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CD-Kritik

Adieu Bandoneon





Bewertung:    



Ein Spätzünder war Astor Piazzolla nicht. Er musste nicht lange auf den Erfolg warten, und zwar über seine argentinische Heimat hinaus. Der Faszination des Tangos, dem Piazzolla neues Leben eingehaucht und den er aus den Spelunken auf die Konzertbühnen übertragen hatte, konnte sich kaum jemand entziehen.

Piazzolla spielte das Bandoneon, einen Verwandten des Akkordeons, und hat, zusammen mit dem Tango, auch diesem Instrument zu einer phänomenalen internationalen Konjunktur verholfen. Aber seine süffigen Melodien blieben nicht auf das Bandoneon beschränkt. Sehr bald haben sich Musiker diese Kompositionen für ihre Instrumente angeeignet. Der Sound hat sich verändert, das Material blieb sich gleich. Und mit dem Erfolg kamen auch die Aufträge für Kompositionen, die Piazzolla über sein Bandoneon hinaus schauen ließen.

Diesmal also Harfe und Klavier. Das DUO PRAXEDIS, das sich den gemeinsamen Vornamen von Mutter Praxedis Hug-Rütti an der Harfe und Tochter Praxedis Geneviève Hug am Klavier gab und, wie die Namen verraten, aus der Schweiz stammt, schert sich nicht um den vitalen Klang des Bandoneons und zähmt Piazzollas teils mürrischen, teils aufbegehrenden musikalischen Gestus. Zugegeben: das mag nicht nach jedermanns Geschmack sein. Es verhält sich zum Original wie ein Blues von Huddie Ledbetter alias Leadbelly in der Interpretation von Van Morrison zu einer Aufnahme des Meisters oder auch wie die Bahnhofstraße in Zürich zu den Arrabales von Buenos Aires. Vor nunmehr schon mehreren Jahren gehörte es zu den beliebten Topoi, ob es eine typisch weibliche Art des Musizierens gibt. Die Befürworter dieser These, möglicherweise auch die Opfer von Klischees, mögen erklären, Piazzollas Tangos seien durch das DUO PRAXEDIS verweiblicht worden. Diese Annahme könnte durch die Tatsache untermauert werden, dass die Harfe – man sehe sich nur in den Orchestern um – immer noch eine Domäne der Frauen ist. Eine Testfrage: wenn Sie eine Filmmusik zu einem Roman von Jane Austen erfinden müssten – würden Sie sich eher für die Harfe oder fürs Bandoneon entscheiden? Auch die nackten Schultern, die uns Mutter und Tochter auf dem Cover der Doppel-CD zeigen, kann man sich bei Astor Piazzolla kaum denken.

Am überzeugendsten wirkt die Besetzung bei den Stücken, in denen sich schon Piazzolla an der Barockmusik orientiert hat – etwa Tangata oder Fuga y Misterio. Aber auch andere Assoziationen tun sich auf. In den hohen Registern klingt die Harfe nämlich fast wie ein Vibraphon. Und da mag man sich an das Modern Jazz Quartet mit Milt Jackson erinnert fühlen.


Thomas Rothschild – 7. Juli 2021
ID 13022
https://www.duopraxedis.com


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