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Konzertkritik

Forte-Feuerwerk

der Überlebens-

arien

LA GIOCONDA


Zoya Tsererina als La Gioconda in einer von Hermes Helfricht dirigierten konzertanten Aufführung an der Oper Bonn| Foto © Thilo Beu

Bewertung:    



Das neue Jahr beginnt am Bonner Theater traditionell mit einer konzertanten Opernpremiere. Unter der musikalischen Leitung des ersten Kapellmeisters Hermes Helfricht wurde somit jüngst eine eher selten gespielte Oper dargeboten: La Gioconda vom italienischen Komponisten Amilcare Ponchielli, einem Zeitgenossen Verdis. Das am Teatro alla Scala 1876 in Mailand uraufgeführte Werk ist durchsetzt mit leidenschaftlichen Massenszenen, Duetten und Arien. Mit Blick auf die Personen der Handlung fällt auf, dass neben der Titelfigur La Gioconda (ital.: die Heitere) auch die Mutter der Titelheldin La Cieca (ital.: die Blinde) keinen Eigennamen trägt. Nur die Personen von Stand sind durch Namen individualisiert, während es sich bei der Gioconda um eine Straßensängerin und bei der Cieca um ihre hilflose, fromme und blinde Mutter handelt.

Das komplexe Beziehungsgefüge und die illustren Orte Venedigs werden in der konzertanten Aufführung naturgemäß nicht durch Spiel oder Bühnenbild visualisiert. Die Solisten geben den Gefühlen ihrer Figuren jedoch teilweise in kleinen Gesten Ausdruck:

Gegenspieler von La Gioconda ist Barnaba, ein intriganter und erpresserischer Spitzel der Inquisition. Er machte ihr im Beisein ihrer Mutter mit unverschämten Worten den Hof. Als sie ihn schaudernd abweist, schwört er Rache. Gioconda liebt den Genueser Prinzen Enzo. Enzo ist jedoch für Laura entbrannt, der Ehefrau des Inquisitors Alvise Badoero. Laura erwidert Enzos Liebe. Barnaba bezichtigt Giocandas Mutter vor der aufgebrachten Menge vor dem Dogenpalast der Hexerei. Ausgerechnet Giocondas Rivalin in Liebesdingen vermag diese Anschuldigung zurückzuweisen. Alsbald ist jedoch Laura selbst in arger Bedrängnis. Nun liegt es an Gioconda, ob sie Enzos Geliebte vor dem sicheren Tode bewahren möchte.

Der Vierakter bietet also allerlei Ränkespiele, Verleumdungen und unverhoffte Allianzen. Intrigen werden gesponnen. Einstige Rivalinnen werden zu Vertrauten.

*

Die russische Sopranistin Zoya Tsererina singt die Titelpartie mit leuchtendem, nuanciertem und sehr präsentem Ausdruck. George Oniani erhält in der Rolle des Enzo wiederholt für seine bewegend und ausdrucksstark vorgetragenen Tenorpartien Szenenapplaus. Der gebürtige Rumäne Leonard Bernad gibt mit farbenreichem und flexiblem Bass in sonorer Tiefe einen eindrücklichen Alvise Badoero. Dshamilja Kaiser gestaltet seine Ehefrau Laura glänzend mit mal durchdringendem und mal kontrolliert zurückhaltendem Mezzosopran. Der russische Bariton Ivan Krutikov verkörpert schlussendlich den Barnaba mit einer stets kräftig-volltönenden Stimme und effektvoller Präsenz.

Unter der Leitung von Marco Medved setzen Chor & Extrachor am Theater Bonn große Chorszenen mit kleinen Solopartien ausgewählter Chorsänger klangfarbenreich und differenziert um. Auch hier wird stimmlich aus dem Vollen geschöpft. Der erst 26jährige Hermes Helfricht lässt das groß aufgestellte Beethoven Orchester Bonn immer wieder zurückhaltend agieren, doch Details der Instrumentierung werden etwa bei der Ouvertüre oder beim Danza delle ore (Stundentanz) facettenreich herausgearbeitet.

Die stimmlich mit ausdrucksvoller Dramatik dargebotenen, anspruchsvollen Solopartien finden also ein gelungenes Pendant in der dichten, vielschichtigen und spannungsvollen Instrumentierung.




La Gioconda als konzertante Aufführung an der Oper Bonn| Foto © Thilo Beu

Ansgar Skoda - 18. Januar 2019
ID 11156
LA GIOCONDA (Oper Bonn, 13.01.2019)
Konzertante Aufführung

Besetzung:
La Gioconda … Zoya Tsererina
La Cieca … Ceri Williams
Enzo Grimaldo … George Oniani
Alvise Badoero … Leonard Bernad
Laura … Dshamilja Kaiser
Barnaba … Ivan Krutikov
Zuane … Di Yang
Isepo … Woongyi Lee
Cantore … Gintaras Tamutis
Barnabotto … Boris Beletskiy
Una voce … Taras Ivaniv
Un altra voce … Miljan Milovic
Chor und Extrachor des Theater Bonn
(Choreinstudierung: Marco Medved)
Beethovenorchester Bonn
Dirigent: Hermes Helfricht
Weitere Termine: 24.03. / 13., 22.04. / 08.06.2019


Weitere Infos siehe auch: http://www.theater-bonn.de


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