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Premierenkritik

Denken und Leben für heute,

nicht für morgen!!

ORFEO ED EURIDICE an der Komischen Oper Berlin

Bewertung:    



Wieder endete eine Premiere an der Komischen Oper Berlin mit einer leidenschaftlichen Ansprache ihres Intendanten Barrie Kosky:

Lasst uns für heute denken und leben. Und nicht an ein ungewisses Morgen denken. Gerade in dieser ungewissen Zeit ist es wichtig, dass das Publikum die Möglichkeit bekommt „seine Seele zu baden“. Und überhaupt, das Publikum macht das Theater, ohne Publikum kein Theater. Nicht wir (die Komische Oper) schaffen das, sondern ihr (das Publikum) schafft das - rief uns Barrie Kosky von der Bühne zu. Das war Anerkennung und Verantwortung zugleich. Verantwortung dafür wieder in die Opernhäuser, Theater und Konzertsäle zu kommen, um Kultur wieder möglich zu machen. Ungefähr eintausend Gäste hatten selbige Verantwortung jetzt wieder einmal wahrgenommen...

*

Die Oper um den Mythos von Orfeo ed Euridice ist ein Maßstab im Bereich des Musiktheaters. Die Kraft des Gesangs, der Musik, der Kunst selbst bezwingt am Ende den Schrecken des Todes.



Orfeo ed Euridice an der Komischen Oper Berlin | Foto (C) Iko Freese/drama-berlin.de


Regisseur Damiano Michieletto und sein Team, allen voran der Bühnenbildner Paolo Fantin, hatten sich diesem Anspruch mit Verve gestellt. Die Atmosphäre, die Kostüme und die Formensprache des Bühnenbildes sind modern, aber nicht einfach. Keine farbige Unterwelt, kein gruseliger Hades oder andere Heerscharen und Dämonen. Das äußerst zeitgemäße Bühnenbild spielt mit geometrischen Abstraktionen und farbigen Licht. Die Kostüme sind einfach und überraschend. Von Antoine de Saint-Exupéry ist das Zitat überliefert „Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern nichts mehr weglassen kann“. In diesem Sinn hatten wir die perfekte visuelle Aufführung erlebt.

Aber auch eine darstellerisch ausgefeilte Inszenierung, man wähnte sich im Schauspiel, gängige Sänger-Konventionen wurden vermieden. Und auch wenn die Komische Oper Star-Countertenor Carlo Vistoli verpflichtete, lag der Schwerpunkt der Inszenierung auf dem Ensemble ganz im Sinne der Tradition Walter Felsensteins. Und die Inszenierung knüpfte an die Balletttradition der Komischen Oper an. 1966 auf Initiative von Walter Felsenstein gegründet, musste das Ballett der Komischen Oper Berlin bekanntlich 2004 auf Druck des Berliner Senats schließen. Heute Abend lebte es wieder auf. Nadja Mchantaf als Euridice durfte sich mit drei Tänzerinnen, allesamt Doubles der Euridice, auf der Bühne präsentieren. Das Leiden und die Verwirrung von Orfeo wurden so ins Unendliche überhöht. David Bates gab ein gelungenes Deutschland-Debüt und stand in Modernität der Inszenierung in nichts nach. Die kammermusikalischen Aktionen des Streichquintetts, des Bassetthorns und vor allem der Harfe klangen zeitgenössisch und korrespondierten in wunderbarer Weise mit dem Bühnenbild. Neben den Hauptrollen agierten Josefine Mindus (als Amore) und das Vocalconsort Berlin stimmlich und spielerisch ebenbürtig. Eine großartige Inszenierung und Ensembleleistung, was vom Publikum rückhaltlos in langem, langem Applaus gewürdigt wurde.

Steffen Kühn - 25. Januar 2022
ID 13420
ORFEO ED EURIDICE (Komische Oper Berlin, 23.01.2022)
Musikalische Leitung: David Bates
Inszenierung: Damiano Michieletto
Choreographie: Thomas Wilhelm
Bühnenbild: Paolo Fantin
Kostüme: Klaus Bruns
Dramaturgie: Simon Berger
Choreinstudierung: David Cavelius
Licht: Alessandro Carletti
Besetzung:
Orfeo ... Carlo Vistoli
Euridice ... Nadja Mchantaf
Amore ... Josefine Mindus
Vocalconsort Berlin
Orchester der Komischen Oper Berlin
Premiere war am 23. Januar 2022.
Weitere Termine: 29.01. | 06., 12., 25.02. / 06.03. / 03., 07.07.2022


Weitere Infos siehe auch: https://www.komische-oper-berlin.de/


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de

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