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CD-Besprechung

Auf dem Weg zu Penderecki





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Dem Umstand, dass man hierzulande im Zusammenhang mit Polen in erster Linie an Pflegerinnen und Pfleger für Hilfsbedürftige oder an Putzfrauen denkt, entspricht die Tatsache, dass die Komponisten Karol Szymanowski (1882-1937) und Witold Lutosławski (1913-1994) nur wenig bekannt und auf deutschen Konzertprogrammen kaum vertreten sind. Die preußische Arroganz gegenüber den slawischen Nachbarn hält bis heute an. Lang ist‘s her, seit Georg Herwegh, wie Lenau oder Uhland beeindruckt vom Freiheitskampf der Polen, dichtete: „Was gestern Recht war für den Rhein,/ ist’s heute nicht auch Recht für Polen?/ Soll Polen nicht auch Polen sein,/ weil wir als Räuber mitgestohlen?“

Szymanowski und Lutosławsi sind Zeitgenossen von Igor Strawinsky respektive von Benjamin Britten. In ihrer Heimat gelten sie zu Recht als ebenso bedeutend wie Bartók in Ungarn, Enescu in Rumänien oder Samuel Barber in den Vereinigten Staaten.

Jetzt bietet eine Box auf drei CDs Kostproben aus dem orchestralen Werk der beiden Komponisten. Sie enthält die an Richard Strauss anklingende 2. Symphonie von Szymanowski, seine Konzert-Ouvertüre Op. 12 und drei von Grzegorz Fitelberg orchestrierte Fragmente aus Gedichten von Jan Kasprowicz, allesamt zwischen 1902 und 1910 entstanden, sowie die 4. und letzte Symphonie von Lutosławski, seine Konzerte für Orchester und für Violoncello und Orchester mit Gautier Capuçon< als Solisten, sein Livre pour orchestre von 1968 und seine Trauermusik „In memoriam Béla Bartók“, die anlässlich des zehnten Todestages des bewunderten ungarischen Kollegen in Angriff genommen wurde. Die Aufnahmen entstanden zwischen 2014 und 2016 mit dem Nationalen Symphonieorchester des Polnischen Rundfunks (NOSPR) unter der Leitung seines Chefdirigenten Alexander Liebreich.

Mit der Auswahl werden, wie es im Begleittext zutreffend heißt, „Wege in die Moderne“ nachgezeichnet. Könnte man Szymanowski noch der Spätromantik zuordnen, so experimentiert Lutosławski mit diversen Einflüssen der Moderne zwischen Tonalität und Zwölftonmusik. Sein Konzert für Orchester aus den frühen fünfziger Jahren hat das Zeug, auch dem konservativen Hörer ins Ohr zu gehen. Wenn ein Motiv des erstes Satzes bekannt klingt, so ist das keine Täuschung. Es wurde einst als Titelmelodie für Gerhard Löwenthals ZDF-Magazin verwendet. In den späteren Werken bewährt sich Lutosławskis an den Impressionisten geschulte Meisterschaft in der Nutzung von Klangfarben. Wie im Cellokonzert, das dem Soloinstrument ungewöhnlich viel Platz einräumt, arbeitet Lutosławski in der knappen 4. Symphonie mit scharfen Kontrasten zwischen Solisten und dem massiven Orchester.

Noch ist Polens Musik nicht verloren. Sie verdiente es, häufiger neben Sibelius und Prokofjew, neben Hindemith und Schönberg, neben Messiaen und Ligeti aufgeführt zu werden – auch ohne osteuropäische Dirigenten, die dazu biographisch motiviert sind.


Thomas Rothschild – 7. Oktober 2019
ID 11729


Siehe auch:
https://www.naxos.de/neuheiten/4260234832136/


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