Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 5

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Premierenkritik

Afro-

futuristisches

SUNVILLE in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin


Illustration von Olga Prader zur Uraufführung Sunville | (C) Olga Prader/Deutsche Oper Berlin

Bewertung:    



Das Beste vorab:

Bühnenbildnerin Sonja Füsti und Kostümdesignerin Lauren Steel verzauberten die Tischlerei in der Deutschen Oper Berlin, samt all ihrer performenden Protagonistinnen und Protagonisten, in eine kunterbunte Unterwasserwelt, deren animatives Verwandlungszentrum aus aberhunderten kleinen schwarzen Bällen bestand, in deren schwarzwässrige Materie hinein oder aus ihr heraus das großartigste Leben & Sterben, was man so in dieser Art und Weise nie zuvor zu sehen wähnte, erfolgte; das war toll anzusehen und ermüdete (rein optisch) nicht.

Auch die zwischen spirituellem Jazz und improvisierter Griyo-Tradition hin und her wabernde Musik von Sofia Jernberg, die sich gleichsam auch die Hauptrolle ihres zeitgenössischen Musiktheaters (nämlich die wie eine Riesenkrake ausschauende "furchtlose Ex-Königin") auf den Leib geschrieben zu haben schien, hatte ein gewisses Abwechslungspotenzial und langweilte, allein aus diesem Grunde, kaum, obgleich ihre Zitatfreude (Elektra-Schluss: "Orest! Orest", um nur ein Beispiel anzuführen) allzu bemerkbar war; als Bestes und Erinnernswertestes blieb mir ihr "Requiem für die staatenlosen Toten" in Erinnerung, das sang sie dann höchstselbst, ja und ansonsten fiel sie meistens, womöglich auch ein Ausdruck ihres überbordenden Humors, mit traditionellem Kreischen und/ oder höchstmöglicher Diskantakrobatik auf.

Und so gesehen ist es allerhöchste Zeit zur inhaltlichen Komponente dieses kunterbunten Musiktheater zu gelangen, also:


"Überlebende des Meeres, Geflüchtete, Exilierte, kommen auf einer Insel zusammen. Aus dem Nichts errichten sie eine neue Gesellschaft, ohne die alten Regeln von Herkunft, von Macht. Kann es das geben, eine Gemeinschaft, die auf Liebe gründet? Gastgeber des Abends sind zwei intergalaktische Kollaborateure: Sun Ra, Vordenker des Afrofuturismus als Antwort auf den omnipräsenten Rassismus, und Karlheinz Stockhausen, welcher der Enge der Kunstwelt entfliehen wollte. Beide sind fasziniert von interplanetarischen Vibrationen, lesen in den 70ern das gleiche spirituelle Buch über die Liebe und drehen den Kosmos frei.

'The truth about the planet earth is a bad truth', singt Sun Ra 1972. Als Fluchtpunkt wählt er die Musik – und, mit etwas Ironie, das All. Im Afrofuturismus geht es 'um Widerstand durch Imagination' (Adyam Tesfamariam) – dieser Spur folgt der Abend und sucht nach neuen Antworten." (Quelle: deutscheoperberlin.de)



Und sofort kommt der kongolesische Autor Fiston Mwanza Mujila mit ins Spiel; der nämlich...


"...nimmt uns mit in die 'Second World' – eine Zone, in der afrikanische Kosmologien, Black Science-Fiction und beißende Satire kollidieren. Manchmal hilft es nur, in Gelächter auszubrechen, bevor wir weiter träumen können." (Quelle: dto.)


Habe ich das [s.o.] soweit verstanden?

Nicht wirklich, aber ist ja auch egal.

*

Die rechts wie links der Bühne als Übertitelungen mitlaufenden Texte machten es mir nicht leicht irgendeinen wie auch immer hineinzuinterpretierenden Sinn des Ganzen herauserkennen zu wollen, je mehr ich von diesem plattitüden Gesamtunsinn las, umso schlechtgelaunter wurde ich, und meine Bereitschaft diesem allen irgendwie noch geistig zu folgen, verebbte mehr und mehr. Am interessantesten waren da vielleicht noch die arg vielen Beispiele afrofuturistischer Kunst und Kultur, von der ich allerdings (Bildungsmangel halt) wenig oder nichts zu verstehen meinte.

Alles in allem gab es freilich auch lichtere Momente, bei denen ich mich mitgenommen fühlte, so z.B. die von Saxofonist Espen Reinertsen grandios performte Karikatur eines auf dem afrikanischen Kontinent umherwildernden Jägers mit Herrenmenschenattitüde, was ein beunruhigendes Schlaglicht auf den südafrikanischen Apartheidskolonialismus in der Zeit weit vor Mandela warf.

Auch die überaus launigen Gesangseinlagen der extraordinären Altistin Nora Frenkel (als "Frau mit den langen Zöpfen") beeindruckten mich sehr stark.

Fulminant auch der sowohl gesangliche wie schauspielernde Gesamtauftritt des Countertenors Serge Kakudji (als "Boxer im Ruhestand"); sensationell!

Und dann verblüfften letzten Endes Emeke Ene & Yukari Aotani-Riehl (als Hybridenpaar "Monsieur & Madame Broccoli") in einer von Stephanie Thiersch choreografierten Extra-Einlage der Sonderklasse.

Kit Downes saß meistens am Klavier, das er entsprechend der ihm vorliegenden Partitur bearbeitete, und Kontrabassist Ole Morten Vågan (als "Ex-Mann") studierte die Performance musikalisch ein.



Sofia Jernberg (als Die furchtlose Ex-Königin) in Sunville - an der Deutschen Oper Berlin
Foto (C) Thomas Aurin

Andre Sokolowski - 26. September 2026
ID 16059
SUNVILLE (Tischlerei, 25.09.2026)
Ein Musiktheater

Komposition, und musikalische Leitung: Sofia Jernberg
Libretto: Fiston Mwanza Mujila
Regie, Choreografie und Bühnenkonzept: Stephanie Thiersch
Bühnenbild: Sonja Füsti
Kostüme: Lauren Steel
Lichtdesign: Begoña Garcia Navas
Sounddesign: Thomas Wegner
Kuration, Konzept und Dramaturgie: Elisa Erkelenz
Besetzung:
Die furchtlose Ex-Königin ... Sofia Jernberg
Die Frau mit den langen Zöpfen ... Noa Frenkel
Der Boxer im Ruhestand ... Serge Kakudji
Der Erzähler ... Fiston Mwanza Mujila
Der Tänzer aus der Zukunft, Monsieur Broccoli ... Emeka Ene
Der Ex-Mann, Kontrabass und musikalische Einstudierung ... Ole Morten Vågan
Saxofon, Der Jäger ... Espen Reinertsen
Kit Downes, Piano
Yukari Aotani-Riehl, Violine (Madame Broccoli)
Esther Feustel, Geige
Yi-Te Yang, Viola
Maria Pstrokonska-Mödig, Violoncello
UA an der Deutschen Oper Berlin: 25. September 2026
Weitere Termine: 26., 27., 30.09./ 01., 02.10.2026


Weitere Infos siehe auch: https://deutscheoperberlin.de


https://www.andre-sokolowski.de

Ballett | Performance | Tanztheater

Konzerte

Musiktheater

Neue Musik

Rosinenpicken



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!    



Vielen Dank.



  Anzeigen:





MUSIK Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

BALLETT |
PERFORMANCE |
TANZTHEATER

BAYREUTHER FESTSPIELE

CD / DVD

KONZERTKRITIKEN

LEUTE

MUSIKFEST BERLIN

NEUE MUSIK

PREMIERENKRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski

RUHRTRIENNALE

SALZBURGER FESTSPIELE


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2026 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)