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Peter Konwitschnys

Kopenhagener Elektra

Umjubelte Wiederaufnahme an der Oper Leipzig

Bewertung:    



Ricarda Merbeth hatte ich erst vor paar Tagen als Elektra in der konzertanten Aufführung der Berliner Philharmoniker unter Kirill Petrenko erlebt, da sprang sie kurzfristig für die unpässlich gewesene Nina Stemme ein, will sagen: Wegen Merbeth (die jetzt an der Pleiße planmäßig zu tun hat) war ich gestern nicht extra nach Leipzig gefahren, also nicht ausschließlich wegen ihr, sagen wir es besser so.

Sondern wegen Peter Konwitschny (79)!

In der Hauptstadt, wo er vor Jahren hin und wieder an der KOB beschäftig war, sah ich zuletzt sein Land des Lächelns (2007), das mir nicht so gut gefallen wollte. Danach war er in Berlin mit eigenen Arbeiten nicht mehr gesichtet worden; ich wusste zwar, dass er während der Metzmacher-Ära in Hamburg mit zig bahnbrechenden Inszenierungen Furore machte und danach drei oder vier Jahre Chefregisseur der Oper Leipzig war, aber dass er ausgerechnet an der Lindenoper, wo der damals schon politisch Unbequeme noch zu Ostzeiten immerhin eine Praktikantenstelle gewährt bekam, überhaupt noch nie oder nie mehr "beachtet" wurde, bleibt ein Rätsel sondergleichen; vielleicht fand der Barenboim, der mehr auf Harry Kupfer setzte, keinen rechten Draht zu ihm.

*

Seine inzwischen legendär gewordene Elektra-Inszenierung, welche er 2005 anlässlich der Eröffnung des neuen Opernhauses in Kopenhagen erarbeitete, wurde nunmehr an der OPER LEIPZIG, wo sie 2011 das erste Mal (nach Kopenhagen) präsentiert wurde, wiederaufgenommen; gute Idee.

Ihr Anfang und ihr Schluss sind das Beste:

Der junge Agamemnon (Frank Schilcher) tollt mit seinem kleinen Sohn und seinen beiden kleinen Töchtern in der Badewanne, und sie spielen da z.B. wer am längsten untertauchen also am längsten seine Luft anhalten kann, und das alles sieht sehr kinderlieb und unbeschwert aus - bis, unmittelbar vor dem martialischen Orchesterauftakt, seine Gattin Klytämnestra mit ihrem jugendlichen Galan Aegisth aus der die gesamte Bühnenfläche einnehmenden Spiegelwand heraustreten und den Herrscher von Mykene mit einer Axt erschlagen; die Kinder werden zu geschockten Tatzeugen und fliehen aus dem Bild...

Auch der hinzuinterpretierte Schluss der Oper, so noch nie (nicht mal in Ansätzen) gesehen - nach getaner Rache (Orest erschießt die Mutter und den Stiefvater, Elektra zerhackt die beiden hierauf) wird ausnahmslos, unter dem Böllerlicht eines grandiosen Höhenfeuerwerks, der Rest der bisherigen Belegschaft des Palastes von Mykene nacheinander massakriert; man hört andauernde Maschinengewehrsalven, und die aus der bisherigen Unsichtbarkeit in das Rampenlicht Fliehenden kippen der Reihe nach wie Fliegen um.

Dazwischen dann - bei rotlichterner Analogeinblendung eines Countdowns ab 1h 15' - die allbekannte Opernhandlung, im Bühnenbild und den Kostümen von Hans-Joachim Schlieker zwar modernisiert, aber von Konwitschny nicht weiterhin verfremdet.



Elektra, inszeniert von Peter Konwitschny - an der Oper Leipzig | Foto (C) Tom Schulze


Gespielt und gesungen wird sehr gut:

Aus der Erstbesetzung in der Leipziger Version ist u.a. Karin Lovelius als Klytämnestra [s. Foto oben] übrig geblieben. Hinzu kommt/ kam jetzt Jennifer Holloway (als Chrysothemis), Yorck Felix Speer (als Orest) und die eingangs schon erwähnte Ricarda Merbeth (in der Titelrolle) - die wiederum verfügt über eine auffällige Gesangstechnik, mit deren Hilfe sie geradezu mühelos extreme Höhen und Lautstärken, und punktgenau da, wo sie angebracht sind, zu meistern in der Lage ist, und nicht nur dafür wurde sie gestern Abend mit Jubel überschüttet; grandiose Sängerin!

* *

Zweimal noch steht Elektra diese Spielzeit auf dem Programm, und vielleicht wird das Haus dann etwas voller als jetzt live von mir erlebt - ich registrierte (ziemlich eindeutig bewiesen durch Schliekers hochverräterischen Großspiegel vorm eigentlichen Stückbeginn), dass nicht mal die Hälfte aller Plätze besetzt gewesen war, und irgendwas scheint da, vom Marketing her, nicht zu stimmen. "Aufwand und Nutzen"?
Andre Sokolowski - 28. April 2024
ID 14720
ELEKTRA (Oper Leipzig, 27.04.2024)
Musikalische Leitung: Christoph Gedschold
Inszenierung: Peter Konwitschny
Bühne und Kostüme: Hans-Joachim Schlieker
Licht: Manfred Voss
Besetzung:
Klytämnestra ... Karin Lovelius
Elektra ... Ricarda Merbeth
Chrysothemis ... Jennifer Holloway
Vertraute ... Merit Nath-Göbl
Schleppträgerin ... Lorraine Pudelko
Aufseherin ... Kathrin Göring
1. Magd ... Yajie Zhang
2. Magd ... Nora Steuerwald
3. Magd ... Marie-Luise Dreßen
4. Magd ... Olena Tokar
5. Magd ... Samantha Gaul
Aegisth ... Dan Karlström
Orest ... Yorck Felix Speer
Pfleger des Orest ... Peter Dolinšek
Junger Diener ... Sven Hjörleifsson
Alter Diener ... Roland Schubert
Agamemnon ... Frank Schilcher
Chor Chor der Oper Leipzig
Gewandhausorchester
Premiere war am 16. April 2011
Weitere Termine: 01., 05.05.2024


Weitere Infos siehe auch: https://www.oper-leipzig.de


https://www.andre-sokolowski.de

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