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Premierenkritik

Der junge

Meistersinger

Lortzings HANS SACHS in der Musikalischen Komödie Leipzig


Justus Seeger als Hans Sachs von Albert Lortzing - an der Oper Leipzig | Foto (C) Kirsten Nijhof

Bewertung:    



Nachdem in den letzten Jahren an der Oper Leipzig bereits zwei selten gespielte Werke von Albert Lortzing zu hören und zu sehen waren (Casanova in der Musikalischen Komödie, Undine im Opernhaus), erlebte nun eine weitere Rarität ihre Premiere: Hans Sachs, 1840 an der Pleiße uraufgeführt.

Leipzig hat es sich also zur erfreulichen Aufgabe gemacht, Lortzings leider etwas stiefmütterlich behandeltes Œu­v­re wieder mehr zu pflegen und zu Geltung zu verschaffen; in zwei Jahren wird es z.B. ein Lortzing-Festival geben, bei dem neben den o.g. Stücken auch noch (die weitaus bekannteren) Zar und Zimmermann sowie Der Wildschütz zur Aufführung gelangen sollen...

*

Natürlich verbinden die meisten die Figur des Hans Sachs mit Richard Wagners Meistersingern, auch wenn der Vergleich natürlich hinkt: Bei Lortzing geht es um den jungen Hans Sachs, der in Kunigunde (die Tochter des Bürgermeisters) verliebt ist, die jedoch den Ratsherrn Eoban Hesse heiraten soll. Ein Sängerwettstreit soll die Entscheidung zwischen den beiden Rivalen bringen, doch Hans unterliegt aufgrund einer Intrige (obwohl er die Gunst des Volkes hat) und wird aus der Stadt vertrieben. Erst das Erscheinen von Kaiser Maximilian vermag für Versöhnung zu sorgen.

Regisseurin Rahel Thiel hat einen großen Teil der allzu betulichen Dialoge gekürzt oder aktualisiert (so gibt es beispielsweise Anspielungen auf die berühmte Leipziger Lerche) und auch bei den Nummern einiges zusammengestrichen. Sie inszeniert das Stück ohne biedermeierlichen Nürnberg-Fachwerk-Schnickschnack ganz zurückhaltend vor einem knallblauen Hintergrund, hier stehen eindeutig die Figuren und ihre Beziehungen zueinander im Mittelpunkt. Mittels Hintergrundprojektionen von handgeschriebenen Gedichten (die im übrigen von den Sängern wunderbar rezitiert werden), einem Vorhang und fahrbarer Treppenpodesten (Bühnenbild: Elisabeth Vogetseder), die mal als Werkbank, Bühne oder Sitzgelegenheit fungieren, entsteht mit einfachen Mitteln ein flexibles Bild, das ausreichend Raum für Interpretation bietet. Die Kostüme von Renée Listerdahl sind farbenfroh und individuell gestaltet, gleich einem kunterbunten Wimmelbild. Außerdem wurde die stumme Figur des Cupido (Julian Brandão) hinzugefügt, der als kleiner Strippenzieher Liebesbriefe zustellt oder den Vorhang zuzieht.

Die Musik versprüht die für Lortzing so typische wunderbare Leichtigkeit, ausgefeilte Ensembleszenen aber auch einige heikle A-cappella-Nummern. Am Ende wird sogar die Schluss-Ansprache des Sachs aus den Meistersingern eingebaut, womit sich die Inszenierung nicht unbedingt einen Gefallen tut, da sich dadurch der Vergleich mit Wagners Oper förmlich aufdrängt (als ob man hier Äpfel mit Birnen vergleichen würde).

Justus Seeger gestaltet die Titelrolle mit lyrischem, feinen und jugendlichem Bariton, gegen Ende hat man jedoch den Eindruck, dass ihm etwas die Puste ausgeht (kein Wunder, wenn er plötzlich den Wagnerschen Schlussgesang anstimmen muss, der ja bekanntermaßen für ein ganz anderes Stimmfach geschrieben wurde).

Mirjam Neururer singt mit ihrem silberklaren Sopran eine ergreifende Kunigunde (quasi die Weiterentwicklung der Zar-Marie).

Adam Sánchez ist ein frischer und charmanter Lehrling Görg und kann auch hier seinen klangschönen Tenor zu Geltung bringen - ihm zur Seite steht Sandra Maxheimer als seine lebhafte Braut Cordula.

Andreas Rainer kann in seiner Rolle als Beckmesser-Pendant Eoban Hesse wieder sein großes komödiantisches Talent zeigen, ebenso wie Milko Milev mit seinem kräftigen Bariton als selbstgefälliger Meister Steffen. Christian Henneberg als würdevoller Kaiser Maximilian komplettiert das Ensemble.

Tobias Engeli dirigiert wie immer sehr gekonnt, mit leichter Hand und sorgt für ein wunderbares musikalisches Zusammenspiel des gesamten Ensembles und zeigt, dass Lortzing hier in den besten Händen ist.



Hans Sachs von Albert Lortzing - an der Oper Leipzig | Foto (C) Kirsten Nijhof


Das Premierenpublikum quittiert am Ende die Leistungen mit ordentlich Applaus und Bravi.

Der Gesamteindruck bleibt dennoch gemischt, was daran liegen mag, dass dieses Werk im Vergleich zum populären Wildschütz oder dem zwar unbekannten, aber überaus charmanten Casanova teilweise der Esprit, die einfallsreiche Dramaturgie und der Witz fehlt, um mithalten zu können, sodass es nicht verwunderlich ist, dass das Werk so selten auf der Bühne zu sehen ist.

Dennoch ist es dem Haus Dreilinden hoch anzurechnen, diese Rarität auf die Bühne geholt zu haben, zumal es ein wichtiger Baustein mit Blick auf das Lortzing-Festival 2026 ist.
Eva Hauk - 14. April 2024
ID 14700
HANS SACHS (Musikalische Komödie Leipzig 13.04.2024)
Musikalische Leitung: Tobias Engeli
Inszenierung: Rahel Thiel
Bühnenbild: Elisabeth Vogetseder
Kostüme: Renée Listerdahl
Dramaturgie: Inken Meents
Choreinstudierung: Mathias Drechsler
Besetzung:
Hans Sachs ... Justus Seeger
Kunigunde ... Mirjam Neururer
Görg ... Adam Sánchez
Cordula ... Sandra Maxheimer
Meister Steffen ... Milko Milev
Kaiser Maximilian I. ... Christian Henneberg
Cupido ... Julian Brandão
Chor und Extrachor der Musikalischen Komödie
Premiere war am 13. April 2024.
Weitere Termine: 20., 21.04./ 04., 05., 25., 26.05.2024


Weitere Infos siehe auch: https://www.oper-leipzig.de


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