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CD-Kritik

WEINBERG



Bewertung:    



WEINBERG, ein in jeder Hinsicht auffälliges Album mit Musik von Mieczysław Weinberg (1919-1996), hat das in Mechelen ansässige Label Evil Penguin veröffentlicht; allein die optische wie textliche Ausgestaltung des Booklets (Fotos von Peter De Bruyne!) laden schon mal ein, bei ihm, dem WEINBERG, mit erwartungsvoller Neugier zu verweilen. Die sich mit historischer Aufführungspraxis brillant auskennende Kammerorchestervereinigung Les Métamorphoses (Dirigent: Raphaël Feye) und zuvörderst der Cellist Pieter Wispelwey zeichnen verantwortlich und zuständig für die Entdeckung und Aufnahme dreier Werke des lange Zeit in der Sowjetunion gelebt und gearbeitet habenden Komponisten polnisch-jüdischer Herkunft, dessen eigentliche "Wiederbelebung" erst nach seinem Tod einsetzte und seither aufs Wunderbarste anhält; spätestens seit 2010, nach der szenischen Uraufführung seiner Oper Die Passagierin bei den Bregenzer Festspielen, war klar, dass dieser Komponist völlig zu Unrecht, und v.a. während seiner Lebenszeit, zu wenig und am Ende gar nicht wahrgenommen wurde... Es ist unbestreitbar, dass es Künstlerinnen und Künstlern in totalitären Regimen, wo sie arbeiteten/ arbeiten und lebten/ leben, ganz und gar verwehrt wurde und wird, sie selbst (v.a. auch in ihrem Selbstverständnis als Künstlerinnen und Künstler) zu sein, und heutzutage umso mehr - WELCOME TO RUSSIA IN 2022!

*

"Seit relativ kurzer Zeit gibt es eine neue Sensation in unserer Musikszene, einen neuen Stern am Firmament. Nicht so sehr ein neues Kind im Viertel, als vielmehr eine ganze Gang. Eine Ein-Mann-Gang sozusagen. Unser eigener Pessoa, unter einem Namen operierend, aber mit vielen Gesichtern. Herzzerreißend leicht, herzzerreißend traurig und verletzt, aufrichtig und trügerisch, geheimnisvoll und kühn, tiefgründig und charmant und noch viel mehr. Für diese Aufnahme hatte ich nur wenige Rollen zu spielen. Die Fantasie mit ihrem leichtfüßigen Andante leggiero und dem ebenso unterhaltsamen Allegro con fuoco erforderte sowohl eine leichte als auch eine sehr energische Stimme. Das Adagio zu Anfang und Ende des Concertino scheint mir nach tiefer, aber zurückhaltender Emotionalität zu verlangen, doch ohne jede Sentimentalität, was eine recht trostlose Atmosphäre hervorbringt. Die Mittelsätze bieten Neckereien, Scheinnaivität und kraftvolle Energie. Absolut herrlich zu spielen." (Pieter Wispelwey)



Pieter Wispelwey (re.) während der CD-Aufnahme zu WEINBERG | Foto (C) Peter De Bruyne


Meine ersten Erfahrungen mit der Musik von Weinberg konnte ich in einem Konzert, das 2019 anlässlich seines 100. Geburtstages im Hans-Otto-Saal des Konzerthauses Berlin mit dem vierköpfigen Mieczysław-Weinberg-Ensemble veranstaltet wurde, machen; da gab es zwar "nur" Kammermusikalisches zu hören, doch als Grundimpuls (für mich) wurde es wichtig, und es stimulierte ungemein, noch mehr von diesem Komponisten in der nahen Zukunft zu erfahren.

Durch das vorliegende WEINBERG-Album wird mein bisheriger Horizont jetzt auch durch die akustische Vermittlung von drei deutlich größer besetzten Orchesterstücken - nämlich dem Cello-Concertino op. 43bis, der Fantasie für Cello und Orchester op. 52 und der Kammersinfonie Nr. 4 op. 153 - nachhaltig erweitert.


* *
"Das vielleicht überraschendste darunter ist das Concertino für Cello, opus 43bis, dessen Partitur zwischen den Papieren des russischen Musikwissenschaftlers Manashir Yakubov auftauchte; nichts hatte zuvor in den Katalogen oder Dokumenten des Komponisten auf die Existenz dieses Werkes hingewiesen. Das Concertino entstand im Jahr 1948 in nur vier Tagen, in einer der dunkelsten Epochen für die sowjetische Musik: In diesem Jahr waren alle sowjetischen Komponisten dafür bestraft worden, nicht der Parteilinie zu folgen, und Persönlichkeiten wie Schostakowitsch und Prokofjew hatte man gar genötigt, sich öffentlich zu entschuldigen. Weinberg selbst traf es noch härter: Sein Schwiegervater, Solomon Michoels, wurde auf Stalins Befehl im Januar desselben Jahres ermordet. Er war ein berühmter jüdischer Schauspieler gewesen und sein Tod markierte den Beginn einer neuen Welle von staatlich verordnetem Antisemitismus. Kurz darauf begann Weinberg, an seinem Concertino fur Cello zu arbeiten." (Daniel Elphick im Booklet zu dem WEINBERG-Album)

* * *

Mein Lieblingsstück?

Ich schwanke zwischen der Cello-Fantasie und der Kammersinfonie. Beide (wie übrigens auch das Cello-Concertino) fangen melancholisch, fast schon traurig an, ja und ich möchte mitsingen (und mitweinen); und sowieso sind nahezu alle Sätze, also nicht nur die melancholischen und traurigen jeweils am Anfang, einprägbar - - in der sehr ausufernden, stellenweise "kompliziert" gestrickten Kammersinfonie mit ihren wunderbaren und geradezu artistisch 'herkommenden Klarinetten-Einlagen (Solist: Jean-Michel Charlier) würde ein individuelles Solomit- und -nachsingen natürlich etwas komplizierter werden; kurzum: Ihre kolorite Mischung macht es.

Alles in allem:

Einfach schön.


Andre Sokolowski - 27. April 2022
ID 13593
WEINBERG
Mieczysław Weinberg: Cello-Concertino op. 43bis
- Fantasie für Cello und Orchester op. 52
- Kammersinfonie Nr. 4 op. 153
Pieter Wispelwey, Violoncello
Jean-Michel Charlier, Klarinette
Les Métamorphoses
Dirigent: Raphaël Feye
Label: Evil Penguin Classic | EPRC 0045


Weitere Infos siehe auch: https://www.eprclassic.eu/items/Weinberg


https://www.andre-sokolowski.de

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