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nachDRUCK # 5

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Premierenkritik

Freundliche

Übernahme

oder Anbetung

des Apfel-

bäumchens

KRÓL ROGER von
Karol Szymanowski am
Staatstheater Cottbus


Nils Stäfe als Król Roger von Karol Szymanowski am Staatstheater Cottbus
Foto (C) Marlies Kross

Bewertung:    



"Im mittelalterlichen Sizilien herrscht König Roger der Zweite. Plötzlich taucht in seinem Reich ein charismatischer, schöner Hirte auf. Es heißt, er huldige einer neuen Gottheit und verführe die Menschen zu exzessivem Rausch. Auf Bitten Roxanes, der Gemahlin Rogers, widersetzt sich der König den Forderungen von Volk und Kirche, den bedrohlichen, verführerischen Jüngling hinzurichten. Er erkennt die Macht des neuen Glaubens an, von dem der Hirte erfüllt ist. Um ihm zu folgen, legt er die Zeichen seiner Herrschaft ab und begibt sich auf eine Reise ins Ungewisse, an deren Ende ihm der Jüngling in Gestalt des Gottes Dionysos erscheint. Den Morgen begrüßt Roger, innerlich verwandelt, mit einer frohen Hymne." (Quelle: staatstheater-cottbus.de)


Darum [s.o.] geht es in Król Roger, dem in jeder Hinsicht überbordenden Opern-Mysterium des im (heutigen) ukrainischen Timoschowka geborenen und im schweizerischen Lausanne verstorbenen polnischen Komponisten Karol Szymanowski (1832-1937). Sollte man die Polen, die ihn resp. seine Werke angeblich mehr oder weniger "ablehnten", dann eigentlich zu seinen Landsleuten zählen? Natürlich, aber:


"Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914 kehrte Szymanowski an seinen Geburtsort zurück, wo er bis 1917 blieb.

1917 entstanden die ersten Pläne zur Oper
Król Roger (König Roger). Nachdem das Haus seiner Familie in Tymoszówka im Herbst 1917 zerstört worden war, zog die Familie nach Jelisawetgrad um. Hier beschäftigte sich Szymanowski fast zwei Jahre lang ausschließlich mit Literatur. Er schrieb einen Roman namens Efebos und schenkte seinem jugendlichen Liebhaber Boris Kochno eine russische Übersetzung dieses Buches. Szymanowski ließ das Buch nie verlegen. Das Manuskript ging beim Angriff auf Warschau 1939 verloren; erhalten sind jedoch eine von Jarosław Iwaszkiewicz verfasste Inhaltsangabe sowie 150 Seiten in russischer Übersetzung, die später in Paris aufgefunden wurden.

1919 ließ sich Szymanowski wieder in Warschau nieder. Mittlerweile wurden seine Werke in ganz Europa und auch in den USA gespielt."


(Quelle: Wikipedia)

*

Und liest man das dann wiederum (Efebos für den Liebsten, s.o.) könnte daraus, und bezogen auf Król Roger, kess gemutmaßt werden, dass dann die Geschichte von dem "charismatischen, schönen Hirten" auch nicht gänzlich frei von einer gewissen erotischen Nervosität, die dieser völlig abgehob'nen Handlung inne wohnt, wäre und ist. Und in der Tat: Das so vermeintlich Schöne steuert das den Hirten in der hochgenialen Inszenierung von Tomo Sugao permanent umschwirrende Quartett der Tänzerinnen und Tänzer [Namen s.u.] aufs Herausforderndste bei - und mit dem Charismatischen an sich kann Uwe Stickert (als besagter Hirte) blendend und nicht minder überzeugend aufwarten.

Der Regisseur verlegte Szymanowskis krude Handlung in die Gegenwart: Ein mehr introvertierter, v.a. aber undespotisch und gewaltfrei sein dem manischen Konsum frönendes Volk regierendes Staatsoberhaupt (Nils Stäfe als Król Roger) wird in dem Moment aus seiner bisherigen Lenkungsbahn geworfen, als fünf Hare-Krishna-Jünger sein von kaufwütigen Nichtsnutzen bewohntes reiches Land zu okkupieren versuchen; und ihr Anführer trägt so ein Bio-Apfelbäumchen mit sich, das in Zukunft und sehr hoffentlich zum anbetungswürdigen Fetisch geraten soll und muss, ja und so trägt die Pflanze - nach der Pause - endlich Äpfelchen, deren Verzehr die Anbetenden zur Final-Erkenntnis führen, dass sie (so die Sicht der Macher:) nur noch Sex- statt Kauflust in sich spüren; und auch König Roger, der sich ganz zuletzt von dieser sinnstiftenden Neu-Bewegung völlig überzeugt und eingefangen zeigt, opfert sogar sein Herz und schaltet sich und seinen Konsum-Staat infolgedessen aus. "Freundliche Übernahme" würden wir so etwas heute nennen.

Die Kostümdesignerin Carola Volles schöpfte aus dem Vollen - so etwas an farbrauschiger Opulenz hatte ich lange nicht mehr auf 'ner Bühne (Julia Katharina Berndt entwarf diejenige in Cottbus) sehen dürfen. Witzig auch die vielen zeitgenössischen Zitate; meine Augen waren geneigt den Moshammer, den Dali, den Zappa oder auch die Westwood kühn zu identifizieren; ja und sicher waren da noch weitaus mehr vergleichenswerte Parallelen inszeniert.

Die fulminanten Stimmen von der Sopranistin Ketevan Chuntishvili (als Roxane) und Tenor Alexey Sayapin (als Edrisi) fielen mir nachklingenderweise auf. Ja und der Opernchor des Staatstheaters Cottbus inkl. Kinder- und Jugendchor (Einstudierung: Christian Möbius): eine bollwerkige Wucht - alles auf Polnisch einstudiert, Respekt!!

Dass Generalmusikdirektor Alexander Merzyn die so selten aufgeführte Szymanowski-Oper aktuell dann auf die Notenpulte legen ließ, adelte ihn nicht bloß als alles im Griff habenden Dirigenten, sondern auch als absoluten Kenner und Könner der von ihm veranlassten Materie.

Die hochbejubelte Premiere im leider nur zu zwei Dritteln (oder weniger sogar) besetzten Großen Haus des Staatstheaters Cottbus zeugte davon, dass das Stück in seiner klugen und ironischen Gesamtsicht unbedingt noch mehr Zuschauerinnen und Zuschauer erreichen sollte - dass das potenzielle Publikum auch was Gigantisches zu hören kriegen würde, haben wir im Obigen schon "angemahnt"; also:

Bitte noch viel mehr werben, werben, werben für den Cottbuser Król Roger!!!



Król Roger von Karol Szymanowski am Staatstheater Cottbus | Foto (C) Marlies Kross

Andre Sokolowski - 15. Mai 2022
ID 13623
KRÓL ROGER (Staatstheater Cottbus, 14.05.2022)
Oper in drei Akten von Karol Szymanowski

Musikalische Leitung: Alexander Merzyn
Regie: Tomo Sugao
Bühne: Julia Katharina Berndt
Kostüme: Carola Volles
Lichtdesign: Mark Van Denesse
Choreografie/Regiemitarbeit: Andrea Danae Kingston
Choreinstudierung: Christian Möbius
Einstudierung Kinderchor: Norienne Olberg
Dramaturgie: Katharina Duda und Patric Seibert-Wolf
Sprachcoaches: Aneta Kołton, Magdalena Pawlisz und Pawel Piekut
Besetzung:
Roger II ... Nils Stäfe
Roxane ... Ketevan Chuntishvili
Edrisi ... Alexey Sayapin
Der Hirt ... Uwe Stickert
Der Erzbischof ... Ulrich Schneider
Diakonissin ... Marta Mika
Tänzer: Eefje van den Bergen, Axier Iriarte, Hannah Kelly-Beuthner und Gian Luca Lazzarini
Chorgäste, Kinder- und Jugendchor sowie Statisterie
Opernchor des Staatstheaters Cottbus
Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus
Premiere war am 14. Mai 2022.
Weitere Termine: 19.05. / 26.06.2022


Weitere Infos siehe auch: https://www.staatstheater-cottbus.de/


https://www.andre-sokolowski.de

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