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Premierenkritik

Gut gecastet



Elena O'Connor als Tosca - am Staatstheater Cottbus | Foto (C) Bernd Schönberger

Bewertung:    



Die Vorzüge der neuen Tosca-Produktion am STAATSTHEATER COTTBUS [vor neun Jahren inszenierte Martin Schüler dort die letzte] liegen ohrenscheinlichermaßen in derem Cast, und insbesondere ihr protagonistischer Dreier fiel dann nicht nur damit auf, dass er jedwede individuell für sich zu erklimmenden Höhen treffsicher meisterte - auch sonst sang er, wie man so sagt, mit voller Kraft voraus. Heißt, dass es mich als willentlichem Tosca-Hörer ziemlich ambitioniert und also laut, um nicht zu sagen überlaut, erreichen tat.

Elena O'Connor (als Tosca), Alexey Sayapin (als Cavaradossi) und Andreas Jäpel (als Scarpia) waren angesetzt und lieferten - sowohl gesanglich wie auch darstellerisch.

Tosca ist - nach meinem persönlichen Dafürhalten - die beste (nicht schmalzigste) aller Puccini-Opern. Ihre librettistische wie musikalische Dramaturgie ist ein Paradebeispiel dessen, wie ein fesselndes Musiktheater, ohne dass es groß und bessermacherisch von der Regie her ausgelotet oder uminterpretiert werden müsste, funktioniert; alles steht eindeutig im Buch schon drin, und also bräuchten Inszenierungen bloß dem zu folgen, was an Text so vorgegeben ist:



"Vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen Napoleons Revolutionsheer und den habsburgisch-päpstlichen Truppen im Jahr 1800 entspinnt sich die Handlung der Oper innerhalb von nur 24 Stunden. Nach dem Sturz der römischen Republik hat Polizeichef Scarpia ein Terrorregime errichtet, das jede freiheitliche Regung im Keim erstickt. Die von allen verehrte Diva, die nur für die Kunst und die Liebe leben wollte, gerät ins Machtgetriebe des korrupten politischen Systems, nachdem ihr Geliebter in die Hände Scarpias fällt, weil er einem politisch Verfolgten Schutz gewährt hat. Scarpia verknüpft seine politischen Machtinteressen mit einer Obsession für Tosca und spinnt eine tödliche Intrige..." (Quelle: staatstheater-cottbus.de)


Liest sich [s. o.] etwas kompliziert, ist allerdings, wenn man die protagonistische Dreierkonstellation von all diesem "Historischen" entschälte, einfacher denn je in seiner emotionalen Nachvollziehbarkeit und bringt es nolens volens auf den Punkt: Florias Eifersucht liefert Cavaradossi, ihren Liebsten, an das Messer; letztlich hätte sie es sich ersparen können Scarpia, jenen Henker ihres Liebsten, zu ermorden; sowieso schlachtete sie ihn mehr aus abgründigem Hass und Ekel als strategisch zu nennendem Kalkül ab.

*

Cottbus' Co-Schauspieldirektor Armin Petras versetzte seine Tosca in die Gegenwart und wollte sie als einen "hoch aktuellen Polit-Thriller über das Verhältnis von Kunst und Macht" verselbständigt sehen.

Hatte gut geklappt - ja und was sollte/ wollte man auch anders mit ihr machen als dann irgendwelche zeitgemäße Bezüge in bzw. durch sie aufzuzeigen.

Die Folterungen, denen der arme Cavaradossi während seiner Verhörorgie unterhalb des Bühnenbodens ausgesetzt sein musste, waren nach der Prozedur unschwer erkennbar; Blut, wohin man an ihm sah, auch seine rechte (Maler-) Hand schien vollends zertrümmert und zerquetscht zu sein - er lugte mehrfach unter der Folterklappe, wo es kräftig dampfte, hoch zu uns und demonstrierte auf das Hypertheatralischste viel, viel, viel Schmerz & Leid; das sah dann allerdings schon etwas komisch aus.

Prima auch die blasphemische Einbindung einer Riesen-Sexbombe mit aufgeblasenen Brüsten, blonder Perücke, superkurzem Kleidchen, Handtäsch'chen und Zigarette rauchend und auf hochhackigen Pumps inmitten des zu feiernden Te Deums in der Kirche Sant' Andrea della Valle. Großartig in dem Zusammenhang die von Christian Möbius einstudierten Chöre!

Alexander Merzyn dirigierte. Seine musikalische Auffassung schien sich jedoch dann mehr aufs lautstark Expressive als die Auslotung von etwas leiseren Details dieser an sich ja auch das mehr oder weniger Introvertierte ihrer Rollenträger "beachtenden" Partitur konzentriert zu haben.

Enthusiastische Begeisterung nach Schluss der Aufführung.




Puccinis Tosca am Staatstheater Cottbus: Elena O'Connor (in der Titelrolle) und Alexey Sayapin (als Cavaradossi) | Foto (C) Bernd Schönberger

Andre Sokolowski - 14. April 2024
ID 14699
TOSCA (Staatstheater Cottbus, 13.04.2024)
Musikalische Leitung: Alexander Merzyn
Regie: Armin Petras
Bühne: Jan Pappelbaum
Kostüme: Cinzia Fossati
Lichtdesign: Norman Plathe-Narr
Choreinstudierung: Christian Möbius
Dramaturgie: Julia Spinola
Besetzung:
Floria Tosca ... Elena O'Connor
Mario Cavaradossi ... Alexey Sayapin
Baron Scarpia ... Andreas Jäpel
Cesare Angelotti ... Alexander Trauth
Mesner ... Ulrich Schneider
Spoletta: Jens Klaus Wilde
Sciarrone ... John Ji
Gefängniswärter ... Seungho Shin
Hirtenjunge ... Rahel Brede
Eine stumme Rolle ... Nathalie Schörken / Martha Hoyer
Opernchor, Kinder- und Jugendchor und Extrachor des Staatstheaters Cottbus
Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus
Premiere war am 13. April 2024.
Weitere Termine: 19.04./ 02., 27.06.2024


Weitere Infos siehe auch: https://www.staatstheater-cottbus.de


https://www.andre-sokolowski.de

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