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nachDRUCK # 5

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CD-Kritik

Vertraute Vibes,

hypnotische Harmonien,

dynamischer Drive





Bewertung:    



Der schneidende, lang gedehnte, monoton-lässige Gesang ist unverkennbar: Die androgyn anmutende, brüchig-raue, nasale Stimme von Brian Molko trägt die Melodien. Sie ragt nicht ohne Pathos über krachenden Soundwällen stets hervor. Markant prägen wehmütige Refrains die dreizehn Tracks auf dem Comeback-Album Never let me go. Neun Jahre ist die Vorgängerplatte Loud like love (2013) der Alternative Rocker PLACEBO aus London nun her. Das schmissige achte Album bietet gewohnt energiegeladene Beats, eingängige Hooks, präsente Synthesizer-Klänge und viel effektvoll gesetzte Elektro- oder Hall-Effekte.

Never let me go ist ein kompositorisch solides und besonnenes Album der Post-Punk-Ikonen, die in den Neunzigern mit der Hymne "Every you every me" im Kultfilm Eiskalte Engel (1999) auf sich aufmerksam machten. Sänger und Gitarrist Molko, der damals offen über seine Bisexualität sprach, geht mittlerweile auf die fünfzig zu und hat einen 17jährigen Sohn. Der 1,68 Meter kleine gebürtige Belgier trägt lange Haare und einen Schnauzer. Begleitet wird Frontmann Molko beim Songwriting und Soundtüfteln durch den 48jährigen gebürtigen Schweden Stefan Olsdal. Der 1,94 große Bassist Olsdal outete sich 1996 als homosexuell. Die Songs der Band richten sich oft gegen Intoleranz. Ein Vierteljahrhundert Bandgeschichte prägte auch wechselnde Schlagzeuger der Band. Mittlerweile wurde aus PLACEBO ein Duo. Im Studio spielten jedoch gleich zwei Gastschlagzeuger die neuen Songs mit ein, Matthew Lunn und Pietro Garrone.

Der aggressive Opener „Forever Chemicals“ handelt von Drogenkonsum und Enttäuschungen. Hier arbeitet das Duo mit Hall-Verzerrung und geloopten Drums und Harfenklängen. Die queere Liebeshymne „Beautiful James“ wartet euphorisch mit furiosen Hooks und dynamischen Gitarren- und Synthesizerklängen auf. Das getriebene „Hugz“ handelt davon, dass Partner sich auch während innig-intimer Umarmungen manchmal nicht verstanden fühlen. Es verbreitet mit lärmigen Gitarren intensive Grunge-Gefühle. „Went missing“ wartet mit Sprechgesang auf, „The Prodigal“ hingegen mit Streicherarrangements. Das Synthie-lastige „Sad white Reggae“ führt mit seinem trügerischen Titel in die Irre. „Surrounded by spies“ problematisiert mit dicht-durchschlagenden Beats den Überwachungsstaat und ergeht sich leicht paranoid in Verfolgungswahn, schließt jedoch versöhnlich durch Piano-Momente ab. Ungewohnt einfühlsame Piano-Klänge eröffnen auch die schwermütige Ballade „This is what you wanted“, die von Sehnsucht, Resignation und Selbstzweifeln handelt, gleichzeitig aber auch tröstliche Töne anschlägt. Das nachdenkliche „Fix yourself“ wird von einer hypnotischen Basslinie aufgewertet. „Happy birthday in the sky“ sendet mit atmosphärischem E-Gitarrenspiel einen charmanten Geburtstagsgruß an einem Verstorbenen gen Himmel. „Try better next time“ mahnt bitter und ironisch, dass der Mensch die Erde zugrunde gerichtet hat und schlussendlich nur wenige Tiere auf dem zerstörten und zu trockenen Planeten überleben dürften.

Brian Molko und Stefan Olsdal widmen sich den großen Problemen dieser Welt, aber auch persönlichen Erfahrungen und den Gefahren digitaler Medien. Der Wechsel zum Indie-Label So Recordings hat dem Duo scheinbar gut getan. Das sphärische, spannungsreiche Album klingt angenehm unverbraucht und weniger homogen oder einseitig aufdringlich wie Vorgänger-Platten.

Zum Ende hin werden die Vibes und Melodien ausgeglichener und versöhnlicher. Anders als seichtere und deutlich kürzere Neuerscheinungen aus Großbritannien, von Größen wie Sting oder der Band Texas, die auch die pandemiebedingte Tour-Zwangspause für neue Songideen nutzten, wartet Placebo inspiriert und routiniert mit durchaus längeren Kompositionen (fünf über 5-minütige Songs) und einer Gesamtdauer von 57:44 auf.


Ansgar Skoda - 28. April 2022
ID 13595
https://www.placeboworld.co.uk/


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