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Premierenkritik

Top, Top, Top

- Kosky!

IL VIAGGIO A REIMS von Rossini


Bewertung:    



Regisseur Barrie Kosky kommt ins Schwärmen: „Die Musik ist atemberaubend, musikalisch interessant und anspruchsvoll. Einfach top, top, top Rossini!“

Wie schon zu den Pfingstfestspielen hat er bei den Salzburger Sommerfestspielen Il Viaggio a Reims im Haus für Mozart zur Aufführung gebracht.

Gioachino Rossini war bereits ein sehr gut etablierter Komponist in Frankreich, als er diese letzte in italienischer Sprache geschriebene Oper für das Pariser Théatre-Italien komponierte. Es war ein Auftragswerk, geschaffen für die Krönung Karls X. in Reims. Das Honorar war fürstlich, und so konnte in die Vollen gelangt werden: Unter den 18 solistischen Partien gab es zehn Hauptrollen – mehr als in jeder anderen italienischen Oper des Repertoires. In Gran Pezzo Concertato beginnen 14 Sänger und Sängerinnen a capella zu singen, bevor das Orchester einsetzt. An die Sänger und Sängerinnen werden höchste Ansprüche gestellt. Wie Kosky betont, sind die Partien nicht nur schwer zu singen, auch schauspielerisch wird ihnen einiges abverlangt.

Beides hat hervorragend funktioniert, und das ist umso wichtiger, als das Stück keine große dramatische Handlung hat. Eine zusammengewürfelte noble Gesellschaft hängt im Hotel „Zur Goldenen Lilie“ fest. Im Original sind sie alle auf dem Weg zur Königskrönung nach Reims, aber die Pferde sind ausgegangen, und man findet mehr oder weniger freiwillig zusammen. Natürlich kommt es zu allerlei Amouren, aber die sind eigentlich egal, so tiefgehend sind die Figuren gar nicht ausgearbeitet. Es ist ein großer Spaß, schon wie die Pagen durch die Drehtüren hineingeschleudert werden ins Geschehen, die knallbunten Rüschenkleider und turmartigen Hochsteckfrisuren der Damen, die Phantasieuniformen der Sänger und Tänzer (Kostüme: Victoria Behr), all das ist schon ein Zauber vor den schwarz-weißen Gravuren der Bühne (Bühne: Rufus Didwiszus).

Es ist gar nicht so leicht jedem der Darbietenden eine große Arie zukommen zu lassen. In den ersten 30 Minuten bezaubert Mélissa Petit als französische Contessa, der ihre Garderobenkoffer abhandengekommen sind. Schier nicht auszuhalten ist so ein Schicksalsschlag für sie, aber, was für ein Glück, der Hut wird aufgefunden und in einer riesigen Schachtel zurücktransportiert. Sie ist so glücklich darüber, als ob sie ihren verloren geglaubten Geliebten zurückbekommen hat: „Ich danke euch, ihr Götter, dass ihr mein Flehen erhört habt.“

Und so exaltiert und überdreht geht es weiter. „Natürlich ist die Geschichte blöd“, sagt Kosky. Aber die Menschen bräuchten nicht nur Tiefsinniges, sondern auch ein Stück das Herz, Hirn und Seele zugleich nährt. Etwas Lustig-Leichtes, wie ein gutes Dessert nach einem Abendessen. Da kann man sich auch mal den Magen verrenken, ist hier aber nicht der Fall. Immer wieder großer Zwischenapplaus des Publikums. Auch Tara Erraught, Edgardo Rocha und Florian Sempey reißen zu Beifallsstürmen hin.

Kurz gibt es ein paar musikalische Spielereien aus dem Orchestergraben, Mozart, Haydn Beethoven, Bach…

In Koskys Inszenierung reisen die Gäste nicht zur Königskrönung, sondern zur Geburtstagsgala der berühmten Sängerin „La Ceci“. Damit ist natürlich Cecilia Bartoli gemeint, die kürzlich ihren 60. Geburtstag gefeiert hat und hier die Rolle der römischen Dichtern Corinna übernimmt. Sie ist der strahlende Mittelpunkt, ihre Arien werden von Harfenklängen begleitet (Harfe: Markus Thalheimer). Schon ihre erste Arie ist nicht nur stimmlich großartig, sondern auch mit sehr viel Ironie gespielt. Überhaupt die schauspielerischen Fähigkeiten der Sänger und Sängerinnen sind einfach hinreißend. Dazu das glanzvolle Musizieren von Les Musiciens du Prince unter der Leitung von Gianluca Capuano.

Eine Moral von der Geschichte gibt es nicht. Es ist einfach ein riesiger Spaß. Damit Unterhaltung so gut funktioniert, ist eine hervorragende Komposition nötig, großartige Sängerpersönlichkeiten und in der Regie Timing, Timing, damit der Rhythmus stimmt. Hier wurde alles richtig gemacht. Also top, top, top Barrie Kosky!



Il viaggio a Reims bei den Salzburger Festspielen 2026 | Foto (C) SF/Monika Rittershaus

Isabella Schmid - 7. August 2026
ID 15979
IL VIAGGIO A REIMS (Haus für Mozart, 05.08.2026)
von Gioachino Rossini

Musikalische Leitung: Gianluca Capuano
Regie: Barrie Kosky
Bühne: Rufus Didwiszus
Kostüme: Victoria Behr
Licht: Franck Evin
Dramaturgie: Christian Arseni
Besetzung:
Corinna ... Cecilia Bartoli
Marchesa Melibea ... Marina Viotti
Contessa di Folleville ... Mélissa Petit
Madama Cortese ... Tara Erraught
Cavalier Belfiore ... Edgardo Rocha
Conte di Libenskof ... Dmitry Korchak
Lord Sidney ... Ildebrando D’Arcangelo
Don Profondo ... Florian Sempey
Barone di Trombonok ... Misha Kiria
Don Alvaro ... Peter Kellner
Don Prudenzio ... Giovanni Romeo
Maddalena ... Helena Rasker
Zefirino ... Rodolphe Briand
Antonio ... Rafał Pawnuk
Chœur de l’Opéra de Monte-Carlo
(Einstudierung: Stefano Visconti)
Les Musiciens du Prince — Monaco
Premiere bei den SALZBURGER FESTSPIELEN: 5. Augzst 2026
Weitere Termine: 08., 11., 13., 16.08.2026


Weitere Infos siehe auch: https://www.salzburgerfestspiele.at


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