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Self-deceit aus CREATIONS VII-IX | (C) Stuttgarter Ballett

Bewertung:    



Warum bekommen eigentlich nur die Frauen Blumen und die Männer bloß dann, wenn sie außer Tänzern auch Choreographen sind? Wo bleibt die Emanzipation?

CREATIONS VII-IX, der dritte Abend der Serie beim Stuttgarter Ballett, bot drei Uraufführungen an, von Vittoria Girelli, Roman Novitzky und Louis Stiens mit Shaked Heller. Der Höhepunkt stand gleich am Anfang und heißt Self-Deceit, also Selbsttäuschung. Den Titel hat die vierundzwanzigjährige Italienerin Vittoria Girelli, Mitglied des Stuttgarter Corps de Ballet, von einer Serie der Fotografin Francesca Woodman entlehnt, die sie inspiriert hat.

Die Tänzer*innen liegen in und auf einander verknäult, wie ein Menschenhaufen, der entfernt an die Mysteries des Living Theatre erinnert, im Lichtkegel auf der ansonsten dunklen Bühne. Langsam lösen sie sich von einander. Sind es Männer? Oder Frauen? Oder Avatare? Vittoria Girelli spielt mit der Geschlechterambivalenz, die zurzeit en vogue ist. Partner in diesem Ensemblestück ist das Licht. Was die Körper an Verrenkungen vollziehen, ist von faszinierendem Einfallsreichtum und fesselnder Schönheit zugleich. Verglichen damit sind die Figuren von Sasha Waltz in Dido und Aeneas, das man vor einer Woche bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen sehen konnte, in die Jahre gekommen und von einer sentimentalen Verbindlichkeit.




Reflections/s aus CREATIONS VII-IX | (C) Stuttgarter Ballett


*

Nach Vittoria Girellis großem Wurf wirkten die Choreographien von Novitzky sowie Stiens und Heller eher unstrukturiert und beliebig. Den stürmischsten Applaus erhielt Novitzky für Reflection/s. Ob das mit der Tatsache zu tun hat, dass sich Novitzky nach dreizehn Spielzeiten am Stuttgarter Ballett mit diesem Stück von der Bühne verabschiedet, um in der extra für ihn geschaffenen Position eines Artist in Residence in Stuttgart zu bleiben? Die „Freunde“ des Stuttgarter Balletts, die die Atmosphäre bei Premieren nicht unmaßgeblich beeinflussen, dürften sich, von der Hofberichterstatterin der Lokalzeitung vorweg eingestimmt, mit ihrem Beifall von ihm verabschiedet haben. Reflection/s beginnt mit einer Folge von stets wirkungsvollen Pseudospiegelungen, ehe Rhythmus und Syntax der Anordnungen zerbröseln. Es war mit Sicherheit nicht Novitzkys stärkste Leistung.

Stiens und Hellers Ifima schließlich kam als Zelebration des Kriechens und der Langsamkeit daher, ehe die drei Tänzer, darunter die beiden Choreographen, die sich damit als Tänzer ebenfalls vom Haus verabschiedeten, in einer flachen Wasserlache umher spritzten spielten wie Kleinkinder. Auch ihnen ist schon einmal mehr eingefallen. Fazit des Abends: Gebt uns mehr von Vittoria Girelli. „Creations“ sagt noch nichts über die Qualität aus. Mit oder ohne Blumen.




Ifima aus CREATIONS VII-IX | (C) Stuttgarter Ballett

Thomas Rothschild - 30. Mai 2022
ID 13649
CREATIONS IV – VI (Schauspielhaus, 29.05.2022)

Self-deceit

Choreographie: Vittoria Girelli
Musik: Davidson Jaconello (Auftragskomposition), John Kenneth Tavener, Ludwig van Beethoven und Anton Arensky
Musikalisches Arrangement: Davidson Jaconello
Kostüme: Vittoria Girelli
Bühne und Licht: A.J. Weissbard

Reflection/s
Choreographie: Roman Novitzky
Musik: Magnus Mehl und Philip Kannicht
Kostüme: Aliki Tsakalou
Bühne und Licht: Yaron Abulafia

Ifima
Choreographie: Shaked Heller & Louis Stiens
Musik: Anni Nöps (Auftragskomposition), Katharina Klement, Rupert Huber, Wolfgang Amadeus Mozart
Musikalisches Arrangement: Anni Nöps
Kostüme: Shaked Heller und Louis Stiens
Bühne: Thomas Unthan
Licht: Jörg Schuchardt


Stuttgarter Ballett

Premiere der 3 Uraufführungen war am 29. Mai 2022.
Weitere Termine: 02., 04., 11., 12., 19., 20., 22.-24.06.2022


Weitere Infos siehe auch: https://www.stuttgarter-ballett.de/


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