https://www.ensemble-balance.com


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