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CD-Kritik

Barockes

aus London

"Träumen und Wachen" mit der Flötistin Iris Lichtinger und dem Lautenisten Axel Wolf


Bewertung:    



Die deutsche Barock- und Renaissanceblockflötistin Iris Lichtinger hat in ihrem bisherigen Werdegang - auch als Sängerin und Pianistin - mit namhaften Musikerinnen und Musikern ihres Kalibers zusammenarbeiten und mit ihnen gemeinsame Projekte der unterschiedlichsten Art realisieren können; hierbei hinterließ sie in vielen Ländern dies- und jenseits des Atlantik ihre künstlerischen Fußabdrücke.


"Seit ihrer Ausbildung an Musikhochschulen und Konservatorien in Amsterdam, Mailand, München und Trossingen und zahlreichen absolvierten Meisterkursen schreitet sie auf einem außergewöhnlichen Karriereweg, der sie durch unterschiedlichste Musikepochen, tonale und atonale Klimazonen und deren Kompositionslandschaften führt.

Als Multi-Talent bewegt sie sich mit großem Facettenreichtum zwischen Alter und Neuer Musik, komponierter und improvisierter Musik, Hochkultur und Populär-Kultur und springt spielerisch über Genregrenzen. So stellt sie in ihren programmatischen Konzeptionen überraschende Bezüge zwischen scheinbar unterschiedlichen musikalischen Elementen her und umgarnt und erweitert den Rahmen bekannter Formate. Dabei arbeitet sie in allen Bereichen mit hochkarätigen Vertretern der Szenen.


[...]

Als künstlerische Leiterin des MEHR MUSIK!Ensembles, ein Partnerprojekt von MEHR MUSIK! Augsburg und dem Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg, bringt Iris Lichtinger bereits seit 2009 ambitionierte Nachwuchsmusiker*innen und Profis aus der Neue Musik-, Jazz- und Klassikszene zusammen. Mit dem Ensemble realisierte sie zahlreiche Konzertformate Moderner Musik wie beispielsweise 2017 die Aufführung von Steve Reichs Kult-Werk 'music for 18 musicians', darunter auch zahlreiche multimediale Filmkunst-Improvisationsprojekte in Kooperation mit dem Kölner Ensemble shortfilmlivemusic.

Ausgehend von der Musik des Frühbarocks entwickelt sie als Sängerin mit ihrem Ensemble PROGETTO ´600 neuartige Fusionprogramme, in denen sie Historisches mit Jazz, Pop und postmodernen Klangreflexen vereint. In eigenen Arrangements werden unerhörte Marriagen geschaffen, die die klanglichen Möglichkeiten der außergewöhnlichen Ensemblebesetzung kühn und verspielt ausloten. 2014 hatte das Ensemble sein Debüt in der Münchner Philharmonie am Gasteig.

Im Duo mit dem Lautenisten und Echoklassik-Preisträger Axel Wolf widmet sie sich seit mehreren Jahren als Flötistin dem Repertoire der Renaissance und des Barock."


(Quelle: irislichtinger.com)




Iris Lichtinger & Axel Wolf | Bildquelle: irislichtinger.com


Mit Axel Wolf [s.o.] hatte sie am 1. und 2. März 2021 im Felicitas-Saal des Maximilianmuseums Augsburg ihre gemeinsame CD Dreaming and Waking aufgenommen - sie ist seit Anfang des Jahres im Phonohandel erhältlich; und ich habe sie mir jetzt mit Freude und Genuss (zweimal hintereinander; das erstemal geschlossenen Auges, das zweitemal während der Booklet-Lektüre) angehört.


"Über den Unterschied zwischen Träumen und Wachen sinniert Samuel Pepys (1633-1703) in seinem persönlichen Tagebuch, das der englische Unterhausabgeordnete, Staatssekretär der königlichen Marine und passionierte Amateurmusiker über die Jahre 1660-1669 führte. Er spielte unter anderem die Laute und vermerkte am Donnerstag, 16. April 1668, dass er begonnen habe, die Blockflöte zu erlernen, deren Klang ihn von allen Klängen der Welt am meisten anziehe." (Quelle: Leika Kommunikation)


Iris Lichtinger hatte sich während des vergangenen Corona-Lockdowns Pepys Tagebuch, das sie schon vorher kannte, wieder vorgenommen und hierin gelesen; so kam es dann auch zum Titel der CD (Dreaming and Waking). Im Booklet haben sie und Axel Wolf auf kluge Fragen ihrer Interviewpartnerin, der Literaturwissenschaftlerin Stephanie Waldow, überaus lesenswert reagiert, z.B. das hier:


"Als ich im Diary die Stelle las, dass Pepys sich am 2. April 1664 über den eigentlichen, fragwürdigen Unterschied zwischen Träumen oder Wachen seine Gedanken machte, fühlte ich erneut eine spontane Verbundenheit. Viele Menschen äußerten während des Lockdowns, dass sie das Gefühl hätten, 'im falschen Film' zu sein. Mir kam dabei das Gedicht von Johann Wilhelm Ludwig Glein 'Das Leben ist ein Traum" in den Sinn, etwa in der Vertonung von Joseph Haydn. Während des Lockdowns konnten wir alle unser Leben nicht so leben, wie wir es sonst gestalten würden. Es wurde auf einen engen Überlebensrahmen reduziert, bei vielen gepaart mit großer Angst. Sich klar zu werden, dass das Leben nur in der totalen Annahme des jeweiligen Moments wirklich gelebt werden kann, ist eine Übung, die man wohl nie perfekt beherrschen wird. Trotzdem ist es der einzige Weg, das eigene Leben nicht nur als Schaumkrone versinken zu sehen." (Iris Lichtinger)


Schön geschrieben.

*

12 Stücke von 9 Komponisten aus dem 17. Jahrhundert sind zu hören, davon eines (das letzte auf der 60-minütigen CD) von Anonym.

Das erste (A Ground von Godfry Finger) kam mir irgendwie bekannt vor - ich weiß bis jetzt nicht warum, aber ich glaubte es, vielleicht in einer anderen Besetzung, schon irgendwann einmal gehört zu haben; soviel zum Bekanntheitsgrad der exklusiv zusammengestellten Sammlung.

Alle anderen Stücke dürften singuläre Neu-Entdeckungen für Barockmusikliebhaber sein - eines ist auf der CD zum allerersten Mal (Weltersteinspielung!) aufgenommen worden: die Sonate d-Moll von Giacomo Carissimi.

Es gibt auch sechs Tracks für Laute solo zu erleben: Toccata & Corrente von Giovanni Girolamo Kapsperger sowie die viersätzige Sonate VI von Giovanni Zamboni Romano.

Weitere Stücke von Solomon Eccles, Giuseppe Sammartini und Sylvius Leopols Weiss runden das Bekanntmachen mit Werken von Komponisten, deren Namen bis dato nicht nur zuhörenden Laien unter Garantie nicht sehr geläufig gewesen sein dürften, ab.

Eine wahrlich elitäre Auswahl an Musik.

Vorzüglich musiziert.
Andre Sokolowski - 30. September 2023
ID 14410
DREAMING AND WAKING
Musikalische Kostbarkeiten zwischen Traumversunkenheit und Lebenslust aus dem multinationalen Schmelztiegel des barocken Londons

Godfry Finger (ca. 1660-1730): A Ground
- Ciacona (Sonata X op. 3/10)
- Ciacona (Sonata VIII op. 3/8)
Giacomo Carissimi (1605-1674): Sonate d-Moll
Solomon Eccles (1618-1683): Bellamira
Giovanni Girolamo Kapsperger (1580-1651): Toccata
- Corrente
Benedetto Marcello (1686-1739): Sonata XII op. 2/12
Giuseppe Sammartini (1695-1750): Sonata a flauto solo (MS Parma Nr. 16)
Giovanni Zamboni Romano (1650-1713): Sonata VI
Sylvius Leopols Weiss (1687-1750): Sonata VI
Anonymus: A Italien Ground
Iris Lichtinger, Barock- und Renaissanceblockflöten
Axel Wolf, Laute und Theorbe
Aufgenommen 3/2021 im Maximilianmuseum Augsburg
VÖ 3/2023
Label: Perfect Noise PN 2205


Weitere Infos siehe auch: https://www.irislichtinger.com


https://www.andre-sokolowski.de

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= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




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