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100 Jahre

Zwerg



Burkhard Fritz als Zemlinskys Der Zwerg an der Oper Köln | Foto (C) Paul Leclaire

Bewertung:    



Der OPER KÖLN ist jetzt mit ihrem Doppelprojekt Der Zwerg/ Petruschka ein grandioser Wurf gelungen!

Erinnert wird an die Geburtsstunde des spätromantisch-veristischen Einakters von Alexander Zemlinsky (1871-1942) - basierend auf Oscar Wildes Kunstmärchen Der Geburtstag der Infantin - ; kein Geringerer als Otto Klemperer (von 1917 bis 1924 Generalmusikdirektor der Oper Köln) initiierte die damalige Uraufführung, das ist hundert Jahre her. Und so wie seiner Zeit wird halt Der Zwerg auch diesmal mit Strawinskys Burlesken-Ballett Petruschka kombiniert, das eine also vor, das andre nach der Pause. Ganz genauso, wie es anno 1922 war.

Die beiden Stücke haben, irgendwie, einen verwandtheitsgradigen Bezug, denn:


"...in der Oper Der Zwerg dreht sich alles um ein Jubiläum, denn Prinzessin Donna Clara feiert ihren 18. Geburtstag. Das aufregendste Geschenk ist ein lebendiger Zwerg, der sie und die ganze Hofgesellschaft mit seinem Gesang verzaubert. Augenblicklich verliebt sich dieser in die schöne Prinzessin, die jedoch ein grausames Spiel mit ihm treibt. Der Zwerg aber weiß nicht um seine eigene Hässlichkeit. Als er sich selbst im Spiegel erblickt, bricht er aus Verzweiflung über seine Missgestalt tot zusammen. In Petruschka werden uns die gesellschaftlichen Mechanismen der Ausgrenzung und Demütigung erneut vor Augen geführt: Auf einem Jahrmarkt erweckt ein Zauberer seine Marionetten zum Leben, darunter Petruschka, der unter der Misshandlung des Zauberers und unter seiner eigenen Hässlichkeit leidet. Lediglich die Liebe zur Ballerina spendet ihm Trost. Diese aber weist den verletzten Petruschka zurück, und es entspinnt sich ein Spiel um Liebe und Eifersucht, das tödlich endet." (Quelle: oper.koeln)



Kathrin Zukowski (als Prinzessin Clara) und Burkhard Fritz (als Titelfigur) in Zemlinskys Der Zwerg an der Oper Köln | Foto (C) Paul Leclaire


Paul-Georg Dittrich (Regie) sowie Pia Dederichs und Lena Schmid (Ausstattung) haben den Zwerg als bonbonfarbige und luftballon'ne Lustbarkeit, als wären wir inmitten eines gigantischen Kindegeburtstags, in Saal 2 des Staatenhauses installiert. Und als besonders auffällig und inszenatorisch gelungen muss sein innerer wie äußerer dramaturgischer Kipppunkt hervorgehoben werden: Diejenigen, welche mit kindlich-kindischem Foreveryoung die angebliche Hässlichkeit des von ihnen bis da gedemütigten Zwergs herauszustellen meinten, treten nunmehr - also während/ nach dem qualvoll sich ereignenden "Liebestod" der Titelfigur - als Zombies auf; entweder hat ihr natürlicher Alterungsprozess eine sie völlig überrascht habende Beschleunigung erfahren, oder ihre missglückten Schönheitsoperationen lassen Körper (und Geist) im Nu verwelken und verenden. / Burkhard Fritz hat spürbar Mühe, die kaum singbare Mordspartie des Zwerges einigermaßen unbeschadet zu überstehen. Katharina Zukowski ist eine gleißend aus sich raus ätzende "böse" Prinzessin. Allein von Claudia Rohrbach (als Prinzessinnenfreundin Ghita) gehen stimmliche Wärmemomente und ein Rest manifestierter Menschlichkeit, weil sie den Zwerg trotz seiner Missgestaltetheit wohl ansatzweise liebte, aus...

*

Bei der Petruschka müsste man womöglich etwas vorinformiert sein, worum es in ihr ginge - und ich selbst versäumte das und tat mich daher schwer dem Stück (von seiner Handlung her) zu folgen. Doch das machte letztlich nichts, weil Richard Siegal so viel schöne Leichtigkeit und Kurzweil inszenieren und choreografieren tat, dass es - auch ohne Kenntnis irgendeiner Vorgeschichte - völlig langte, gute Laune bei mir zu erzeugen. Irgendwas mit Marionetten oder so muss da gewesen sein. / Margarida Isabel de Abreu Neto tanzte die Titelrolle, ihr zur Seite agierten Long Zou (als Ballerina), Nicolás Supple (als Soldat), Evan Supple (als Magier) oder Pier-Loup Lacour (als dessen Assistent).

Das Gürzenich-Orchester Köln brillierte bei beiden Werken als ein sie bestimmender und an- wie einheizender Motor, Lawrence Renes dirigierte.



Nicolás Martinez und Long Zou in Strawinskys Petruschka an der Oper Köln
Foto (C) Paul Leclaire


Andre Sokolowski - 7. Dezember 2022
ID 13954
DER ZWERG | PETRUSCHKA (Opern Köln, 04.12.2022)
Musikalische Leitung: Lawrence Renes
Bühne & Kostüme: Pia Dederichs und Lena Schmid
Dramaturgie: Svenja Gottsmann
Doppel-Premiere an der Oper Köln: 19. November 2022
Weitere Termine: 08., 10.12.2022

Der Zwerg
Inszenierung: Paul-Georg Dittrich
Video: Konrad Kästner
Licht: Andreas Grüter
Chorleitung: Rustam Samedov
Dramaturgie: Svenja Gottsmann
Besetzung:
Donna Clara ... Kathrin Zukowski
Ghita ... Claudia Rohrbach
Don Estoban ... Christoph Seidl
Der Zwerg ... Burkhard Fritz
Erste Zofe ... Maria Koroleva
Zweite Zofe ... Tinka Pypker
Dritte Zofe ... Luzia Tietze
Erste Gespielin ... Kristi Anna Isene
Zweite Gespielin ... Manuela Vierra
Chor der Oper Köln
Gürzenich-Orchester Köln

Petruschka
Choreografie: Richard Siegal
Licht: Matthias Singer
Besetzung:
Petruschka ... Margarida Isabel de Abreu Neto
Die Ballerina ... Long Zou
Der Soldat ... Nicolás Supple
Der Magier ... Evan Supple
Sein Assistent ... Pier-Loup Lacour
Tänzer*innen des Ballet of Difference am Schauspiel Köln


Weitere Infos siehe auch: https://www.oper.koeln/


https://www.andre-sokolowski.de

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