Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 5

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Premierenkritik

Der Schelm

von Arkadien



Max Hopp (als John Styx) und Sydney Mancasola (als Eurydike) in Orpheus in der Unterwelt an der Komischen Oper Berlin | Foto (C) Monika Rittershaus

Bewertung:    



Dieser Mann kann einfach alles: Shakespeare spielen, Oscar Straus singen, Winnetou sprechen, Pointen platzieren, Märchen erzählen, Regie führen, aber auch conferieren, moderieren, garantieren. Grandiose Theaterabende zum Beispiel. Seit zehn Jahren steht Max Hopp auf der Bühne der Komischen Oper. Er hat Dagmar Manzel den Hof gemacht (Im weißen Rößl) und Katharine Mehrling in Hochdeutsch unterrichtet (My Fair Lady), nun gibt er - laut Besetzungszettel - den John Styx in Jacques Offenbachs Orpheus in der Unterwelt - was für eine schamlose Untertreibung. Vieles ist schamlos an dieser Produktion, die 2019 bei den Salzburger Festspielen lief und nun im Haus an der Behrenstraße neu einstudiert wurde, doch dazu komme ich später.

Jedenfalls hat Hopp in der Inszenierung von Barrie Kosky deutlich mehr zu tun als den Diener Plutos zu mimen und dieses eine Couplet zu singen. Denn ob Figuren sprechen, Türen quietschen, Absätze klackern, Zungen lecken, Küsse schmatzen, Getränke geschlürft oder Nägel gefeilt werden: Immer steckt dasselbe lose Mundwerk dahinter - das von Hopp. Und so thront er fast drei Stunden lang über allem wie ein Puck im auberginefarbenen Frack und zündet eine Juxrakete nach der anderen. Natürlich drückt ihm Kosky von den Dingern viel zu viele in die Hand, und manch ein Gag, der wieder und wieder über die Rampe gehauen wird, ist schon beim ersten Mal nicht lustig. In der Summe ist das aber völlig schnurz, weil der hochmotivierte Cast sichtlich Spaß am Rumblödeln hat und mit Windstärke acht über die Bühne brettert. Stellvertretend picke ich die beschwipste Juno von Karolina Gumos, Hagen Matzeit als gestrenges Öffentliches Meinungs-Mütterchen, Wolfgang Ablinger-Sperrhackes höllisch guten Pluto sowie die sopranfunkelnde, überaus ulkige Eurydike von Sydney Mancasola heraus. Ob Solist*innen, Tanzensemble, Chor, Ausstattung, Licht: Die Qualität der Aufführung ist enorm! Und wie großartig ist es, dass im französischen Original gesungen wird. Erst dadurch kann sich Offenbachs Opéra-buffon in ihrer vollen Pracht entfalten.

Apropos volle Pracht. Es wird mit Hingabe klimbimt, kalauert und klamaukt. Wer beim Anblick von Trockensex, Miederwaren und Swarovski-Schniedeln zur Schnappatmung neigt, sollte sich den Besuch vielleicht nochmal überlegen. Mich hat es nicht gestört. Dann schon eher, dass der Höllengalopp wieder fälschlicherweise als French Cancan dargeboten wird, obwohl das Gehopse zugegebenermaßen toll aussieht - und der Graben beinah explodiert. Allerdings ist die Nummer einer der wenigen Augenblicke, in denen das Orchester der Komischen Oper unter Adrien Perruchon auf gleichem Level spielt wie die Szenerie.

Der Vorhang fällt, die Leute toben. Kosky pustet mit dieser Offenbachiade seinem Publikum den Coronablues von der Seele. Es wirkt, als sei dieses Stück von Salzburg nach Hause gekommen. Der Abend hat beste Chancen, ein langes Leben im Repertoire zu führen. Reingehen!



Orpheus in der Unterwelt an der Komischen Oper Berlin | Foto (C) Monika Rittershaus

Heiko Schon - 9. Dezember 2021
ID 13350
ORPHEUS IN DER UNTERWELT (Komische Oper Berlin, 07.12.2021)
Musikalische Leitung: Adrien Perruchon
Inszenierung: Barrie Kosky
Choreographie: Otto Pichler
Bühnenbild: Rufus Didwiszus
Kostüme: Victoria Behr
Dramaturgie: Susanna Goldberg
Chöre: Jean-Christophe Charron
Licht: Franck Evin
Besetzung:
Orpheus ... Tansel Akzeybek
Eurydike ... Sydney Mancasola
John Styx ... Max Hopp
Die öffentliche Meinung ... Hagen Matzeit
Pluto ... Wolfgang Ablinger-Sperrhacke
Jupiter ... Peter Bording
Juno ... Karolina Gumos
Venus ... Alma Sadé
Diana ... Maria Fiselier
Cupido ... Nadine Weissmann
Merkur ... Peter Renz
Mars ... Tim Dietrich
Tänzerinnen und Tänzer: Michael Fernandez, Shane Dickson, Marcell Prét, Lorenzo Soragni, Damian Czarnecki, Daniel Ojeda, Kai Braithwaite, Alessandra Bizzarri, Claudia Greco, Lauren Mayer, Martina Borroni und Tara Randell
Chorsolisten der Komischen Oper Berlin
Orchester der Komischen Oper Berlin
Premiere zu den Salzburger Festspielen: 14. August 2019
Berliner Premiere: 7. Dezember 2021
Weitere Termine: 12., 15., 17., 20., 23., 28., 31.12.2021
Koproduktion mit den Salzburger Festspielen und der Deutschen Oper am Rhein


Weitere Infos siehe auch: https://www.komische-oper-berlin.de/


Post an Heiko Schon

Live-Streams

Premieren (vor Ort)



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



  Anzeigen:





MUSIK Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

CASTORFOPERN

CD / DVD

INTERVIEWS

KONZERTKRITIKEN

LEUTE MIT MUSIK

LIVE-STREAMS |
ONLINE

MUSIKFEST BERLIN

NEUE MUSIK

PREMIERENKRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski



Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2022 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de