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Die Stimme

von hinten



Gounods Faust am Teatro La Fenice | Foto (C) Michele Crosera

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Das Teatro La Fenice in Venedig hält architektonisch wie musikhistorisch ganz oben auf der Liste der Opernhäuser der Welt eine Position. Auf dem Spielplan stehen, in der Regel für fünf En-suite-Aufführungen, vorwiegend italienische Werke. Raritäten und Opern diesseits von Puccini sind die Ausnahmen. Jetzt hat Charles Gounods Faust als Koproduktion mit dem Teatro Comunale di Bologna seinen Weg wieder einmal ins Fenice gefunden, dirigiert vom Generalmusikdirektor Frédéric Chaslin und in der Regie von Joan Anton Rechi.

Schon das erste Bild signalisiert: hier wird keine hochmoderne, keine Castorfsche, aber auch keine verstaubte Inszenierung mehr angeboten. Faust sitzt im Schlafrock in einem Rollstuhl, Mephisto erscheint ihm prompt als Dandy mit Spazierstock in einem blendend weißen Anzug. Er ist ein sehr zeitgenössischer Magier, nämlich ein Filmregisseur. Ein Plakat verweist unmissverständlich auf Federico Fellini.

Das Gretchen ist eher eine Margarete (so der Alternativtitel von Gounod), ganz ohne Diminutiv. Sie ist mehr für Mephisto geschaffen als für Faust, und wenn sie am Ende im Kerker Fausts Stimme erkennt, wirft sie sich denn auch Mephisto in die Arme. Der jedoch ist undankbar und führt Gretchen die Hand zum Selbstmord. Zuvor fand ihr Gebet in einer Kirche statt, die nur in der Musik vorhanden ist. Das Bühnenbild steuert lediglich ein Neonkreuz bei.

Wenn das Orchester den berühmten Walzer spielt, bestellt man auf der Bühne mit einem Can-Can Grüße von Jacques Offenbach. Das passt zwar weder zu Gounod, noch zu Fellini, ist aber schön anzuschauen.

Ivan Ayon Rivas aus Peru ist ein Faust mit strahlendem Tenor und viel lyrischem Schmelz in den Höhen. Übertroffen wird er allerdings, jedenfalls stimmlich, von dem Mephisto Alex Espositos, dessen kraftvoller, aber zugleich ausdrucksstarker und an entsprechenden Stellen sogar gefühlvoller Bass von Anfang an dazu verführt, dem Geist, der stets verneint, den Vorzug zu geben. Er ist in erster Linie dafür verantwortlich, dass man in Venedig einen sehr italienischen Gounod sieht – nein, hört.

Der Chor tritt mit Mund-Nasen-Masken auf. Sicher ist sicher. Dabei verkündet er anstelle der „Stimme von oben“, also mit göttlicher Kompetenz das „Gerettet“ für Gretchen. Na Gott – pardon: Chor – sei Dank.




Gounods Faust am Teatro La Fenice | Foto (C) Michele Crosera

Thomas Rothschild – 27. April 2022
ID 13594
FAUST (Teatro La Fenice, 26.04.2022)
Musikalische Leitung: Frédéric Chaslin
Inszenierung: Joan Anton Rechi
Bühne: Sebastian Ellrich
Kostüme: Gabriela Salaverri
Licht: Alberto Rodriguez Vega
Chöre: Alfonso Caiani
Besetzung:
Faust ... Ivan Ayon Rivas
Méphistophélès ... Alex Esposito
Valentin ... Armando Noguera
Marguerite ... Carmela Remigio
Wagner ... William Corrò
Siébel ... Paola Gardina
Marthe Schwertlein ... Julie Mellor
Orchestra e Coro del Teatro La Fenice
Premiere war am 22. April 2022.
Weitere Termine: 28., 30.04.2022
Koproduktion mit dem Teatro Comunale di Bologna

Weitere Infos siehe auch: https://www.teatrolafenice.it


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