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CD-Kritik

"Was, Travnicek,

halten Sie

von..."





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Die Doppelconférence, der komische Dialog zwischen dem „G’scheiten“ und dem „Blöden“, ist ein fester Bestandteil des Wiener Kabaretts. In der Zwischenkriegszeit brillierten Karl Farkas und Fritz Grünbaum in diesem Genre. Nach dem Zweiten Weltkrieg und Grünbaums Tod im KZ übernahm Ernst Waldbrunn dessen Rolle. Eine Generation später, Anfang der fünfziger Jahre, ließen Helmut Qualtinger als Travnicek und Gerhard Bronner (zusammen mit Carl Merz der Autor der Texte) als sein namenloser Stichwortgeber das Frage-und-Antwort-Schema in modifizierter Form auferstehen. Die Szenen wurden weit über das Kabarett hinaus zu einem der größten Erfolge des Teams, und viele Aussprüche Travniceks sind bis heute in das Repertoire der Wiener geflügelten Worte eingegangen.

Dazu gehört die Kennzeichnung von Ćevapčići als „Hundstrümmerln“. Oder aus der Erzählung von einer besoffenen Reise in die Sowjetunion die Charakterisierung der Moskauer Metro: „Wie der Kursalon, wenn der H2 durchfahren möcht'.“ Dazu muss man allerdings wissen, dass der Kursalon ein historistisches Gebäude am Rande des Wiener Stadtparks ist und der H2 eine Straßenbahnlinie, die seit langem nicht mehr existiert. Als sprachlichen Running Gag schieben Bronner ein „Was, Travnicek, halten Sie von…“ und Qualtinger ein wichtigtuerisches „Schaun Sie“ in ihre Rede. Bronner ergeht sich im Jargon von schönfärberischen Werbesprüchen und zieht damit ihre dümmliche Phrasenhaftigkeit ins Lächerliche. Daran gemessen sind Travniceks Antworten von ernüchterndem Volksverstand.

Travnicek ist nicht eigentlich der traditionelle „Blöde“, sondern ein vorurteilsgeladener Spießer, ein Vorläufer des Herrn Karl, mit dem Helmut Qualtinger den absoluten Höhepunkt des Wiener Kabaretts und dessen Überschreitung erschaffen hat.

Man hat sie bis heute im Ohr, den hochnäsigen Ton Bronners und das Lallen Qualtingers, als wäre er nie ganz nüchtern und gewiss nicht aus einem der bürgerlichen Bezirke Wiens wie Hietzing oder Währing.

Jetzt wurden Travniceks gesammelte Werke neu aufgelegt, die auf dem erfolgreichen Label Preiser Records mit einem Schwerpunkt auf Sprechplatten und dem österreichischen Kabarett im Besonderen erschienen sind, und beweisen 15 Jahre nach dem Tod Gerhard Bronners, der im Oktober dieses Jahres seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, ihr noch keineswegs erreichtes Verfallsdatum.


Thomas Rothschild – 21. März 2022
ID 13535
https://www.naxos.de/


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