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Premierenkritik

Ravels L´enfant et les sortilèges und L´heure espagnole

mit Studierenden der HfM Hanns Eisler Berlin


Foto: Steffen Kühn

Bewertung:    



Warum sind Projekte, Inszenierungen an Musikhochschulen niemals langweilig? Ob in Berlin, Leipzig, oder Köln, ich kann mich nicht daran erinnern, in einer dieser Aufführung gelangweilt oder enttäuscht gewesen zu sein. Immer ist da diese freudige Aufgeregtheit, ein offenes und emphatisches Publikum, und die Projekte unterscheiden sich oft von den normalen Spielplänen unseres Hochkulturbetriebes. So auch heute:

Zwei Kurzopern von Maurice Ravel hat die kalifornische Sopranistin, Regisseurin und Opernmanagerin Rebekah Rota aneinander montiert. L'enfant et les sortilèges erzählt von einem Kind (fast hätte ich störrisches Kind gesagt). So hat es die französische Librettistin Sidonie-Gabrielle Colette wahrscheinlich auch gemeint. Ein Kind ist gelangweilt vom ewig gleichen Alltag aus Hausaufgaben und Ermahnungen der Erwachsenenwelt. Es rebelliert, wird störrig und schließlich aggressiv gegenüber seiner Umwelt. Gegenstände werden zerschlagen, Tiere werden gequält also eigentlich eine ganz normale Kindheit. Nachts allerdings in einer anderen Realität oder Traumwelt - man kann es nicht wirklich unterscheiden - wird das Kind von den zerschlagenen Dingen und gequälten Tieren heimgesucht. Die Musik erinnert an narrative Opern wie Peter und der Wolf, wirkt auch so modern in Instrumentierung und Klangfarben, obwohl Ravel das Stück 1925 komponiert hat. Die Inszenierung ist offen und leicht, der im Libretto versteckte Zeigefinger wird nicht bemüht, der Spaßfaktor wird großgeschrieben.

*

So auch im zweiten Stück des Abends L'heure espagnole. Ravel hat das Stück 14 Jahre zuvor nach einem Libretto von Franc Nohain komponiert. Dem Uhrmacher Torquemada werden von seiner Frau Conception regelmäßig Hörner aufgesetzt. Immer mittwochs, wenn sich Torquemada in der Stadt befindet, vergnügt sie sich mit ihren Liebhabern Gonzalve, einem Dichter und Don Inigo, dem Bankdirektor. Bis eines Mittwochs noch der Maultiertreiber Ramior auftaucht und Conception es mit drei Herren zu tun hat. Aus dem farbigen Tohuwabohu geht der kräftige und bodenständige Ramiro als Sieger hervor. Die Instrumentierung ist herrlich vielfältig. Uhrenticken und viele perkussive Elemente werden von den Musikstudenten trefflich interpretiert. Und auch die Sängerinnen und Sänger sind vortrefflich. Herrlich ausgebauten Stimmen, und viel Spielfreude – da macht man sich keine Sorgen um die Zukunft des Musiktheaters.

Insgesamt ein fröhlicher Abend und eine Inszenierung, welche Musiktheater von dem Dunst des Elitären befreit. Ja, auch Musiktheater ist „nur“ Unterhaltung, Das hat in Berlin gute Tradition, Barry Kosky hat das in den letzten zehn Jahren an der Komischen Oper erfolgreich vertreten.



Studierende der HfM Hanns Eisler Berlin - nach der Aufführung der zwei Ravel-Opern am 21. Oktober 2022 | Foto: Steffen Kühn

Steffen Kühn - 23. Oktober 2022
ID 13869
L‘enfant et les sortilèges / L’heure espangnole (HfM Hanns Eisler Berlin, 21.10.2022)
Kurzopern von Ravel

Musikalische Leitung: Peter Meiser und Byron Knutson
Regie: Rebekah Rota
Bühne und Kostüme: Samira Schenk, Elisabeth Kuntze, Hanna Rufhfus und Sabrina Zinsmeister
Dramaturgie: Marlene Schleicher
Besetzungen:

L‘enfant et les sortilèges
L’enfant ... Yingsi He, Youngin Lee
Maman, la tasse chinoise, la libellule, un pâtre ... Andreea Dina Gargala, Oleksandra Diachenko
Le feu, la princesse, rossignol ... Haewon Lee, Stephanie Louise Edwards
La théière, le petit vieillard, la rainette/Chor ... Sahin Mert Üstay, Jüntao Ye
La bergère, la chauve-souris, l’écureuil, une chouette, les chiffres, la chatte, pastourelles, le pasteur, Chor ... Ema de Sa, Hannah Schmidt-Ott, Ainhoa Lopez de Munain Isasmendi, Maria Madalena Guimares de Martins, Alexandra Kedroff, Elia Farreras Cabero, Anastasia Ranchinska
L‘horologe, le chat/Chor ... Anton Belyaev, Carlo Schmitz
Le fauteuil, l‘arbre/Chor ... Egor Sergeev, Johannes Jost

L’heure espangnole
Concepcion ... Andreea Dina-Gargala, Louise Guenter
Torquemada ... Kyoungloul Kim
Ramiro ... Yibo Zhou, Anton Belyaev
Gonzalve ... Weicheng Li
Don Inigo ... Egor Sergeev, Juncan Zhu

Orchester der HfM Hanns Eisler Berlin
Premiere war am 21. Oktober 2022.
Weitere Termine: 23., 24.10.2022


Weitere Infos siehe auch: https://www.hfm-berlin.de/


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de

Musiktheater



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