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CD-Kritik

Ungarns Moderne





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Unter den unzurechnungsfähigen Persönlichkeiten jeglichen Geschlechts in der gegenwärtigen Politik ist Viktor Orbán eine der unappetitlichsten. Er hat es geschafft, dass das Wort „Ungarn“ unter zivilisierten Menschen einen üblen Klang angenommen hat. Es ist an der Zeit, dass man bei der Nennung dieses Landes wieder an Béla Bartók denkt statt an den Autokraten an dessen regierender Spitze.

Bartók als Geheimtipp oder Entdeckung zu bezeichnen, wäre eine unzulässige Vereinfachung. Aber dass er außerhalb Ungarns nicht die gleiche Beliebtheit genießt wie etwa der fast gleichaltrige Strawinski, lässt sich nicht leugnen. Diese Verhältnisse tun Bartók Unrecht. Er gehört zu den interessantesten und eigenwilligsten Komponisten der frühen Moderne diesseits der revolutionären, aber nur bedingt folgenreichen Innovationen von Arnold Schönberg.

Das Finnische und das Ungarische sind insofern verwandt, als sie zu den finnougrischen, also den nicht indogermanischen Sprachen gehören. Daraus abzuleiten, die Kulturen der beiden Völker hätten etwas mit einander zu tun, ist allerdings eine voreilige Schlussfolgerung. Wenn also der Finne Pietari Inkinen Bartók dirigiert, hat das nichts mit einer musikalischen Nähe zu Ungarn zu tun, sondern eher mit dem Interesse für Komponisten, die, wie sein Landsmann Sibelius, verglichen mit deren zentraleuropäischen Kollegen zwar nicht ignoriert, aber marginalisiert wurden.

Die jüngst erschienene CD enthält zwei der meistgespielten Kompositionen Bartóks: das von der ungarischen Volksmusik zehrende Divertimento für Streichorchester BB 118 Sz. 113 und die Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta BB 114 Sz. 106. Dazwischengeschaltet sind drei Klavierwerke, bearbeitet für Schlagzeugensemble von Bernhard Wulff, darunter sein wahrscheinlich populärstes, vielfach exploitiertes Stück, das Allegro Barbaro.

Die oft extrem kurzen Klavierstücke stehen im Zentrum von Bartóks Werk. Uminstrumentierungen sind seit je gang und gäbe. Das bekannteste Beispiel sind wohl Bachs Vivaldi-Transkriptionen. Nicht alle im Lauf der Jahrhunderte entstandenen Bearbeitungen von Kompositionen für Soloinstrumente, namentlich für das Klavier, sind gelungen. Zu den erfolgreichsten Exemplaren gehören die Orchestrierungen von Mussorgskis Bildern einer Ausstellung. Und was Bartók angeht, so hat er selbst eigene Kompositionen fürs Klavier später für größere Ensembles uminstrumentiert. Er dürfte also gegen das Verfahren keine grundsätzlichen Einwände gehabt haben. Die Bearbeitungen in der vorliegenden Besetzung sind umso mehr gerechtfertigt, als Bartók das Schlagzeug so üppig eingesetzt hat – siehe unter anderem die Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta BB 114 Sz. 106 – wie in seiner Generation nur noch der zwei Jahre jüngere Edgar Varèse.


Thomas Rothschild – 1. November 2022
ID 13888
https://www.naxos.de/neuheiten/0747313911080/


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