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Konzertkritik

Eröffnung der Ludwigsburger

Schlossfestspiele 2019

mit Schostakowitschs 13. Sinfonie BABI JAR und Werken für Männerchor

Bewertung:    



Die zehnten und letzten LUDWIGSBURGER SCHLOSSFESTSPIELE unter der Intendanz von Thomas Wördehoff wurden bereits traditionell mit einer Rede eröffnet. Kein Politiker, kein professioneller Schwätzer, sondern ein Künstler wurde damit beauftragt: der Pianist Igor Levit, der seit einigen Jahren zu den beliebten Stammgästen der Festspiele gehört und sich dafür bei Wördehoff artig bedankte. Zuvor aber mahnte er - an die seinerzeitigen Konflikte um die 13. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch, Babi Jar, anknüpfend - zu Zivilcourage und Widerstand gegen Antisemitismus, Rassismus und Intoleranz.

Davor überraschte der finnische Dirigent Pietari Inkinen, dem es gelungen ist, das zunächst eher ungeliebte Orchester der Schlossfestspiele in wenigen Jahren zu einem imposanten Klangkörper zu formen, mit einer seiner missionarischen Initiativen. Nicht das Orchester eröffnete den Abend, sondern der finnische Männerchor Ylioppilaskunnan Laulajat. Mit gut 50 Stimmen belehrte er das Publikum, dass die finnische Musik nicht allein aus Jean Sibelius besteht.

*

Nach der Pause dann: Schostakowitsch. Ehe die Sinfonie erklang, rezitierte die Schauspielerin Josephine Köhler das Gedicht von Jewgeni Jewtuschenko, auf dem der erste Satz beruht und das der Sinfonie den Namen gab. Sie sprach eher zögernd, mit akzentuierender Phrasierung. Der Abstand zu Jewtuschenkos eigenem pathetischen Vortrag in der Tradition von Majakowski war groß. Das Gedicht Babi Jar hat seinerzeit, Anfang der sechziger Jahre, in der Sowjetunion Aufsehen erregt, nicht so sehr, weil es an einen Massenmord durch die Nationalsozialisten erinnert, sondern weil es den Antisemitismus bei den Russen selbst anspricht.

Auch die anderen Sätze der fünfsätzigen Sinfonie nehmen Gedichte von Jewtuschenko zur Vorlage. Humor ist eine Huldigung an dessen subversive Kraft, Im Laden eine, wie viele Gedichte Jewtuschenkos, patriotisch oder, wenn man es genau nimmt, nationalistisch gefärbte Hommage an die Frauen, Angst ein erhellendes Dokument über die Zeit des so genannten „Tauwetters“ ein paar Jahre nach dem XX. Parteitag der KPdSU mit Chruschtschows berühmter Rede über den „Personenkult“, und Karriere ist eine eher harmlose Satire auf eben jene, bei der das Orchester mehr zu lachen hat als das Publikum. Mit René Pape als Solist konnte das Konzert eine Luxus-Besetzung anbieten. So beherrscht, so auf den Text eingehend und zugleich klangschön wird man die Partie selten hören. Der renommierte Bassist setzte der rundum eindrucksvollen Interpretation von Schostakowitschs Monumentalwerk die Krone auf.

Thomas Rothschild – 10. Mai 2019
ID 11404
LUDWIGSBURGER SCHLOSSFESTSPIELE (Forum am Schlosspark Ludwigsburg, 09.05.2019)
Dmitri Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 13 b-Moll op. 113 Babi Jar
Männerchöre von Jean Sibelius, Selim Palmgren, Christian Lahusen und Leevi Madetoja
Eröffnungsrede: Igor Levit
Mitwirkende:
Josephine Köhler, Rezitation
René Pape, Bass
Ylioppilaskunnan Laulajat, Männerchor
Orchester der Schlossfestspiele
Dirigent: Pietari Inkinen


Weitere Infos siehe auch: https://www.schlossfestspiele.de


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