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CD-Kritik

19 mal Heine




Bewertung:    



Heinrich Heine (1797-1856) - einer unserer bekanntesten und auch beliebtesten Nationaldichter - schrieb an die 200 Gedichte, und die Lyrik war dann wohl sein Hauptspielplatz. Sein Versepos Deutschland - Ein Wintermärchen, das auch heute noch als Pflichtlektüre in den Schulen dient, Die Harzreise von ihm oder seine Schnabelewopski-Memoiren gelten allgemein als DIE Werke, womit sein Name vorrangig und vorzugsweise in Verbindung steht. Dass er sich auch als exzeptioneller Journalist und Reiseschriftsteller zu seiner Zeit betätigte, dürfte womöglich weniger bekannt sein. Er befasste sich mit Religion, Philosophie; die umfänglichen Texte, die von ihm zu diesen Themen vorliegen, würde man heute eher als Essays bezeichnen, das klingt irgendwie um einen Deut hin wichtiger und würdiger - - kurzum: Heine war, ist und bleibt modern, und insbesondere seine Gedichte werden sicherlich in ihrer schönen Aktualität so bleibend sein wie halt am Morgen dann die Sonne auf- und abends wieder untergeht.

Auf Heine-Verse griffen seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert 34 Tonsetzer [lt. der Zusammenstellung Christoph Ulrichs auf der Website heinrich-heine.net] zurück, das reicht von Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Franz über Giacomo Meyerbeer und Richard Strauss bis Alban Berg, Peter Cornelius, Edvard Grieg und und und und - selbst Richard Wagner (auch als Autor des antisemitischen Pamphlets Das Judentum in der Musik berüchtigt und berühmt) verkomponierte einst Die Grenadiere in der französischen Übersetzung von Loeve-Veimar (Les deux grenadiers, WWV 60).

Zu den bedeutendsten Vertonungen Heine'scher Lyrik zählen freilich die von Robert Schumann (16 Lieder als Dichterliebe op. 48) und Johannes Brahms (6 Lieder, unter ihnen Sommerabend, Mondschein und Der Tod, das ist die kühle Nacht) oder Franz Schubert (ebenfalls 6 Lieder, für den Schwanengesang D 957).

Und heutzutage?

*

Uwe Neumann und Ian Melrose - der eine Schauspieler, der andre Gitarrist - veröffentlichten jetzt eine CD, die sie im Teldex-Studio in Berlin aufnahmen und sie Heine gets the Groove titelten.




Uwe Neumann (li.) und Ian Melrose | Bildquelle: heinegetsthegroove.com



Neumann - den man a priori wegen seiner Auswahl und der (in dem Booklet) lesenswerten Kurzeinführungen pro ausgewähltem Stück - als Heineliebhaber und -kenner eindeutig erkennt - hat für das Album 19 Texte vorbestimmt, 15 Gedichte und/ oder Balladen sowie 4 diverse Prosa.

Die besondere Erotik, die von seiner Stimme ausgeht - unterm Kopfhörer vernimmt man so ein unterschiedlich "angespanntes" Atmen, so ein mehr oder weniger "aufgeregtes" Atemholen zwischen all dem Aufgesagten oder Vorgespielten - , korrelliert vorzüglich mit den Inhalten der Texte; ganz besonders spürbar wird das beispielsweise bei den Rittersmann-und-Rittersfrau-Gedichten (Der Ritter, Die Nixen, Donna Clara), wo der Neumann ganz in seinem Element zu seien scheint!

Die dramaturgische Zusammenstellung der Scheibe ist auf einen chronologisch an- und aufsteigenden Lebenslauf des durch die Texte nach und nach sich mitteilenden Dichters aus; 3 mal spricht Neumann solo (Erste Prügel, Paris und Altes Stück), 15 mal singt er, 2 mal mit Melrose zusammen; ja und die sich mir am eindringlichsten eingeprägt habende "Doppel-Performance" (Neumann & Melrose im Zweiklang!!) sind Die Wanderratten:



Neumann lässt uns hierzu wissen: "'Die Wanderratten' schrieb Heine 1853/54. Das Gedicht erschien als Teil der 'Nachlese' zum ersten Mal 1869, also 13 Jahre nach Heines Tod. Deutlich merkt man diesem Gedicht an, welche drohenden Umwälzungen Heine in den sozialen Verwerfungen seiner Zeit - auch gerade nach der Revolution von 1848 - gespürt hat, nicht zuletzt wahrscheinlich auch in der kommunistischen Bewegung eines Karl Marx, mit dem er befreundet war. Gleichzeitig macht er sich über den deutschen Besitzbürger lustig, der die Zeichen der neuen Zeit nicht versteht und nur vor Angst um seinen Besitz und den Status quo zittern kann." (Quelle: Booklet zu Heine gets the Groove)


Besagter Song folgt einem Strophe-und-Refrain-Muster, seine Musik ist nachsingbar, es zuckt einem beim Hören, und man möchte hierzu tanzen.

Sämtliche Musikarrangements stammen von Melrose, der zudem verschiedene Gitarren, Dobro, Mandoline, Udu sowie Hand-Perkussion spielt.

Auch holten sich die beiden Macher Unterstützung von fünf Musikerkollegen [Namen s.u.].

*

Dreimal habe ich mir Heine gets the Groove inzwischen angehört und weiß seitdem ein bisschen mehr (als bisschen mehr) von/ über Heinrich Heine.

Und auch dafür:

Dankeschön.


Andre Sokolowski - 13. Mai 2021
ID 12906
HEINE GETS THE GROOVE
Ian Melrose & Uwe Neumann


1. Rückschau
2. Erste Prügel
3. Gesellschaft
4. Der Ritter
5. Die Nixen
6. Donna Clara
7. Im Hirn
8. Die Wanderratten
9. Unterm weißen Baume
10. Paris
11. Ein Meer aus Liebe
12. Altes Stück
13. Nacht lag auf meinen Augen
14. Die Libelle
15. Angel Eyes
16. Lotosblume
17. Frau Sorge
18. Alte Rose
19. Sie erlischt


Uwe Neumann (Gesang und Rezitation)
Ian Melrose (akustische und elektrische Gitarren, Dobro, Mandoline, Gesang, Udu, Hand-Perkussion, Programmierung)
Martin Lillich (Kontrabass, Basscello)
Jan Hermerschmidt (Klarinette)
Agustin Strizzi (Schlagzeug, Perkussion)
Borys Slowikowski (Perkussion)
Manfred Leuchter (Akkordeon bei Ein Meer aus Liebe)

Label: Timezone TZ 2083
VÖ: 14.05.2021


Weitere Infos siehe auch: https://heinegetsthegroove.com/


http://www.andre-sokolowski.de

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