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Konzertkritik

Klangschönheit

mit dem Staatsorchester Stuttgart (Dirigent: Cornelius Meister) und dem Geiger Emmanuel Tjeknavorian

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Über viele Jahre hinweg haben sich das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart und das Staatsorchester, das zugleich das Orchester der ansässigen Oper ist, in der baden-württembergischen Hauptstadt einen produktiven Wettbewerb geliefert. Beide Orchester konnten mit namhaften Chefdirigenten aufwarten. Seit aber das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart fusioniert hat, liefert es in Stuttgart nur noch wie ein Gastspielensemble zwischen Freiburg und Mannheim seine Abonnementkonzerte ab, ist aber in der Stadt ebenso wenig präsent wie sein gefeierter Chefdirigent Teodor Currentzis. Die Verantwortlichen in den Rundfunkanstalten haben mit nachhaltigem Erfolg die Aufgabe erfüllt, die ihnen zugeteilt wurde: die Institution, die ihnen anvertraut war, einmal mehr zu beschädigen und einen Leuchtturm der Kultur in der Landeshauptstadt zu vernichten. Was Corona nie gelungen wäre, haben die Rundfunkgewalttäter – pardon: die Rundfunkgewaltigen schon im Vorfeld erledigt. Den Klangkörper, den Persönlichkeiten wie Sir Neville Marriner, Gianluigi Gelmetti oder Sir Roger Norrington geprägt haben, gibt es nicht mehr. Die Kulturbarbarei hat gesiegt. Die Zeitungen der Region haben die Ohren gespitzt und sind dem Beispiel alsbald gefolgt. Ray Bradburys Fiktion hat bei den Schwaben Schule gemacht: die Feuerwehr als Brandstifter.

Dem Staatsorchester Stuttgart soll es recht sein. Es hält nun die Fahne der Musik in großer Besetzung am Ort konkurrenzlos hoch. In seinem 3. Sinfoniekonzert der Saison spielte es unter der Leitung von Cornelius Meister und mit dem erst 26 Jahre alten österreichischen Geiger armenischer Herkunft Emmanuel Tjeknavorian als Solisten Sibelius und Strawinsky. Tjeknavorian macht in Sibelius’ Violinkonzert auf seiner Stradivari aus dem Jahr 1698 vom ersten Takt an deutlich, dass er Klangschönheit nicht für obsolet hält. Und Cornelius Meister sorgt für eine unübertreffliche Einbindung des Soloparts in den Orchesterklang, beispielhaft im zweiten Satz, wenn sich die Violine mit den Bläsern auf einen Dialog einlässt. Zwischen den Sätzen pausiert Meister relativ lange. Er lässt Zeit zum Ausatmen. Die Zuhörer sollen zu sich kommen, ehe ein neues Tempo, eine neue „Stimmung“ einsetzt.

Nach der Pause dann: Le Sacre du printemps. Kürzlich gelangte die Nachricht an die Öffentlichkeit, dass der ehemalige Intendant des Stuttgarter Balletts Reid Anderson, eigentlich für keinerlei Amtshandlung autorisiert, Cornelius Meisters Kollegen Mikhail Agrest als Musikdirektor, also als für das Ballett zuständigen Dirigenten des Staatsorchesters, gekündigt hat, weil der nach Andersons Ansicht die falschen Tempi dirigiert hatte. Das Sonntagskonzert bewies einmal mehr, dass Ballettmusik sehr gut ohne Ballett, aber Ballett nur sehr schwer ohne Ballettmusik auskommen kann. Wo der Tanz nicht vor Augen geführt, sondern nur in der Musik spürbar war, deren Tempi der Dirigent ohne Zwischenrufe bestimmen konnte, lenkte nichts von deren Suggestivität, der rhythmischen Provokation und der bis heute faszinierenden Klangfülle ab. Und einmal mehr bewährte sich das Staatsorchester als das nunmehr konkurrenzlos führende Orchester am Ort.
Thomas Rothschild – 24. Januar 2022
ID 13417
https://www.staatsoper-stuttgart.de/spielplan/a-z/3-sinfoniekonzert-2021-22/


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