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CD-Kritik

Unplugged





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Das ist nicht alltäglich, dass eine CD nicht ankündigt, was man hören, sondern was man nicht hören wird. Das Ensemble mit dem kalauernden Namen Cembaless weist sich genau mit seiner Leerstelle aus: es ist cembalofrei. Es begnügt sich stattdessen mit zwei Blockflöten, einer Viola da Gamba, einer Gitarre oder Laute, einer Theorbe, mit persischen Trommeln und, fallweise, der menschlichen Stimme. Die vierzehn Stücke, die einen vom ersten Takt eines Anonymus bis zu der abschließenden Bergamasca von Marco Uccellini in ihren Bann schlagen, wecken Erinnerungen an diverse Vorgänger aus allen Abteilungen des Musiklebens: an die Nuova Compagnia di Canto Popolare, an Angelo Branduardi, an L‘Arpeggiata von Christina Pluhar oder die spanische Forma Antiqva. Bei dem vibratofreien hohen Sopran von Elisabeth von Stritzky mag man an Kate Bush denken oder auch an Sally Oldfield.

Passacaglia della Vita überrascht, sieht man von Claudio Monteverdi ab, mit weitgehend unbekannten Komponisten der Renaissance und des Frühbarock, unter die Cembaless klammheimlich eine Komposition ihres Perkussionisten Syavash Rastani gemogelt hat. Den Begriff Passacaglia sollte man nicht in der strengen Bedeutung der späteren Barockmusik verstehen. Was die Stücke dieser Debüt-CD verbindet, ist die Vorliebe für den Basso ostinato, wie er einem aus der vielfach variierten Folia vertraut ist. Die Repetition, die den Ruhm von Ravels Bolero begründet und in unserer Zeit in der Minimal Music eine Wiedergeburt erlebt hat, ist in der Alten Musik und auch in der Volksmusik längst schon ein grundlegendes Muster gewesen. Sie folgt einem Prinzip, das Jurij Lotman mit Blick vor allem auf die Literatur als „Ästhetik der Identität“ bezeichnet hat. Übrigens: zu dieser Musik lässt sich fantasievoll tanzen. Das Ostinato entwickelt seine Wirkung auch ohne elektrische Verstärker, unplugged. Und wer sich, wenn man wieder unter Leute gehen kann, zur Basler Fasnacht begibt, mag sich darüber wundern, wie viel sich über vier Jahrhunderte hinweg bei den Trommlern und Pfeifern von den musikalischen Elementen erhalten hat.



Thomas Rothschild – 31. Januar 2021
ID 12722
NAXOS-Link zur Cembaless-CD


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