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Neue Musik

Der Zorn Gottes

von Sofia Gubaidulina

Uraufführung im Rahmen des Festivals WIEN MODERN

Bewertung:    



1988 gründete Claudio Abbado (der seiner Zeit Musikdirektor an der Wiener Staatsoper gewesen war) Wien Modern, das jeweils im November stattfindende Festival für aktuelle Musik. Die zahlreichen Konzerte mit Werken zeitgenössischer Komponistinnen und Komponisten werden durch Performances, bildende Kunst und Film/ Video ergänzt.


"Als offene Plattform für gern widersprüchliche Ästhetiken und Formate, im bunten Mit- und Nebeneinander unterschiedlichster Szenen und Generationen erreichte Wien Modern 2018 die vorläufige Rekordmarke von 31.491 Besucher*innen an 29 Spielstätten in zehn Bezirken. Den langjährigen Wandel von der zunächst notwendigen Retrospektive zur quirligen Werkstatt der Musik deuten die rekordverdächtigen 109 Ur- und Erstaufführungen des Jahres 2019 an, und auch die 57 Komponistinnen, zehn Nachwuchsprojekte, vier Produktionen für junges Publikum und 30 Vermittlungsangebote des Festivaljahrgangs 2019 unterstreichen, dass die neue Musik in den gut drei Jahrzehnten seit der Festivalgründung durchaus Einiges an Dynamik und Diversität gewonnen hat." (Quelle: wienmodern.at)


Auch dieses Jahr war der Veranstaltungskalender wieder prall gefüllt - nur dass Corona halt den eigentlichen Ablauf ganz und gar vereiteln sollte. Aber Bernhard Günther und das Team von Wien Modern kapitulierten nicht und passten ihre vorgesehenen Projekte online an: 19 Neuproduktionen und 9 weitere Veranstaltungen machte Wien Modern über die Festival-HP kostenlos zugänglich; nur 20 Prozent des ursprünglich vorgesehenen Programms wurden ersatzlos auf später vertagt.





*

Viermal schon musste die Uraufführung der 18minütigen Orchestermusik Der Zorn Gottes von Sofia Gubaidulina (89) verschoben werden; der letzte (vergebliche) Versuch sollte anlässlich der Osterfestspiele Salzburg, die das Werk, das ursprünglich von der Staatskapelle Dresden in Auftrag gegeben wurde, als Auftragsarbeit bis zu Ende übernahmen, erfolgen - als im März die Pandemie ausbrach, scheiterte er. Jetzt endlich hatte es geklappt.

Die Komponistin versah ihr neues Werk mit der Widmung "an den großen Beethoven", und in der Tat geriet sie so, nach eigenem Bekunden, in ein Zwiegespräch mit dem Verherrlichten, welches vor allem auf die legendäre Frage in Satz vier des 16. (und letzten) Streichquartetts des Bonner Maestros zielen würde: "Muss es sein?" Und Gubaidulina wollte sie eindeutig mit "Nein, so muss es nicht sein" umkehrlich entschieden haben. Im Zorn Gottes ginge es um Hass und Liebe oder (besser noch) um Liebe ODER Hass; derzeit arbeitet Gubaidulina an dem das Werk ergänzenden Prolog, und beides soll dann schlussendlich als ein Werk (in zwei Sätzen) im Dezember, anlässlich des 200. Beethoven-Geburtstages, vollbracht sein.

Dass es, was das Menschendasein auf der Erde angeht, augenblicklich nicht zum Besten steht, dürfte zum Grundkanon gesellschaftspolitischer Zustandsbeschreibungen gehören; Kriege, Klima, Kaufenkaufen wären Schlag- und Stichworte, die alles das umreißen, was uns alle so sehr runter zieht. Hoffnung, dass alles wieder anders würde, böten Religion und Religiöses, beispielsweise. Ja und Gubaidulina schaltet daher ihr Licht am Ende des Tunnels mit der annmutigen Leuchtreklame "Liebe ODER Hass" aufmunternd an, und sie entscheidet sich selbstredend für das Erstere.

Der Plot zum kurzweiligen und mächtig-massiv besetzten Stück wäre in etwa der hier: Gott steigt auf die Erde nieder, sieht dort nach, was los ist, straft dann die von ihm erschaff'ne Spezies ab und steigt zu seinem Himmel wieder auf... 8 Schritte runter (zu Beginn des Stücks), und 16 Schritte rauf (zum Ende des Stücks), wobei ein siebzehnter nach einer deutlichen Fermate endlich folgt. Dazwischen lebhaft-lautes Erdendasein; und zwei wundervolle Violin-Soli aus Richtung des Konzertmeisters, die den Allwissenden vielleicht versöhnt haben könnten - was dann wiederum im Sinne der Erfinderin vom Zorn Gottes gewesen war, ganz sicherlich.

Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien spielte im ödleeren Großen Musikvereinssaal, und es wurde dirigiert von Lyniv Oksana.

Tonal, wuchtig und gottlob nicht zu schlicht.




Uraufführung ohne Publikum: Der Zorn Gottes von Sofia Gubaidulina mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien im Großen Musikvereinssaal am 6. November 2020
Foto: Markus Sepperer

Andre Sokolowski - 11. November 2020
ID 12592
WIEN MODERN (Großer Musikvereinssaal, 06.11.2020)
Claudio Abbado Konzert: Portrait Sofia Gubaidulina

Sofia Gubaidulina: Konzert für Viola und Orchester (1996)
- Der Zorn Gottes (2019) | UA
ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Antoine Tamestit, Viola
Dirigentin: Oksana Lyniv
Gestreamt am 6. November 2020 von WIEN MODERN


Weitere Infos siehe auch: https://www.wienmodern.at/


http://www.andre-sokolowski.de

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