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Konzertkritik

Drei Generationen nach David Oistrach



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Seine Sinfonie Nr. 9 C-Dur schrieb Mozart wahrscheinlich 1772. Da war das „Wunderkind“ gerade 16 Jahre alt. Die Sätze sind noch deutlich kürzer als in den späteren Sinfonien, das ganze Werk dauert gerade zwölf Minuten. Dass ihre vergleichsweise einfache Struktur mit ihren ständigen Wiederholungen dennoch Vergnügen bereitet, liegt an der dynamischen Nuancierung durch den Dirigenten Cornelius Meister.

Auf diese Einleitung folgt beim 6. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Stuttgart das bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs komponierte, aber nach erzwungenen Unterbrechungen erst 1955 von David Oistrach uraufgeführte Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 von Dmitri Schostakowitsch. Als Solistin gab die 22-jährige Mira Foron damit ihr Debüt in ihrer Geburtsstadt und erwies sich als ganz großes Talent. Ihren Namen wird man sich merken müssen.

Das Violinkonzert fängt, selbst für Schostakowitschs Verhältnisse, elegisch bis düster an. Die Solovioline stellt sich eher klagend melodiös als expressiv oder gar verstörend vor. Im 2. Satz wechselt sie zu einem grotesk tänzerischen Gestus und steigt in einen aufregenden Dialog mit den Holzbläsern ein. Mit dem nächsten Satz erfolgt wieder ein radikaler Stimmungswechsel. Er kommt als Trauermarsch mit der Satzbezeichnung "Passacaglia. Andante" daher. Nach einer Einleitung der Bläser scheint die Solovioline Trost zu spenden. Dann verstummt das Orchester langsam und überlässt der Solistin das Podium für eine lange Kadenz. Das Orchester setzt danach mit einem übermütigen Optimismus ("Burlesque. Allegro con brio") ein, der einen scharfen Kontrast zum Anfang des Konzerts bildet, überschlägt sich zusammen mit der Solovioline.

In dem ganzen rund vierzigminütigen Konzert, das die Grenzen des Genres zu sprengen scheint, begegnen einem kurze Motive, die man auch aus anderen Werken des russischen Komponisten kennt. Es gilt zu Recht als Höhepunkt der Violinliteratur und verdient die begabtesten Interpreten. Mira Foron gehört ab sofort dazu.

Nach der Pause erklingt dann in romantischer Schönheit, süffig und dramatisch, die 5. Sinfonie von Antonín Dvořák, und alle gehen glücklich nach Hause.

Thomas Rothschild – 17. Juni 2024
ID 14804
STAATSORCHESTER STUTTGART (Liederhalle, 16.06.2024)
Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonie Nr. 9 C-Dur, KV 73/75a
Dmitri Schostakowitsch: Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 a-Moll, op. 77
Antonín Dvořák: Sinfonie Nr. 5 F-Dur, op. 76
Mira Foron, Violine
Staatsorchester Stuttgart
Dirigent: Cornelius Meister


Weitere Infos siehe auch: https://www.staatsoper-stuttgart.de/staatsorchester/


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